Eine in Litauen abgestürzte Drohne stammt nach Regierungsangaben aus der Ukraine und war ursprünglich auf ein russisches Ziel gerichtet. Ministerpräsidentin Inga Ruginiene erklärte am Dienstag nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates, es habe sich eindeutig um eine verirrte Drohne gehandelt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Das Flugobjekt war in der Nacht zu Montag im Bezirk Varena, rund 20 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt, in den litauischen Luftraum eingedrungen und auf einem zugefrorenen See aufgeschlagen. Verletzt wurde niemand. Überwachungsaufnahmen, die der litauische Rundfunk veröffentlichte, zeigen eine Explosion und brennende Trümmer.
Verteidigungsminister Robertas Kaunas erklärte, die Drohne habe nach ersten Erkenntnissen zu einem Schwarm gehört, der den russischen Hafen Primorsk im Nordwesten Russlands angreifen sollte. Höchstwahrscheinlich sei sie durch russische elektronische Gegenmaßnahmen vom Kurs abgebracht worden. Weil sie in geringer Höhe flog, wurde sie weder von belarussischen noch von litauischen Radargeräten erfasst.
Litauen drängt auf bessere Drohnenerkennung
Ruginiene ordnete den Vorfall laut Reuters in einen größeren sicherheitspolitischen Zusammenhang ein: „Dies ist kein lokaler Vorfall, sondern Teil eines umfassenderen Sicherheitsbildes. Die russische Aggression gegen die Ukraine schafft zusätzliche Risiken für die gesamte Region.“ Beide Regierungsmitglieder betonten laut der Deutschen Presse-Agentur, dass Litauen zusätzliche Radargeräte zur Erkennung tieffliegender Drohnen bestellt habe.
Das baltische EU- und Nato-Mitglied hatte bereits im vergangenen Jahr bei der Nato mehr Luftverteidigung angefordert, nachdem im Juli 2025 zweimal Militärdrohnen aus Belarus auf litauischem Gebiet gelandet waren, wie Reuters berichtet. Der litauische Geheimdienst stufte beide Vorfälle als versehentlich ein.
Solche Zwischenfälle betreffen auch andere Nachbarstaaten: Wiederholt gelangten fehlgeleitete Drohnen über Belarus in den Luftraum von Polen, Lettland, Rumänien und Moldau. Im seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg zwischen Russland und der Ukraine greift Kiew regelmäßig russische Ziele mit Drohnenschwärmen an – die elektronische Abwehr Moskaus lenkt die Fluggeräte dabei zunehmend in Richtung unbeteiligter Staaten.
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