Immer muss man alles allein machen, auch in der Politik. Das dachte ich, als mich die SMS eines Freundes erreichte, der mir schon wieder erklärte, wie er das Berliner Wohnungsproblem lösen würde. Er will die Welt retten, wenigstens ein wenig, und ich finde das gut. Er ist einer, der liebend gern eine „echte“ sozialdemokratische Partei wählen würde, wie er es nennt. „Aber es gibt ja nur die SPD.“
Mit seinen Ideen fing es an nach dem Erfolg des Volksentscheids zur Enteignung von Wohnungskonzernen. Er kann sich noch richtig gut aufregen, aber eben nicht nur meckern, sondern auch nachdenken. Wir spazierten gerade an der Ringbahn an der Storkower Straße entlang, als er sagte: „Das kostet 35 Milliarden Euro oder noch mehr? Wie soll das bettelarme Berlin das bezahlen?“ Ich hatte keine Antwort, ich bin ja kein Haushaltsfachmann.
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Als wir uns wiedertrafen, hatte er eine Idee zu den 35 Milliarden: „Warum nimmt Berlin nicht 35 Jahre lang jedes Jahr eine Milliarde und baut dafür Sozialwohnungen? Das müsste einerseits finanzierbar sein und andererseits nachhaltig auf die Mieten wirken, oder?“ Ich fand den Vorschlag gut. Wenn zu jener Zeit eine Wahl gewesen wäre und er eine Partei – ich hätte ihn gewählt.
Danach war bei ihm erst mal Ruhe mit Ideen. Er musste mit der Familie aus der Wohnung in Friedrichshain raus, weil der Besitzer diese gern zu einem Mondpreis verkaufen wollte. Er suchte ewig, fand aber nur eine Wohnung, die fast doppelt so teuer war. Er kennt sich aus.
Lösung ganz ohne Enteignung
Vorgestern ploppte auf meinem Handy eine Nachricht auf – die neue Enteignungsdebatte hatte sein Gehirn befeuert: „Ich habe eben in einer Diskussion mit meiner Frau das Berliner Wohnungsproblem ein zweites Mal gelöst. Im Gegensatz zur Linken ohne Enteignung“, stand da. Ich war gespannt. „Berlin verabschiedet ein Gesetz, welches dem Land Berlin bei jeder neu zum Verkauf angebotenen Wohnung ein Vorkaufsrecht zugesteht. Dann kauft die Stadt diese Wohnung zum Marktpreis, überführt sie in eine städtische Wohnungsgesellschaft und kann über die Mieten (die im Idealfall vielleicht sogar gesenkt werden können) den Kaufpreis refinanzieren. Keine Enteignung. Kein Rechtsstreit. Alle sind glücklich: der Verkäufer, der Mieter, die Stadt.“
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Nun wurde er persönlich: „Damit hätten wir in unserer Wohnung bleiben können. Ich finde, darüber könnte man mal nachdenken. Aber mich fragt ja keiner.“
Was soll ich sagen? Klingt gut. So ähnlich hatte es die Stadt Brandenburg mit leer werdenden Praxen gemacht, um dem Ärztemangel entgegenzusteuern. Ich habe geantwortet: „Vielen Dank. Am Donnerstag mache ich eine Kolumne draus.“
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