Maschinen-Athleten

Die schwerste Disziplin der Roboter-WM ist eine Schale Bohnen

World Humanoid Robot Games 2026: Was Roboter in Peking bei Haushalt, Tauziehen, Gewichtheben und Cheerleading können – und wo sie scheitern.

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Auftritt im weißen Anzug: Bei den World Humanoid Robot Games in Peking messen sich 2056 Roboter in 51 Disziplinen.

Auftritt im weißen Anzug: Bei den World Humanoid Robot Games in Peking messen sich 2056 Roboter in 51 Disziplinen.

© Imago

In Pekings Olympia-Eisschnelllaufhalle steht ein Tisch. Darauf eine Schale Bohnen, daneben eine Pinzette.

Das ist die schwerste Disziplin dieser Spiele.

Auf der Bahn nebenan sind die 100 Meter schneller gelaufen worden als von Usain Bolt. Am Tisch mit den Bohnen tun sich dieselben Hersteller deutlich schwerer.

51 Disziplinen laufen bis Mittwoch, aufgeteilt in 1301 Wettkämpfe. 30 davon sind Sport, die übrigen 21 sind Arbeit. Mehr als 40 Prozent aller Einheiten müssen die Maschinen laut Technikpartner Huawei vollständig autonom bestreiten.

Dort entscheidet sich, was die Branche wirklich kann.

Roboter im Haushalt: 30 Minuten Zeit, null Erfolge

Der Wettbewerbsort für die Disziplin „Haushalt“ ist der Showroom einer Smart-Home-Firma: drei Zimmer mit echten Möbeln, Küchenzeile, Waschmaschine.

Die Aufgabe klingt nach einem gewöhnlichen Samstagvormittag. Wohnzimmer aufräumen, Wäsche falten und einräumen, ein Paket an der Haustür annehmen. Zeit: 30 Minuten.

Ein Team des ZDF durfte als einziges ausländisches Medium dort drehen und blieb fünf Stunden. In dieser Zeit schaffte kein einziger Roboter die Aufgabe.

Der Pekinger Humanoide „Tiangong“ räumte ein paar Gegenstände weg und blieb dann stehen. Netzwerkprobleme, Ausscheiden.

„Das Schwierigste für den Roboter ist, die Aufgaben autonom zu bewältigen“, sagte Teilnehmer Ju Xiaozhu dem Sender. Greifen heißt für die Maschine: erst Navigation, dann Objekterkennung. Zupacken kommt zuletzt.

Bohnen mit der Pinzette: acht Disziplinen für Roboterhände

Acht Wettbewerbe drehen sich nur um Fingerfertigkeit. Deckel aufdrehen. Kartons auspacken. Kabel stecken. Und eben Bohnen mit der Pinzette.

Das Kabelstecken gilt als Königsdisziplin. Reuters beschreibt es als Test für Kameraerkennung, Ausrichtung und dosierten Kraftaufwand. Schon im Vorlauf schieden zehn von 24 Teams aus.

Die Wertung verrät, worauf es den Veranstaltern ankommt. Wer selbstständig arbeitet, bekommt die volle Punktzahl. Wer per Fernsteuerung nachhilft, die halbe.

Gewichtheben und Tauziehen: die neuen Wettbewerbe

Das Gewichtheben feierte am Montag Premiere. Vier Roboter traten im Schwergewicht an, Einstiegsgewicht 15 Kilogramm. Bei einem Versuch kippte eine Maschine Richtung Kampfrichtertisch, die Offiziellen brachen den Durchgang ab.

Neu ist auch das Tauziehen. Es prüft Standfestigkeit und liefert die Bilder, die danach durch die sozialen Netzwerke laufen: Roboter, die sich reihenweise selbst umwerfen.

An diesem Dienstag stehen die Tanzwettbewerbe im Mittelpunkt. In den Kategorien Street Dance, Standardtanz und Cheerleading sind 108 Teams gemeldet. Im Vorjahr waren es 29.

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Fernsteuerung erlaubt: Welche Rekorde ein Sternchen brauchen

Ein Punkt geht in der Rekordberichterstattung leicht unter: Nicht jede Disziplin verlangt autonomes Handeln.

Das US-Portal Gizmodo hat das Reglement ausgewertet. Läufe, Fußball und Tischtennis müssen die Roboter allein bestreiten. Bei Gewichtheben, Kickboxen und den Sprungwettbewerben dürfen die Teams weiter per Fernsteuerung eingreifen.

Der Weitsprung über 7,97 Meter am Sonntag ist damit vor allem eine Leistung der Mechanik. Über die Steuerungssoftware sagen die 9,39 Sekunden über 100 Meter mehr aus.

Deutsches Team im Fußballturnier

Für Deutschland spielen die HTWK Robots der Hochschule Leipzig, unterstützt von den Nao Devils der TU Dortmund. Sie fahren den Booster K1, gut einen Meter groß und rund 20 Kilogramm schwer. Das Verhalten wird nicht mehr programmiert, sondern in der Simulation antrainiert.

Das Endspiel steigt am Mittwoch kurz vor der Schlussfeier.

Warum für China der Haushalt zählt und nicht der Rekord

In den alltagsnahen Kategorien werden die meisten Medaillen vergeben. Jiang Guangzhi, Direktor der Pekinger Wirtschaftsbehörde, hat das Ziel offen benannt: Medaillen sollen sich in Aufträge verwandeln, die Maschinen von der Arena an den Arbeitsplatz.

Der Druck kommt aus der Demografie. China zählt rund 320 Millionen alte Menschen. In Pekings „Roboterstation für die Altenpflege“ tanzen und massieren die Humanoiden bislang, mehr ist aus Sicherheits- und Rechtsgründen nicht erlaubt.

Am Mittwoch fällt die letzte Entscheidung im Fußball. Die Wäsche im Showroom liegt dann immer noch da.

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