Wir möchten zwar keine Klischees befeuern, aber Zahlen sind nun mal Zahlen. Und die sagen: Wenn in Sachsen-Anhalt der Wecker klingelt, dürfen sich viele Menschen in Hessen noch einmal umdrehen. Denn während erstere an Arbeitstagen durchschnittlich um 5:48 Uhr aus den Federn steigen, beginnt der Tag für letztere erst um 7:02 Uhr. Macht eine Differenz von satten 74 Minuten bei zwei nur durch Thüringen getrennten Bundesländern.
Diese Zahlen finden sich im jüngst veröffentlichten Schlaf-Atlas Deutschland von Baldriparan. Für die Übersicht hat der Anbieter Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen und Bevölkerungsbefragungen zusammengetragen. Und der Blick auf die regionalen Schlafgewohnheiten zeigt: Zwischen Ost und West unterscheiden sich nicht nur die Aufstehzeiten…
Warum beginnt der Tag im Osten so früh?
Wichtigste Erkenntnis: Vier von fünf ostdeutschen Flächenländern sind tatsächlich früher auf den Beinen als der Rest der Republik – mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern. Sachsen-Anhalt belegt mit durchschnittlich 5:48 Uhr den ersten Platz beim frühen Aufstehen. Dicht dahinter folgen Thüringen mit 5:49 Uhr und Sachsen mit 5.51 Uhr. In Brandenburg startet der Tag im Schnitt um 5:52 Uhr.
Ein Blick auf ausgewählte Bundesländer macht den Unterschied sichtbar:
- Sachsen-Anhalt: 5:48 Uhr
- Thüringen: 5:49 Uhr
- Sachsen: 5:51 Uhr
- Brandenburg: 5:52 Uhr
- Bayern: 6:37 Uhr
- Baden-Württemberg: 6:38 Uhr
- Hessen: 7:02 Uhr
Das heißt allerdings nicht, dass der gesamte Westen bis in die Puppen schläft. In Bremen stehen die Menschen im Durchschnitt um 5:56 Uhr auf, in Rheinland-Pfalz um 5:58 Uhr. Trotzdem zeichnet sich ein klares Bild ab: In den ostdeutschen Flächenländern beginnt der Arbeitstag besonders früh.
Wer schläft länger: Ost oder West?
Früh aufstehen bedeutet nicht zwangsläufig, wenig zu schlafen. Wichtig ist schließlich auch, wann abends die Lichter ausgehen. Bei der sich dadurch ergebenden durchschnittlichen Schlafdauer zeigt die im Baldriparan-Atlas berücksichtigte Befragung auch ein leichtes West-Ost-Gefälle: Insgesamt kommen die Menschen im Westen auf rund zehn bis fünfzehn Minuten mehr Schlaf als im Osten.
Die ausgewiesenen Schlafdauern:
- Hamburg: 8 Stunden und 46 Minuten,
- Bremen: 8 Stunden und 39 Minuten,
- Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: 8 Stunden und 32 Minuten,
- Sachsen-Anhalt: 8 Stunden und 11 Minuten,
- Brandenburg: 8 Stunden und 17 Minuten,
- Thüringen: 8 Stunden und 26 Minuten.
Wer ausschließlich die Arbeitstage betrachtet, bekommt allerdings eine andere Rangfolge. Dann steht Berlin mit 7 Stunden und 52 Minuten an der Spitze. Sachsen folgt mit 7 Stunden und 47 Minuten ebenfalls weit vorn. Schlusslicht ist Hessen mit 7 Stunden und 12 Minuten. Zwischen der Hauptstadt und Hessen liegen damit satte 40 Minuten pro Werktagnacht. Über fünf Arbeitstage summiert sich dieser Abstand auf drei Stunden und 20 Minuten.
Bleibt der Osten auch am Wochenende früh wach?
Die Unterschiede verschwinden nicht, sobald der Wecker frei hat. Auch an arbeitsfreien Tagen stehen die Sachsen besonders zeitig auf: Im Durchschnitt beginnt der Tag dort um 7:02 Uhr. In Sachsen-Anhalt ist es 7:20 Uhr, in Brandenburg 7:30 Uhr. In Hamburg wird dagegen bis durchschnittlich 8:02 Uhr geschlafen. Berlin folgt mit 7:48 Uhr.
