KAIRO. Heute Abend eingeladen? Irgendwo zwischen Dubai und Casablanca oder Kreuzberg, und Sie suchen noch das passende Geschenk? Da gibt es jetzt was Originelles: das Video vom Schuhwurf von Bagdad zum Herunterladen aufs Handy. Man sieht den irakischen Journalisten Saidi bei der Pressekonferenz am Sonntag in Bagdad, wie er ausholt und seine beiden Schuhe auf US-Präsident Bush schleudert. Immer wieder kann man es anschauen, sollte man Frust spüren wegen der Ungerechtigkeit der Welt, wegen des Krieg im Irak oder der USA im Allgemeinen. Die Tat war so genial wie einfach.Jemandem Schuhe an den Kopf zu werfen, ist wohl in jeder Kultur ein Zeichen von Respektlosigkeit, aber in islamischen Ländern ist die Tat mit allerlei Bedeutungen aufgeladen. Zum Beispiel kann der Orientreisende jedem Reiseführer entnehmen, und selbst bei Karl May steht: Schuhe sind beim Betreten einer Moschee auszuziehen, die Füße sind zu waschen. Schuhe sind unrein, weil ihre Sohlen die unkalkulierbaren Unreinheiten der an Unreinheiten durchaus reichen orientalischen Straße berührt haben. Der Gläubige, der die beschmutzte Stelle des Moscheeteppichs berührt, müsste sich nochmals waschen, bevor er betet. Tut er es nicht, weil er gar nichts von der Verunreinigung weiß, verliert sein Gebet an Gültigkeit. Zudem soll man sich im Orient davor hüten, seinem Gegenüber die Fußsohle zu zeigen, sie ist schließlich potenziell ebenso unrein wie der Schuh. Das Hinrecken der Fußunterseite wird als Beleidigung verstanden.Auch dem Werfen kommt eine besondere Bedeutung im Orient zu: So soll jeder Mekkapilger sieben Steine auf einen Felsen werfen, der den Teufel symbolisiert. Wer nicht genügend Kiesel zur Hand hat, wirft auch gerne mit anderen Gegenständen. Zum Beispiel mit Handys. Mehrere goldene Mobiltelefone wurde am Berg Arafat zuletzt gefunden. Werfend wird dort der Teufel vertrieben. Der Schuhwurf von Bagdad lässt sich als Akt des islamischen Widerstandes interpretieren. Das macht Ihr Geschenk noch besser. Oder Sie schenken zwei Schuhe. Schuhe an langen Stangen tragen die Demonstranten in diesen Tagen durch die arabischen Hauptstädte.
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