Dreißig Jahre, nachdem Günter Grass erstmals den Vorschlag einer nationalen Kulturstiftung aufgebracht hatte, wurde sie am Donnerstag in Halle an der Saale gegründet. Wer sonst als Grass hätte die Eröffnungsrede beim Gründungsakt in den Frankeschen Stiftungen halten sollen? Der Literaturnobelpreisträger sprach über die Kulturnation und forderte, dabei die verlorenen Provinzen im Osten nicht zu vergessen. Osteuropa wird in der Tat einer der vier Themenschwerpunkte sein - doch sicher anders, als Grass sich das vorstellt. Die weiteren Themenkreise, die der Stiftungsrat bei seiner konstituierenden Sitzung beschloss, heißen "Kunst und Stadt", widmen sich den "Kulturellen Aspekten der deutschen Einigung" und fragen nach der "Herausforderung des 11. Septembers 2001".Auf diesen Feldern können Förderungsanträge gestellt werden, zudem gibt es einen Fonds für freie Projekte (fünf Millionen). Insgesamt verfügt die Bundeskulturstiftung im ersten Jahr über 13 Millionen Euro, 2003 sind es 25 Millionen und ab 2004 jährlich 38,3 Millionen. Das wären die Zinsen von 750 Millionen; damit ist die neue Stiftung die bestdotierte im deutschsprachigen Raum. Am Gründungstag erteilte der Stiftungsrat bereits Zuschläge in acht Fällen für insgesamt rund zwei Millionen Euro. Mit einer Million trägt die Stiftung zum Ankauf der Sammlung Marzona für die Berliner Nationalgalerie bei. Daneben fördert sie das Hamburger Ostsee-Festival Art Agenda 2002, die deutsch-chinesisches Filmfestspiele, die Documenta 11 und den Ankauf von Rebecca Horns Buchenwald-Installation für Weimar. (sep.)
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