BERLIN. Der Ausflug endete einen Kilometer vor dem Zielort. Idyllisch war es an der Spree bei der Altstadt Köpenick, wo 170 Fans von Dynamo Dresden ihre Bäuche in die Sonne hielten. Im Beisein vieler Polizisten. Aus der Ferne hörten die Ausgemusterten die lauten Gesänge ihrer Mitstreiter. Die hatten nicht den Fehler begangen und waren betrunken oder mit antisemitischen Parolen aus dem Zug geklettert. Nun, so Polizeisprecherin Kerstin Menzel, "dürfen sie sich überall aufhalten, nur nicht im Stadion".Dort erlebten die anderen 12 000 Fans ein friedliches Fußballfest. Auch, weil die Staatsmacht in Liga drei eine Präsenz zeigte wie zuletzt bei der WM. Für manchen Anwohner wurde das zur Tortur. Unverständliche Straßensperren bis weit nach Abpfiff, Kontrollen harmloser Passanten - aber der Zweck heiligte die Mittel: nur 18 Festnahmen. Als große Sieger dürfen die Polizei und der 1. FC Union Berlin gelten, der den "herrlichen Tag", so Kapitän und Torschütze Sebastian Bönig, mit einem 2:1-Sieg krönte.Bissige ReaktionUnten befand sich seine Mannschaft noch auf der Ehrenrunde, da lief Trainer Christian Schreier schon in die Kabine. Er genoss den Augenblick: "Es war wichtig, dass wir mal ein Ostduell gewinnen." Auf Nachfragen reagierte er bissig, selbst als er nur die Leistung von Nico Patschinski kommentieren sollte, der schlitzohrig das 1:0 erzielte. "Von mir habt ihr genug. Geht hin zu Christian Beeck, der sagt euch doch immer was", fauchte Schreier. Es brodelt in dem Mann, der nur noch 33 Tage im Dienst ist bei Union und für den der Erfolg vor allem eines bedeutete: Genugtuung gegenüber den Kritikern. Sportdirektor Beeck hatte konditionelle Defizite beim Team angemahnt - und nun stemmte sich Union im Glutofen aufopferungsvoll gegen anrennende Dynamos. Vorneweg Patschinski, den der Klub zuletzt aus dem Trainings- und Spielbetrieb genommen hatte, weil er sich angeblich wegen privater Probleme nicht mehr auf den Job konzentrieren könne und körperlich am Ende sei. Der 29-Jährige hatte mit ärztlichen Attesten und einer Erklärung gekontert, so die Version des Vereins torpediert."Wenn er so eine starke Reaktion zeigt, ist das doch gut für uns", sagte nun Beeck. Bönig betonte: "Wir Spieler haben unseren Teil dazu beigetragen, dass wieder Ruhe einkehrt." An Patschinski selbst nagt die Sache weiter. "Vielleicht habe ich ja heute mal mein Gehalt gerechtfertigt", sagte er. Mutmaßend, dass der klamme Klub ihn mit seinen 10 000 Euro Monatssalär womöglich nur elegant von der Gehaltsliste bekommen wollte. "Mein Vertrauen in den Verein ist nicht gerade gestiegen. Ich wurde hingestellt als sei ich ein Spieler oder Alkoholiker, und dann wird das von Präsident Zingler abgetan, als sei alles nur ein Missverständnis."Es war eben bei aller Begeisterung über einen Erfolg der Leidenschaft gegen die größere Spielkunst nicht nur ein Tag der strahlenden Mienen. Union profitierte davon, dass Dresdens Torwart Oliver Herber zweimal patzte, selbst aber mit Jan Glinker einen Keeper in Galaform besaß. "Wir haben uns das Glück redlich verdient mit einer Mannschaft, die so nicht mehr zusammenspielen wird", deutete auch Schreier an, dass mancher Kicker gehen wird. Beeck wollte sich von den Machtspielen nicht die Laune verderben lassen. "Ich bin ganz entspannt", sagte er: "Es gibt viele Möglichkeiten auf dem vollen Regionalliga-Spielermarkt."------------------------------Foto: Im Erfolg vereint: Unions Trainer Schreier und Torschütze Patschinski.
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