Die Nordischen Kombinierer des DSV sichern sich WM-Silber im Mannschaftswettbewerb

Entscheidung am Schicksalsberg

Joachim Mölter
4 Min

OBERSTDORF, 23. Februar. Das Videostudium gehört zum Job eines Skispringers, und als Ronny Ackermann vor einigen Jahren bei einem Weltcup in Sapporo Bänder entdeckte mit alten Aufnahmen, da sah er sich die aus Interesse halt mal an. Zumal welche dabei waren von der Nordischen Ski-WM 1987 in Oberstdorf. "Ich wollte mal sehen, ob unsere Trainer damals tatsächlich so viel Vorlage beim Springen hatten, wie sie uns immer erzählen", sagte Ackermann. Und was hat er gesehen von Bundestrainer Hermann Weinbuch und seinem Assistenten Andreas Bauer, den WM-Teilnehmern von 1987? "Das müssen manipulierte Aufnahmen gewesen sein", sagte Ackermann, der zweimalige Einzel-Weltmeister in der Nordischen Kombination, listig.Immerhin hat er nicht angezweifelt, dass Weinbuch damals mit Hans-Peter Pohl und Thomas Müller den Mannschaftstitel gewann, die einzige Goldmedaille für den Deutschen Skiverband (DSV) anno 1987. Am Mittwoch wollten Ackermann, Björn Kircheisen, Georg Hettich und Sebastian Haseney das nachmachen bei der diesjährigen WM von Oberstdorf, aber da hätten sie sich die alten Bilder vielleicht genauer anschauen sollen: Beim Springen büßten sie so viel ein auf das Team aus Norwegen, dass sie das nicht mehr aufholen konnten. Schlussläufer Ackermann schaffte es immerhin, in einem dramatischen Endspurt die Silbermedaille zu sichern; 0,3 Sekunden vor dem Österreicher Felix Gottwald. Es war die vierte Medaille für den DSV bei dieser WM und das dritte Silber in Serie für die Kombinierer nach Olympia 2002 in Salt Lake City und der WM 2003 in Val di Fiemme."Im Springen sind alle ein bisschen unter Wert geblieben", bilanzierte Trainer Weinbuch, "dafür waren sie im Laufen alle drüber." Im Team-Wettbewerb der Nordischen Kombination ist das Rechnen leicht: Ein Punkt beim Springen entspricht einer Sekunde im Langlauf; nach den beiden Durchgängen von der Großschanze lag das deutsche Team 86 Punkte hinter den führenden Norwegern - mit 1:26 Minuten Rückstand ging das Quartett also in die Loipe, an fünfter Stelle liegend. "Das sind dreißig Sekunden zu viel Rückstand", sagte Weinbuch, zumindest für Gold. "Wir müssen schon eine Super-Leistung beim Laufen bringen, um überhaupt noch eine Medaille zu kriegen", fürchtete Ackermann sogar.Das taten sie dann auch, allen voran Sebastian Haseney, der als schwächster Springer des Teams den Rückstand maßgeblich verursacht hatte. Aber er ist in der Regel auch der stärkste Läufer. "Ich habe versucht, mir das Rennen einzuteilen", sagte Haseney. Er hatte sich nicht verausgabt, "trotzdem bin ich etwas explodiert oben." Oben am Burgstall war das, am Ende eines langen, steilen Anstiegs. Der Burgstall ist so etwas wie der Schicksalsberg der deutschen Langläufer bei der WM, dort hatte auch Evi Sachenbacher am Montag in der Staffel den Anschluss verloren und die Aussicht auf eine Medaille.Haseney verlor zwar viel Kraft an diesem Berg, aber er hatte den Rückstand immerhin um eine halbe Minute verkürzt, ehe er an Georg Hettich übergab. Der sollte eigentlich nur den Platz sichern, sagte Weinbuch, "aber er hat mehr geleistet, als ich erhofft habe." Hettich holte weitere 36 Sekunden auf: "Als ich losgelaufen bin, haben 20 000 Leute gejubelt, das hat mich riesig motiviert."Sein Nachfolger Björn Kircheisen brachte das DSV-Team schließlich auf den zweiten Platz nach vorn. Um ihn hatte sich Weinbuch die meisten Sorgen gemacht: "Wie er da vom Start weg gegangen ist, da ist mir ganz bange geworden." Kircheisen stürmte los, als sei die Fünf-Kilometer-Strecke nur ein Fünf-Meter-Sprint, Weinbuch musste den 21-Jährigen unterwegs bremsen. "Aber er hat sich seine Kräfte gut eingeteilt", lobte der Bundestrainer: Mit 7,3 Sekunden Rückstand übergab Kircheisen an Ackermann, der am Ende 7,1 Sekunden hinter dem Norweger Kristian Hammer ins Ziel kam. "Ich habe am Anfang schon versucht, noch auf Gold zu laufen", sagte der Einzel-Weltmeister, "aber ich musste meinem Anfangstempo Tribut zollen."------------------------------"Am Schluss haben die Zuschauer mich über die Linie getrieben." Ronny Ackermann------------------------------Foto: Oberstdorfer Schneekönige: Hettich, Ackermann, Haseney, Kircheisen (v. l.).

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