Als 1999 ein Java-Nashorn in Vietnam in eine "Fotofalle" des World Wide Fund for Nature (WWF) tappte, sprachen Tierschützer von einer Sensation. Denn bis dahin hatten die 50 bis 60 Exemplare auf Java als die letzten ihrer Art gegolten. Doch das Bild der automatischen Kamera war kein Grund zur Entwarnung. Auf weniger als zehn Tiere schätzen Experten die Population in Vietnam. Hat ein so winziger Bestand überhaupt eine Zukunftschance? "Wir haben keine andere Wahl als daran zu glauben", sagt Christy Williams. Der Inder koordiniert seit einem Jahr die "Asian Rhino and Elefant Action Strategy" (Areas). Mit dieser neuen Initiative will der WWF eine gemeinsame Linie in seine Projekte zum Schutz der asiatischen Nashörner und Elefanten bringen. "Früher haben wir dazu 50 bis 60 Einzelvorhaben finanziert, da musste dringend eine übergreifende Strategie her", sagt Williams. Areas konzentriert sich auf die 13 wichtigsten Dickhäutergebiete in Asien, die zugleich Lebensraum für viele andere gefährdete Arten bieten. Jetzt, nach einem Jahr Arbeit, sehen die Experten erste Erfolge. Die Situation einiger kleiner Populationen hat sich erheblich verbessert. Neben den Java-Nashörnern sind auch die etwa 250 verbliebenen Sumatra-Nashörner in Malaysia, Sumatra und auf Borneo stark gefährdet. Und selbst die etwa 2 400 Panzernashörner in Indien und Nepal sind nur ein kümmerlicher Rest früherer Bestände. Der Asiatische Elefant ist zwar noch häufiger, zwischen 35 000 und 50 000 Tiere streifen durch die Wildnis. Aber das ist wenig, verglichen mit den etwa zehn mal häufigeren afrikanischen Verwandten. Alle Dickhäuter Asiens haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Wilderer haben die Bestände jahrzehntelang drastisch dezimiert - verlockende, wenn auch illegale Geschäfte mit Rhino-Horn und Elfenbein sind auch heute noch Motivation genug für Abschüsse. "Antiwilderer-Brigaden sind deshalb ein wichtiger Bestandteil unseres Programms", sagt Christy Williams. Mancherorts haben diese Einheiten Erfolg. So steigt die Zahl der Panzernashörner in Indien und Nepal allmählich wieder. Auf Sumatra dagegen erwischen die Patrouillen zwar jede Menge Wilderer, die auch prompt vor Gericht gestellt werden. "Aber die Strafen von 10 oder 20 Dollar sind natürlich nicht sonderlich abschreckend", kritisiert Williams. Im Rahmen des Areas-Programms verhandeln seine Kollegen daher auch mit Behörden über eine Verschärfung der Bestimmungen. Die Jagd ist aber nur ein Teil des Problems. Denn von den einst riesigen Lebensräumen der Tiere im tropischen Asien ist nur wenig übriggeblieben. Immer mehr Wälder mussten Landwirtschaftsflächen und Siedlungen weichen. Geeignete Lebensräume liegen heute wie Inseln inmitten der Kulturlandschaft. Wenn aber sehr kleine Populationen isoliert von ihren Verwandten leben, droht ihnen oft das Aus. Denn ihre genetische Vielfalt leidet durch Inzucht, und eine Krankheit oder ein anderer Zufall kann den Bestand auslöschen. Die Isolation der letzten Dickhäuterbestände versucht der WWF mit zwei Strategien zu durchbrechen. Umsiedlungsprogramme sollen einerseits zu kleine Populationen unterstützen und neue gründen. In Nepal zum Beispiel haben WWF-Mitarbeiter bisher 21 Tiere in den Royal Bardia Nationalpark umgesiedelt. Sie scheinen sich in ihrer neuen Heimat wohl zu fühlen. Andererseits wolle man aber auch erreichen, dass Tiere selbstständig von einer Population zur anderen wandern können, sagt Christy Williams. Also versucht der WWF, die Schutzgebiete zu verbinden. Ein System von zwei bis drei Kilometer breiten Waldkorridoren soll von einem Reservat zum anderen führen - zum Teil sogar über Staatsgrenzen hinweg. Dazu brauchen Williams und seine Mitstreiter die Unterstützung der Bevölkerung. Bei Gemeinden werben sie für Pflanzaktionen, umweltverträgliche Waldwirtschaft und andere Schutzmaßnahmen - zum Teil mit beeindruckenden Erfolgen. In Nepal haben die Behörden zum Beispiel der lokalen Bevölkerung die Verantwortung für einen Wald in der Nähe des Royal Chitwan Nationalparks übertragen. Da die Leute nun Brennholz und andere Produkte aus dem Wald gewinnen können, haben sie auch Interesse an seinem Schutz. Prompt verbesserte sich der Zustand des Waldes deutlich. Davon profitieren die Nashörner. Mehr noch: Die Tiere locken inzwischen Touristen an, die Geld im Ort lassen. Zusätzlich fließt ein Teil der Einnahmen aus dem Nationalpark in die Kassen der Dorfbewohner. Die sehen nun auch eher darüber hinweg, dass Nashörner ab und zu ihre Felder plündern. In Cat Tien, dem Lebensraum der letzten Java-Nashörner in Vietnam, haben die örtlichen Bauern sogar die Nutzung rings um eine für Nashörner wichtige Salzleckstelle aufgegeben. Die ersten Dickhäuter haben das Areal bereits wieder in Besitz genommen. Solche Beispiele machen Christy Williams und seinen Kollegen Mut, trotz der nach wie vor schwierigen Situation weiterzumachen: "Wir müssen die Leute davon überzeugen, dass ein lebendes Nashorn nützlicher ist als ein totes." Informationen im Internet: www.wwf-areas.netWWF Ein Java-Nashorn im Ujung Kulon Nationalpark (Westjava). Das Foto des äußerst seltenen Tieres stammt von einer automatischen Kamera. Mit einer solchen "Fotofalle" entdeckte man 1999 auch, dass es in Vietnam noch Java-Nashörner gibt. Der Bestand dort wird auf nur mehr zehn Tiere geschätzt.
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