BERLIN. Ärzte und Krankenkassen können also auch miteinander verhandeln, ohne viel Aufsehen zu erregen. Fast geräuschlos haben sie sich auf eine üppige Aufstockung des Honorartopfs für die niedergelassenen Ärzte geeinigt. Wie gestern bekannt wurde, soll die Gesamtvergütung der Mediziner im kommenden Jahr um rund eine Milliarde Euro aufgestockt werden. Dies teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen mit. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zeigte sich zufrieden. "Das ist ein moderater Anstieg", sagte KBV-Sprecher Roland Stahl. Er sei auch vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gerechtfertigt.Krankenkassen mit ÜberschussDer Honorartopfs wird damit innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal aufgestockt. Bereits zum Jahresanfang ist die Vergütung von rund 29 Milliarden Euro im Vorjahr auf 31 Milliarden Euro für das laufende Jahr gestiegen. Darauf hatten sich die Mediziner und Krankenkassen im vergangenen Herbst nach monatelangen Auseinandersetzungen geeinigt. Die Öffentlichkeit wurde Zeuge eines Spektakels. Es herrschte Aufregung wie auf dem Jahrmarkt; Funktionäre der Ärzteschaft boykottierten Abstimmungen, verließen die Verhandlungen und beide Parteien machten sich in der Öffentlichkeit wilde Vorwürfe.Diesmal ging alles gesitteter von Statten. Zwar konnte man sich auch diesmal nicht auf Anhieb einigen, weswegen die Schlichtung, der Erweiterte Bewertungsausschuss, einberufen werden musste. Doch dann ging es relativ flott. Das hat gute Gründe. Im Gegensatz zum Vorjahr sollte nicht ein neues Honorarsystem entwickelt werden. Stattdessen mussten sich Krankenkassen und Ärzte über eine Prognose verständigen, wie sich die Krankheitsfälle im kommenden Jahr entwickeln werden. Dafür werden unter anderem die Arzneimittelausgaben und die demografische Entwicklung analysiert, erläuterte Kassensprecher Florian Lanz. Offenbar kam man zu dem Schluss, dass im kommenden Jahr deutlich mehr Behandlungen notwendig werden. Bis zum vergangenen Jahr hing die Honorarsteigerung dagegen nicht von der Zahl der Krankheitsfälle ab, sondern von der Entwicklung der Tariflöhne. Dies führte dazu, dass Ärzte bei steigenden Behandlungszahlen und Ausgaben teilweise nicht mehr Geld bekamen. Die Preise, die die Kassen pro Krankheitsfall bezahlen, steigen entgegen der Wünsche der Ärzteschaft 2010 dagegen nicht.Für die Versicherten bedeutet die Einigung rechnerisch, dass die Beitragssätze von derzeit 14,9 um 0,1 Prozent steigen müssen. Da die Politik seit vergangenem Herbst die Beitragssätze festsetzt, ist aber nicht absehbar, ob dies tatsächlich so eintreffen wird. Möglich ist auch, dass der Gesundheitsfonds weiter mit Steuergeldern aufgefüllt wird oder dass Krankenkassen ohne Finanzpolster Zusatzbeiträge bei ihren Versicherten eintreiben müssen. Letzteres ist wahrscheinlicher.Zwar haben die Kassen im ersten Halbjahr 2009 rund eine Milliarde Euro Überschuss erzielt, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Doch am Jahresende könnte sich die Situation ganz anders darstellen. "Das positive Zwischenergebnis freut uns", sagte Kassensprecher Lanz. Die eigentlichen Herausforderungen stünden aber noch bevor. So wird die vermutlich steigende Arbeitslosigkeit zu weniger Beitragseinnahmen führen. Hinzu kommen die Kosten für die Schweinegrippe-Impfungen. Zudem werden die Kassen in diesem Jahr erstmals auf Zusatzeinnahmen im Dezember verzichten müssen, wenn das Weihnachtsgeld ausgezahlt wird. Neu erhalten sie in jedem Monat gleichviel Geld.------------------------------Foto: Die Einnahmen steigen: Es gibt mehr Honorar für die Ärzte.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]