Eröffnung im Mai – das war wirklich der perfekte Zeitpunkt, um mit einem Biergarten frisch an den Start zu gehen. Als die Bauarbeiter nach der letzten Saison des alten Ausschanks im Grünen anrückten, dachten sicher die meisten, dass der DDR-Flachbau an der Frankfurter Allee abgerissen würde.
Der Standort ist nun mal eine Berliner Perle: Friedrichshain, Frankfurter Allee, Ecke Straße der Pariser Kommune. Ein richtig gutes Filetstück. Da hört man förmlich die Investorenträume wachsen: Weg mit dem Flachbau, her mit einem Hochhaus voller dringend gebrauchter Wohnungen oder Penthouses oder Büros oder Lofts.
Jedenfalls werkelten die Bauarbeiter lange an dem Flachbau herum, ohne viel kaputt zu machen. Allen, die täglich vorbeikamen, wurde schnell klar: Sie reißen nicht ab, sie sanieren denkmalgerecht. Es ist ein historischer Ort und gehört zum Ensemble des berühmten Boulevards, der als Karl-Marx-Allee in Mitte beginnt.
In den 60er-Jahren war dort das Gartenrestaurant des Café Warschau, das 1953 eröffnet wurde und nach dem Ende der DDR verschwand. Ab 2003 war es ein Biergarten mit echtem Sand von der Insel Usedom, seit 2013 heißt der Ausschank James June, ist eine Eventlocation und hat auch einen Winterbetrieb.
Es war eine feine Idee, alles so zu takten, dass er im Frühjahr öffnet. Natürlich kam es anders: Wir sind in Berlin, da wird nicht nur der BER Jahre später fertig, wir sind auch in Deutschland, einem Land, in dem selbst die fleißigen Schwaben für einen Bahnhof zwölf Jahre länger brauchen. Aber dieses Mal gab es im Winter so viel Dauerfrost, dass fast alle Baustellen erst mal in den Dauerschlaf versetzt wurden.
Die Arbeiter waren fleißig, doch die Zeit zog ins Land. Die Sonne war auch fleißig, und viele Leute hätten sicher gern im Biergarten gesessen. Obwohl die sechsspurige Straße nahe ist, sitzen die Leute überall an der Allee vor den Gaststätten. Die Spätis haben Außenbereiche mit Dutzenden Tischen und Liegestühlen auf der Wiese, als wäre es eine Partymeile.
Nun sind die Bauarbeiter immer noch nicht fertig, hinten steht noch der Bauzaun. Aber niemand weiß, wie lange die Sonne in diesem Sommer noch fleißig ist, also haben die Betreiber den Biergarten einfach schon mal geöffnet. Soft Opening nennt sich das. Und der Laden ist brummvoll. Tschechisches Bier, Burger, Salate zu den üblichen Biergarten-Preisen, dazu Schatten unter den Bäumen, ein Springbrunnen, ein Sandkasten.
Nach 19 Uhr ist kaum ein Platz zu finden. Und nächstes Jahr ist sicher schon ab Mai geöffnet.
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