Die scheidende Präsidentschaftsbewerberin Clinton ruft ihre Anhänger auf, Obama zur unterstützen

Abschied im Marmorsaal

Olivia Schoeller
4 Min

WASHINGTON. Monatelang haben ihre Anhänger darauf gewartet, die wahre, die starke Hillary Clinton zu sehen. Vielleicht ist es typisch für das Drama ihrer Bewerbung als Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten, dass sie ihnen diesen Wunsch erst mit ihrem letzten Auftritt erfüllt: Im National Building Museum in Washington dankte Clinton am Sonnabend ihren Unterstützern und rief sie dazu auf, ihren Parteifreund Barack Obama als Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten zu unterstützen. "Wir mögen diese Reise getrennt angetreten haben, aber heute vereinen sich unsere Pfade", rief Clinton ihren Tausenden von Anhängern zu. Manche von ihnen hatten Wut im Bauch, andere nahmen mit Tränen in den Augen Abschied von der Kandidatin Clinton, der ersten Frau in der Geschichte der USA mit einer ernsthaften Chance für das Weiße Haus.Wie schwer es Hillary Clinton fiel, ihre Hoffnungen auf das Weiße Haus aufzugeben, zeigte sich an einigen Stellen in ihrer knapp 30-minütigen Rede sehr deutlich. Sie sei nicht angetreten, um als erste Frau Präsidentin zu werden, sagte sie. "Ich bin angetreten, weil ich meine, dass ich die beste Kandidatin für das Amt bin."Acht Minuten dauerte es während dieser Ansprache, bis sie den Namen ihres Kontrahenten in den Mund nahm.Dann jedoch ließ sie keine Zweifel daran, dass sie ihre Partei hinter Barack Obama vereinen will: "Jeder Moment, den wir damit verschwenden zurückzublicken, hält uns davon ab, in die Zukunft zu gehen", rief sie den Publikum zu. Das Leben sei zu kurz, die Zeit zu wertvoll und die Kosten zu hoch, um in der Vergangenheit zu schwelgen, sagte Clinton. Sie wolle "mit ganzem Herzen" dafür arbeiten, dass Obama der nächste Präsident der USA wird."18 Millionen Sprünge"In diesen Momenten wurde aber auch klar, dass noch nicht alle ihrer Anhänger bereit sind, diesen Schwenk mitzuvollziehen. Als Clinton die Gründe aufzählte, warum es wichtig sei "zu helfen, damit Barack Obama unser nächster Präsident wird", waren Buh-Rufe aus dem Publikum zu hören.Die 53-jährige Patricia McGrath sprach von einer Art Endzeitstimmung. Gemeinsam mit ihrer Tochter Sarah war sie an diesem Wochenende nach Washington gekommen, um sich von Hillary Clinton zu verabschieden. McGrath trug ihr selbstbemaltes T-Shirt auf dem vorn steht "Hillary 2008", und auf dem Rücken "Thank you". Sie sei sehr traurig, meinte die Lehrerin. Nur weil Clinton dazu aufforderte, werde sie für Obama stimmen. Ihre Mutter jedoch wolle erstmals republikanisch wählen, sie sei zu enttäuscht.Es war kein Zufall, dass das Clinton-Team das Nationale Bau-Museum mit seinem meterhohen Marmorsäulen und der tempelhaften Atmosphäre als Ort des letzten Clinton-Auftritts wählte. Das Ambiente sollte noch einmal die Bedeutung ihrer Kandidatur betonen - auch ihrer Kandidatur als Frau."Wie Millionen von Frauen weiß ich, dass es heute noch Hindernisse und Vorurteile gibt", sagte sie und versprach, weiter dafür zu kämpfen, dass "wir alle die gleichen Chancen haben".Ihre Anhänger forderte sie auf, nicht aufzugeben. "Wir haben zwar nicht die Glasdecke durchbrechen können. Aber dank euch hat sie nun 18 Millionen Sprünge", sagte Clinton - und meinte jene 18 Millionen Stimmen, die sie bei den Vorwahlen bekam. "Von nun an wird es nicht mehr ungewöhnlich sein, wenn eine Frau Vorwahlen gewinnt", sagte sie. "Und es wird ebenso wenig ungewöhnlich sein, sich eine Frau als Präsidentin vorzustellen."Diese letzte Kundgebung war mit großer Spannung erwartet worden. Viele Beobachter waren nicht sicher, ob sie sich ausreichend stark hinter Obama stellen würde. Immerhin war bereits seit vier Tagen klar, dass sich Obama die Spitzenkandidatur der US-Demokraten für die Präsidentschaftswahlen im November gesichert hatte. Ob und wie sich Hillary Clinton und ihr Mann Bill nun in den Wahlkampf einbringen und für Obama werben werden, ist noch nicht abzusehen. Gerüchten zufolge wollen sie sich zunächst zurückziehen, um Klarheit über ihre künftige Rolle zu finden.Obama und viele andere US-Demokraten zeigten sich erleichtert, dass der langwierige Vorwahlkampf der Partei jetzt ein Ende gefunden hat. Andere sprachen von einem Neuanfang. "Von nun an wird die Partei die Reihen schließen", meinen der 20-jährige Emmett Sapp und 21-jährige Charlie Sinks. Sie unterstützen Obama, kamen aber an diesem Tag ins Building Museum, um Hillary Clinton ihren Respekt zu erweisen. "Sie ist eine großartige Frau und hat viel für diese Partei getan", meinte Sapp und zeigte sich völlig überzeugt, dass die Wunden heilen werden. Hillary Clinton hat an diesem Tag viel dazu beigetragen.------------------------------"Sie hat Barrieren eingerissen für meine Töchter und für Frauen überall, die nun wissen, dass es für ihre Träume keine Grenzen gibt." Barack Obama über Hillary Clinton------------------------------Foto: Bei der Rede in Washington appellierte Clinton an die Frauen: Steht nach Niederlagen wieder auf! Und macht weiter.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner