Wirklich große Fußballer wirken auch dann noch in der Öffentlichkeit, wenn sie nicht mehr in kurzen Hosen einem runden Stück Kunststoff hinterherlaufen. Pelé, das Idol der 60er, zog in den 90er-Jahren als Sportminister gegen die Korruption in Brasiliens Fußball-Ligen ins Feld. Franz Beckenbauer, der Held der 70er-Jahre, widmet sich heute in der Zeit zwischen seinen TV-Werbeauftritten der Organisation einer Weltmeisterschaft. Nun will auch Diego Maradona, der Fußballstar der 80er-Jahre, nicht länger zurückstehen: An diesem Freitag wird er im Seebad Mar del Plata eine Protestdemonstration gegen George W. Bush anführen, der dort am IV. Gipfel der amerikanischen Staaten teilnimmt. Die Argentinier hätten mit dem US-Präsidenten noch "ein Hühnchen zu rupfen", sagte Maradona in der von ihm moderierten TV-Show "La noche del 10 - Die Nacht der Nummer 10".Stargast der in Havanna aufgezeichneten Sendung war Fidel Castro, den Maradona nach eigenen Worten "wie einen Gott" verehrt. Da Kubas Staatschef keine Einladung nach Mar del Plata erhalten hat, springt Maradona ein, um Bush ein kräftiges "Nein" zu seinem Krieg im Irak und zu seinen Freihandelsplänen auf dem amerikanischen Kontinent entgegenzuschmettern. Mit der Mehrheit seiner Landsleute weiß sich Maradona einig, Umfragen zufolge lehnen 64 Prozent der Argentinier Bushs Politik ab. Ihnen stellt Maradona heute seinen berühmten Namen zur Verfügung, und die internationale Aufmerksamkeit ist garantiert.Seit Maradona 1977 mit erst 16 Jahren sein erstes Länderspiel bestritt, hat er nicht mehr aufgehört, Schlagzeilen zu produzieren. Zuerst sportliche: 1979 wurde er mit Argentinien Junioren-Weltmeister, bei der WM 1982 war er nur durch rüde Fouls zu stoppen. 1986 in Mexiko hielt ihn niemand mehr, mit genialen Dribblings und spektakulären Treffern - ein Tor gegen England erzielte er mit der Faust, der "Hand Gottes", wie er sich später halb rühmte, halb entschuldigte - führte er seine Mannschaft zum Titel.Doch während er noch bei zwei weiteren Weltmeisterschaften 1990 und 1994 sein Ausnahmetalent unter Beweis stellte, war längst mehr von einem anderen Maradona zu lesen: von einem Menschen, den sein früher Ruhm völlig überforderte. Von einem, der zum Training erschien, wann es ihm passte. Von einem Lebemann, der wegen Verkehrsdelikten, Steuerschulden und Vaterschaftsklagen vor Gericht erscheinen musste. Von dem Kokain-Süchtigen.Zwei Mal ließ Maradona eine Entziehungskur über sich ergehen, zwei Mal wurde er rückfällig. Erst die dritte Kur, zu der ihn Castro nach Kuba eingeladen hatte, zeitigte möglicherweise Erfolg. Er sei jetzt seit anderthalb Jahren clean, sagt Maradona, und seinem Äußeren nach ist man geneigt, ihm zu glauben. Der mittlerweile 44-Jährige ist wieder rank und schlank wie in seiner frühen Jugend. Wer ihn zuletzt vor ein paar Jahren sah: das Gesicht aufgedunsen, 120 Kilo auf nur 1,65 Meter Körpergröße verteilt, der erkennt ihn nur mit Mühe wieder. Maradona, so scheint es, ist erwachsen geworden.------------------------------Diego MaradonaEx-Fußballer mit Hang zur Politik
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