Im Stadtbezirk Friedrichshain, zwischen dem Strausberger Platz und der Kreuzung Proskauer und Niederbarnimstraße, erstreckt sich das längste zusammenhängende Baudenkmal Deutschlands: die Karl Marx Allee. Wer sich das gigantische Ensemble ansehen will, sollte Zeit mitbringen. Denn auf einen Blick sind die Besonderheiten der Gebäudearchitektur an der sechsspurigen Ost-West-Achse kaum zu erfassen. Inzwischen sind die Modernisierungsarbeiten so weit fortgeschritten, daß die monumentale Pracht, mit der die sozialistischen Machthaber den Rest der Welt beeindrucken wollten, wieder zum Vorschein kommt.Wohnzelle FriedrichshainAm 21. Dezember 1949 machte der Berliner Magistrat die fast völlig zerstörte "Frankfurter Allee" dem Genossen Stalin an seinem 70. Geburtstag zum "Geschenk". Zeitgleich mit der Umbenennung in "Stalinallee" ist auch der Grundstein für die "Wohnzelle Friedrichshain" gelegt worden. Dieser Bebauungsplan umfaßte das "Hinterland" der Magistrale zwischen Warschauer und Marchlewskistraße. Schon 1951 standen dort die ersten Zeilenbauten. Derweil liefen die Planungen für den "Vorzeigeboulevard" und die Wohnstadt an der Weberwiese auf Hochtouren.Sieger des "Wettbewerbs für die Stalinallee" waren jene fünf Entwürfe, die den Vorstellungen der Parteiführung am nächsten kamen: Monumentalität als Zeichen der Macht, verbunden mit einem Ausstattungsstandard, der wegweisend für die sozialistische Wohnkultur der Nachkriegszeit sein sollte. Unter hohem Normdruck entstanden von 1952 bis 1956 großzügig geschnittene Wohnungen mit Küche, Bad, zentraler Heizungs und Warmwasserversorgung, Balkonen, Loggien und Fahrstühlen.Vergeben wurden die edlen Behausungen an Arbeiter und natürlich an die "Nomenklatura". Heute stellen die "Erstbezügler" von damals noch 70 Prozent der hier ansässigen Mieter. Zwar mußte die Karl Marx Allee, wie sie seit 1961 heißt, für massenwirksame Paraden herhalten. Um den Erhalt der Gebäude kümmerte man sich indessen jahrzehntelang nicht. Erst Anfang der 90er Jahre rückte die Allee in den Blickpunkt von Investoren und Sanierern. Die DePfa Immobilienmanagement AG finanziert bis heute die Sanierung ihrer 14 Blöcke über Denkmalfonds und staatliche Fördermittel. Einige hat sie inzwischen gewinnbringend an verschiedene Bauherren verkauft. Nach dem Wegfall der öffentlichen Mittel drückte vor allem die Einhaltung der denkmalpflegerischen Auflagen auf das Sanierungsbudget. Die Bäder und Küchen der Wohnungen wurden gefliest, die Treppenaufgänge im alten Stil renoviert sowie die Fahrstühle erneuert. Das Architekturbüro Gibbins, verantwortliche Planer und Bauleiter, hatte keine leichte Aufgabe. "In einem strengen Winter haben wir sogar das Baugerüst beheizt, um nicht in Verzug zu geraten. Das Heizöl dafür hat 200 000 Mark verschlungen", erinnert sich Olaf Gibbins. Doch geschäftiges Treiben läßt in der Karl Marx Allee auf sich warten. Den auffälligen Leerstand an Gewerbeflächen erklärt Donald Möller von der DePfa so: "Der Zuschnitt der Ladeneinheiten mit geringer Tiefe aber großer Breite ist aus verkaufstechnischer Sicht ungünstig. Außerdem gibt es direkt an der Allee wenig Parkplätze." Anfang des Jahres wurde der "Förderverein Karl Marx Allee" gegründet. Er hat das ehrgeizige Ziel, die sanierten Prachtbauten mit Leben zu umgeben. Eckpunkte bilden neben einem funktionsfähigen Branchenmix aus Gastronomie, Einzelhandel und Kultur, ein neues Parkraumkonzept sowie eine einheitliche Bepflanzung. Auch Modenschauen sind geplant.Nächste Folge: Schloßstraße in Steglitz
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