MITTE. Seit fast drei Jahren verdeckten riesige Werbeplakate am Turm der Marienkirche das dortige Baugerüst. Die Mineralwasserfirma Evian durfte sich präsentieren, auch Mercedes-Benz und der Nachrichtenkanal CNN nutzten die weithin sichtbare, lukrative Fläche für ihre Werbung. Trotz des Ärgers mit dem Bezirksamt und mit Denkmalschützern konnte die Gemeinde der Kirche mit den Postern 70 000 Euro einnehmen - und damit einen Teil der Sanierungskosten für den 91 Meter hohen Kirchturm finanzieren. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Landesdenkmalamt steuerten den Rest zur Gesamtsumme von 375 000 Euro bei. Wenn im März nach zweimonatiger Pause ein neues Poster aufgehängt wird, könnte es das letzte sein. Denn die Sanierung des Kirchturms geht dem Ende zu. "Bis zur Jahresmitte wird das Baugerüst verschwunden sein", sagt Pfarrer Gregor Hohberg. Bis dahin müssen nur noch wenige Fugen am Sockel ausgebessert sowie das Eingangsportal gereinigt werden. Statt in Grau wird der Turm sich dann über dem Granitsockel in hellem Putz zeigen. Ob in der Turmspitze noch Holzbalken ausgetauscht werden müssen, untersuchen zurzeit Gutachter. Solange das Baugerüst steht, will die Fubac Media Solutions AG weitere Großplakate an der Marienkirche zeigen. "Die Krise in der Außenwerbung geht auch an uns nicht spurlos vorüber", sagt Philipp Wenhold von der Fubac. Das heißt, ohne Krise hätten die Einnahmen höher ausfallen können. Die Zusammenarbeit mit der Kirche schätzt der Fubac-Mann trotzdem als gut ein. Seit fast einem Jahr führt Pfarrer Hohberg die Gemeinde. Für das zweitälteste Berliner Gotteshaus hat er eine Vision: "Wir wollen die Kirche mit Veranstaltungen beleben und für alle offen sein." Doch dafür muss die Sanierung im Innern weitergehen. "Die Heizung muss dringend erneuert werden, schon um die Orgel zu erhalten, sonst sind die 1,2 Millionen Euro für ihre Restaurierung in den Sand gesetzt", sagt der Pfarrer. Außerdem sollen die 50 wertvollen Ölgemälde vor weiterem Verfall geschützt werden. Um die Kirche für Besucher attraktiver zu machen, will der Pfarrer auch mehr Führungen mit Besichtigung der Wagner-Orgel und des Ende 2001 freigelegten Wandgemäldes "Schutzmantelmadonna" anbieten. Zudem sind weitere Umbauten vorgesehen. Wie Monika Nikolaus von der Gesellschaft Stattbau, die die Sanierung koordiniert, sagt, werden neue Besuchertoiletten eingebaut und die Kapelle saniert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat Mittel zugesagt, so dass auch die Südfassade restauriert werden kann. Bis Ende 2005 soll schließlich das Kirchenschiff renoviert werden. Die Gesamtkosten werden auf zwei bis drei Millionen Euro geschätzt. Sorgen bereitet Pfarrer Hohberg das zwei Meter hohe und 22,60 Meter breite Freskogemälde "Der Totentanz" aus dem Jahr 1485. "Die Farbe verschwindet immer mehr", sagt er. Seit 1993 ist das Gemälde in einem klimatisierten Raum untergebracht, doch der Farbverlust konnte nicht gestoppt werden. Am 5. März starten deshalb Wissenschaftler einen neuen Versuch, die Ursache des Problems zu finden.Urkundlich erwähnt im Jahr 1292 // Die Kirche: Die Marienkirche wude im Jahr 1292 erstmals urkundlich erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach erweitert und restauriert. Der 72 Meter lange Backsteinbau ruht auf einem Sockel aus Feldsteinen.Der Kirchturm: Er stammt aus dem 15. Jahrhundert. 1995 begann die Restaurierung des 91 Meter hohen Bauwerks. Seitdem wurden die Aufhängung der Glocken erneuert, Putzflächen und Mauerwerk saniert. Am Kupfer-Aufsatz müssen nun noch Kriegsschäden beseitigt werden.Die Orgel: Das 1720/21 von Joachim Wagner eingebaute Instrument wurde vor zwei Jahren originalgetreu nachgebaut. Hinter der Orgel befindet sich die Wandmalerei "Schutzmantel- madonna", die für 35 000 Euro restauriert wurde.Die Baukosten: Die Restaurierung des Kirchturms hat insgesamt 375 000 Euro gekostet, 70 000 Euro davon nahm die Kirche aus Werbung am Kirchturm ein.BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK (2) Die Marienkirche soll ein Veranstaltungsort für Berliner und Touristen werden. Bis Ende 2005 wird sie noch saniert.Im März kommt eine neue Werbung an den Kirchturm.
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