Die Gourmetführer 2003 überhäufen Brandenburg nicht gerade mit Lob - einige Lokale werden trotzdem ausgezeichnet

Abserviert

Susanne Rost
4 Min

STORKOW/POTSDAM. Aus gutem Grund treffen sich Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac an diesem Mittwoch ausgerechnet im Restaurant Windspiel am Storkower See zu einem Arbeitsessen: Das Lokal im Schloss Hubertushöhe zählt zu den besten, die das mit Weltklasse-Köchen nicht gerade gesegnete Brandenburg zu bieten hat. Lange war es sogar das beste, zumindest für die Tester der einschlägigen Gourmetführer: Einen Michelin-Stern sowie drei Gault-Millau-Kochmützen für 18 von 20 möglichen Punkten holte Chefkoch Kurt Jäger für das Schlossrestaurant. Doch Jäger verließ das Lokal im Juni. Trotzdem fehlt das Windspiel im gerade vorgestellten Gault Millau 2003 nicht: Jägers Nachfolger, Thomas Linke, erreichte auf Anhieb 14 von 20 möglichen Punkten. Michelin lobt nur ein LokalBrandenburgs Gault-Millau-Spitzenreiter ist das Windspiel damit nicht mehr. Die meisten Punkte, nämlich 16, erkochten sich Oliver Heilmeyer vom "17fuffzig" im Hotel Zur Bleiche in Burg/Spreewald und Carmen Krüger von "Carmens Restaurant" in Eichwalde. Letzteres wird in Gourmetführer allerdings als Berliner Lokalität aufgeführt, wohl weil es in einem Dorf unmittelbar an der Stadtgrenze liegt. "Carmens Restaurant" ist zudem die einzige Brandenburger Lokalität, die auch im "Michelin 2003" - dem zweiten großen Restaurantführer - eine Auszeichnung erhielt und nicht nur bloß erwähnt ist. Wie in den Vorjahren erhielt das kleine Lokal einen "Bib Gourmet", die Auszeichnung für "sehr gute Küche zu einem besonders günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis". Der einzige Michelin-Stern, der über Brandenburg glänzte, ist nun aber weg: Das Windspiel hat ihn verloren.Begeisterung hält sich in Grenzen"Aus Brandenburg ist nicht viel Positives zu vermelden", sagt Alfred Bercher, der Redaktionsleiter des Michelin. Auch beim Gault Millau hält sich die Begeisterung der sich nie offenbarenden Testesser in Grenzen: "Gut gemachte Küche zu vernünftigen Preisen - das ist mehr, als man hier, leider, erwarten kann." Der dritte bekannte und ebenfalls gerade neu erschienene Restaurantführer Marcellinos konzentriert sich, im Gegensatz zu den beiden anderen, nicht nur auf Luxusgastronomie. Zumindest auf der Internetseite werden auch die "billigen und anständigen Drinks" in der Cottbuser Szenekneipe Maria 23 oder das Schmalzbrot in der Babelsberger Bahnhofskneipe Gleis 6 empfohlen. Aber auch hier fehlen die meist schon gut bekannten Spitzenrestaurants nicht. Beispielsweise der Vierseithof in Luckenwalde, der im Gault Millau 2003 auf 15 von 20 möglichen Punkten kommt. Damit rangiert das vor 1997 eröffnete Hotel in einer Fabrikantenvilla auf Platz 2 der Brandenburger Nobelrestaurants. Der Gourmetführer bescheinigt dem Küchenchef Dieter Kobusch gute Chancen, bald Brandenburgs bester Koch und somit Nachfolger des einstigen Windspiel-Küchenmeisters Jäger werden zu können. "Kobuschs Spezialität sind nicht gewagte Kreationen, sondern ausgefeilt moderne Klassiker, deren Reiz im Detail steckt, oft in den Beilagen, die andernorts so viel Langweile stiften."Die Gault-Millau-Tester besahen sich in Brandenburg knapp zwei Dutzend Restaurants - so viele werden zumindest im jüngsten Führer erwähnt. 13 Lokale erhielten die begehrte "Kochmützen"-Auszeichnung, die es für 13 oder mehr Punkte gibt. "Ambitionierte Küche" bieten laut Definition aber auch die Restaurants, die nur zwölf Punkte bekamen. Darunter die drei Neuzugänge: die Orangerie im Schloss Ziethen bei Kremmen ("das vermutlich angenehmste Restaurant im nördlichen Brandenburg"), das von Hövel unweit des Schlosses Hubertusstock ("einziges für Feinschmecker interessantes Restaurant in der Schorfheide") und die Brennerei im Schloss Neuhardenberg ("schöne, zarte Rindsroulade für konkurrenzlose zehn Euro").Regionale, bodenständige Küche wünschte sich Schröder für das Essen mit Chirac im Windspiel. Welche Speisen der Kanzler zum Vier-Gang-Menü wählte, bleibt geheim. Und wegen des Besuchs ist das Hotel für andere Gäste geschlossen. Gault Millau Deutschland 2003, Preis 30 Euro, ISBN 3-88472-537-8; Marcellinos Deutschland 2003; Preis 15 Euro, ISBN 3-927232-60-2; Der rote Michelin-Führer, Preis 29,50 Euro; ISBN 2-06-710002-5Gault Millau vergibt an 13 Brandenburger Restaurants Kochmützen // Im Restaurantführer "Gault Millau" für 2003 sind 20 Brandenburger Lokale erwähnt. 13 wurden mit der Kochmütze ausgezeichnet - sie holten mindestens 13 von 20 möglichen Punkten.Spitzenreiter mit 16 Punkten: "17fuffzig" im Hotel zur Bleiche in Burg/Spreewald (Tel. 035603/620; Internet www. hotel-zur-bleiche. com) und "Carmens Restaurant" in Eichwalde (Tel. 030/6758423).Zweiter Platz mit 15 Punkten: Vierseithof in Luckenwalde (03371/62680; www. vierseithof. com).Dritter Rang mit 14 Punkten: Seepark im Kurhotel Wandlitz (033397/750; www. seepark-wandlitz. com), Windspiel im Storkower Schloss Hubertushöhe (033678/430; www. hubertushoehe. de), Goldener Hahn in Finsterwalde (03531/2214; www. schreibers-goldenerhahn. de) sowie in Potsdam das Juliette (0331/2701791) und das Friedrich Wilhelm im Bayerischen Haus (0331/55050; www. bayerisches-haus. de).13 Punkte: Mephisto in Cottbus (0355/703806), Alte Schule Reichenwalde (033631/59464) sowie in Potsdam Pino (0331/2703030), Speckers Gaststätte zur Ratswaage (0331/2804311), Villa Kellermann (0331/291572).Foto: ZB/PATRICK PLEUL Im Schloss Hubertushöhe am Storkower See dinieren an diesem Mittwoch die Staatsmänner Schröder und Chirac.Foto: HOTEL ZUR BLEICHE Blick ins "17fuffzig" in Burg - eines der besten Restaurants.

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