Das ergibt ein vertrautes Bild: Während mancherorts am Sonntagvormittag schon der zweite Kaffee auf dem Tisch steht, wird anderswo noch überlegt, ob man überhaupt aufstehen möchte. Immerhin bleibt Sachsen damit auch ohne Arbeitsdruck der Frühstarter unter den Bundesländern.
Woher kommen die regionalen Unterschiede?
Warum die Menschen im Osten früher aufstehen, lässt sich nicht mit einer einzigen Ursache erklären. Der Beginn der Arbeitszeit spielt ebenso in die Werte hinein wie der Weg zum Arbeitsplatz. Wer zur Frühschicht fährt oder morgens einen längeren Arbeitsweg bewältigen muss, stellt den Wecker anders als jemand mit flexiblem Arbeitsbeginn oder Homeoffice. Auch feste Gewohnheiten bestimmen, wann eine Nacht endet. Und nicht zuletzt spielen auch Partner, Kinder, Haustiere eine Rolle.
Der Schlaf-Atlas zeigt außerdem, dass die Zahl der Stunden nicht alles ist. Eine lange Nacht garantiert noch keine Erholung. Stress kann das Durchschlafen erschweren, genauso wie Lärm oder ein zu warmes Schlafzimmer. Und wer bis spät in den Abend auf einen hellen Bildschirm schaut, verschiebt womöglich den Zeitpunkt, an dem er tatsächlich einschläft.
Ist länger schlafen automatisch gesünder?
Morgenstund‘ hat Gold im Mund – doch wer lang schläft, bleibt auch gesund! So erweiterte der Volksmund schon vor vielen Jahrzehnten das aus der Antike stammende Zitat.
Die Bewertung stimmt allerdings nicht unbedingt. Der Schlaf-Atlas beleuchtet auch, warum die Qualität der Nachtruhe so wichtig ist. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2024 berichteten 35,3 Prozent der Erwachsenen über Ein- oder Durchschlafstörungen. Probleme beim Durchschlafen nannten 31,7 Prozent, Schwierigkeiten beim Einschlafen 16,3 Prozent.
Gerade der Unterschied zwischen Schlafdauer und Schlafqualität ist entscheidend. Acht Stunden im Bett helfen wenig, wenn man ständig aufwacht. Umgekehrt muss jemand, der zeitig aufsteht, nicht automatisch unter Schlafmangel leiden. Wichtig ist, ob man am Tag ausgeruht bleibt und sich gut konzentrieren kann. Schlaf hat schließlich mehr mit Erholung zu tun als mit einem möglichst späten Blick auf den Wecker. Und dann weiß die Wissenschaft außerdem, dass jeder Mensch seine eigene, individuelle Optimal-Schlafdauer hat.
Was hilft, wenn der Wecker zu früh klingelt?
An der Uhrzeit des Arbeitsbeginns können die wenigsten spontan etwas ändern. An den Bedingungen für eine erholsame Nacht dagegen schon. Der Baldriparan-Schlaf-Atlas nennt mehrere einfache Maßnahmen:
- Möglichst regelmäßig ins Bett gehen und aufstehen – auch an freien Tagen.
- Das Schlafzimmer ruhig und dunkel halten und auf eine angenehme Temperatur achten.
- Smartphone und andere Bildschirme rechtzeitig vor dem Schlafengehen weglegen.
- Koffein am späten Abend vermeiden und ausreichend Zeit für Schlaf einplanen.
Wer über längere Zeit schlecht schläft und tagsüber erschöpft ist, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen. Vor allem anhaltende Ein- oder Durchschlafstörungen verdienen Aufmerksamkeit.
Und ob in Magdeburg oder Frankfurt am Main: Die innere Uhr hält sich nicht an die Grenzen der Bundesländer. Doch der Schlaf-Atlas macht sichtbar, wie unterschiedlich der Alltag in Deutschland getaktet ist. Während im Westen mancher Wecker noch schweigt, hat der Osten vielerorts den ersten Kaffee längst hinter sich.
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