Ost-Blick

Die große Ausnahme: Ein Ostdeutscher wird Präsident einer West-Universität

Timo Meynhardt, aufgewachsen in Thüringen, wird Präsident der privaten Universität Witten/Herdecke in Nordrhein-Westfalen.

Torsten Harmsen
Torsten Harmsen
2 Min
Timo Meynhardt, künftiger Präsident der privaten Universität Witten/Herdecke

Timo Meynhardt, künftiger Präsident der privaten Universität Witten/Herdecke

© Privat/Michael Bader

Wenn es schon im Osten viel zu wenige ostdeutsche Führungskräfte gibt – wie ist es dann erst im Westen? Unter den Universitätspräsidenten in den alten Bundesländern jedenfalls sind Menschen mit ostdeutscher Biografie eine absolute Ausnahme. Bis 2019 gab es nicht einen einzigen. 2021 wurde dann Enrico Schleiff, 1971 im brandenburgischen Luckenwalde geboren, Präsident der Universität Frankfurt am Main. Und blieb erst einmal einsam auf weiter Flur.

Nun gesellt sich ein weiterer Ostdeutscher dazu. Timo Meynhardt, 1972 im thüringischen Rudolstadt geboren, wird zum 1. April 2027 Präsident der bekannten privaten Universität Witten/Herdecke, wie die Hochschule aus Nordrhein-Westfalen selbst mitteilt. Der Psychologe und Betriebswirtschaftler hatte sein Abitur noch an einer Erweiterten Oberschule (EOS) in Rudolstadt gemacht. Er studierte in Jena. Weitere akademische Stationen: Oxford, Peking und St. Gallen.

Eine sächsische Kirchenzeitung beschrieb ihn 2020 als eines jener „Wendekinder“, die aus dem Erlebnis des DDR-Umbruchs die Fähigkeit erworben hätten, „mit notwendigem Wandel umzugehen und diesen zu gestalten“. Meynhardt selbst hat erfahren, wie schwer es Ostdeutsche haben, auf Führungspositionen zu gelangen. Seit Oktober 2015 ist er Professor für Wirtschaftspsychologie und Führung an der privaten Handelshochschule Leipzig – und dort der einzige ostdeutsche Lehrstuhlinhaber.

Der interaktive Professoren-Chatbot Timotar kann rund um die Uhr befragt werden

Meynhardt plädiert dafür, den „östlichen Blick“ zu stärken. Zu diesem gehöre die Einsicht, „dass vieles im Leben nicht planbar ist und man sich vor uneinlösbaren Versprechungen hüten sollte“. Es geht um Transformationskompetenz. Zugleich hat Meynhardt auch ein „Leipziger Führungsmodell“ mitentwickelt, um die Zusammenführung von Unternehmergeist, Verantwortung und Gemeinwohlorientierung zu fördern.

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Als Präsident der 1982 gegründeten privaten Universität Witten/Herdecke will er deren Bedeutung als „Ort der Wissenschaft im Dienst des Gemeinwohls“ stärken. Die älteste private Hochschule Deutschlands hat 3700 Studenten und ist in der Vergangenheit selbst durch einige Krisen gegangen.

Dass Meynhardt sehr innovativ sein kann, hat er zusammen mit seiner Tochter Charlotte Meynhardt gezeigt. Beide entwickelten den interaktiven Chatbot Timotar und sorgten damit Anfang 2025 bundesweit für Schlagzeilen. Mit dem Professor-Avatar können Studenten zu jeder Zeit über Fachfragen diskutieren – in fast 30 Sprachen.

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