Die Kleinen auf die Bühne

Geburtstags-Gala im Revuetheater: 60 Jahre theaterpädagogische Arbeit

BLZ
5 Min

Seit August 1945 beherbergt der Friedrichstadtpalast eine ebenso einmalige wie traditionsreiche Einrichtung: Das Kinderensemble. Rund 250 Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren erhalten hier kostenlos eine Grundausbildung in Tanz und Schauspiel.Unter dem Motto "Kinder spielen für Kinder" zeigt das Kinderensemble sein Können. Jedes Jahr in der Herbst- Wintersaison wird einem vorwiegend jungen Publikum eine professionelle Produktion auf der Bühne präsentiert. In diesem Jahr wird die Tradition von einem besonderem Ereignis unterbrochen. Seit 60 Jahren wird am Unterhaltungstheater theaterpädagogische Arbeit geleistet - in ihrer Art einmalig in Deutschland. Das ist uns Anlass, eine besondere Geburtstags-Gala zu feiern.Am Sonntag, den 19. Juni 2005, wird zwischen 11 und 13.30 Uhr die grosse Theaterbühne den jungen Tänzern und Schauspielern gehören. Sie präsentieren was die Kinderrevuen an Glanzlichtern zu bieten haben. Alle 250 Mädchen und Jungen werden dabei sein, unterstützt von einer Schar "Ehemaliger" - professionelle Künstler wie Julia Richter (ARD-Polizeiruf 110) und Peggy Pollow (Mama Mia-Musical Hamburg) - und natürlich von den "Profis", mit denen das Kinderensemble eine jahrelange Zusammenarbeit verbindet. Dazu gehören Michael Schanze und Franziska Troegner.Nach der Gala wird hinter dem Haus weiter gefeiert. Alle Gäste erwartet ein Kindertheaterfest, gestaltet von Partnern des Theaters u. a. FEZ, Ballett- und Artistenschule, Musikschule-Fröhlich und KAISERS. Zu diesem Ereignis sind natürlich viele Künstler, Pädagogen und Betreuer eingeladen, die das Ensemble über die sechs Jahrzehnte begleitet haben. Die Gala erinnert an Vergangenes, aber mehr noch prägen die Highlights der letzten Jahre das Programm. Deutlich wird vor allem, neben dem Spaß an der Inszenierung, dass der Friedrichsstadtpalast mit dem Kinderensemble zwei wichtige Ziele verfolgt: Er fördert generell die Kinderkultur, indem er Kindern die Welt der Bühne auf kindgerechte Weise nahe bringt. Und er bietet Kindern eine unentgeltliche Grundausbildung.Die Wurzeln des Ensembles reichen zurück bis in die Nachkriegszeit. Berlin lag noch in Schutt und Asche, während in dem von Bomben stark beschädigten Palast die Künstler schon wieder aktiv waren. In loser Folge wurden tänzerische, artistische und Gesangs-Nummern zu Themenkreisen wie Weihnachten, Karneval oder Märchen geboten. Ende der Fünfziger Jahre hielten dann Figuren Einzug, die für lange Zeit das Kinderprogramm wesentlich prägen sollten: Clown Ferdinand und Meister Nadelöhr.Durch ihre Fernsehauftritte populär, wurden sie wichtige Leitfiguren für die Kinder. Aus den losen Kooperationen mit Berliner Ballettschulen und Kinderchören bildete sich eine feste Truppe heraus; das Kinderensemble gewann Konturen. Aus den varietéartigen Nummernfolgen wurden Kinderrevuen mit durchgängiger Rahmenhandlung und immer anspruchsvollerem Niveau. Den ersten Höhepunkt bildete die "Regenbogen-Trilogie", die Mitte der achtziger Jahre zu sehen war. Ausgespro-chen erfolgreich war die hauseigene Revue-Bearbeitung der Humperdinckschen Kinderoper "Hänsel und Gretel" (1994/1995/1998/ 2000). Das Kinderensemble, das z. B. in legendären Serien wie "Ein Kessel Buntes" des DDR-Fernsehen auftrat, ist auch heute ungewöhnlich populär und gefragt. Michael Schanze, der viele Sendungen im Theater produzierte, liebt und schätzt die Zusammenarbeit. So drehte er die vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenen Videos zur Verkehrserziehung mit Mitgliedern des Kinder-ensembles.Bevor ein Kind auf die Bühne darf, durchläuft es eine solide Grundausbildung. Zweimal pro Woche wird trainiert. Über rhyth-mische Gymnastik und Improvisation werden die Tänzer behutsam an die strenge Schule des klassischen Balletts herangeführt. Mit etwa zwölf Jahren kommt das Fach Jazz Dance hinzu. Auch die Kinder der Sprecherklassen erhalten ein spezielles Training, um sich bühnenreif bewegen zu können. Aber der Schwerpunkt ihrer Ausbildung liegt auf Sprecherziehung, spielerischer Improvisation und szenischer Arbeit.Kinder dürfen übrigens nur achtmal pro Monat auf der Bühne stehen - das sagen die gesetzlichen Vorschriften. Entsprechend wird unter erheblichem Probenaufwand jede Rolle doppelt besetzt, was unter psychologischen Aspekten einen Vorteil hat: Wenn es keine unersetzlichen "Superstars" gibt, werden Neid und Konkurrenzdruck reduziert.Obwohl die Begeisterung groß und das Leistungsniveau bei den Kindern hoch ist, schlagen nur wenige Mitglieder des Kinderensembles die professionelle Laufbahn ein. Dennoch profitieren alle von der langjährigen, kontinuierlichen Arbeit; Disziplin, Konzentrationsfähigkeit und Körperbeherrschung gehören eben einfach dazu. Der Applaus des Publikums und die Bestätigung einer gelungenen Inszenierung lassen Mühen und An-strengungen vergessen. Es ist schon etwas Besonderes, auf einer so großen Bühne vor gefüllten Zuschauerreihen für Gleichaltrige und auch für viele Erwachsene zu tanzen, zu singen und zu spielen! Davon können sich alle Kinderrevuefans bei der 60-Jahre-Geburtstags-Gala am 19. Juni selbst überzeugen.------------------------------Hexen Regie: Matthias Davids.Buch & Liedtexte: Sascha Iljinskij.Komposition: Frank Nimsgern.Musikalische Leitung: Detlef Klemm. Kostüme: Andrea Kleber. Maske: Peter Bänisch. Licht: Olaf Eichler, Andreas Stübler. Choreografie: Adrian Allsopp, Maik Damboldt, Melissa King und Jan Linkens. Solisten: Katja Berg (Clony), Karim Khawatmi (Adam), Iris Makris (Donna), Leah delos Santos (Bella), Susann Malinowski-Märtens (Wicca).60 Jahre Kinderrevue - Die GeburtstagsgalaIdee, Buch, Texte, Choreografie und Regie: Team der Kinderrevue (Tinka Tarelkin, Susann Bolick, Petra Grube, Bärbel Heidel, Lothar Tarelkin, Corinna Druve). Bühnen- und Kostümeinrichtung: Anja Diefenbach. Mitwirkende: Kinderensemble, Ballett und Orchester des Friedrichstadt- palastes, Michael Schanze, Peggy Pollow, Julia Richter, Ellen Tiedtke und viele Überraschungsgäste.Am 19. Juni um 11 Uhr.Kartentelefon: (030) 23 26 23 26www.friedrichstadtpalast.de------------------------------Foto: Bevor ein Kind auf die Bühne darf, erhält es eine solide Grundausbildung. Zweimal pro Woche wird trainiert.

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