Zwei ganz normale Geschäftsberichte aus einer verrückten Branche: Der Solarmodulhersteller Aleo Solar, der in Prenzlau produziert, vermeldete gestern einen Umsatzsprung um mehr als zwei Drittel innerhalb eines Jahres. Q-Cells, die weltweite Nummer eins und aus Sachsen-Anhalt, konnte den Umsatz im ersten Halbjahr um fast 50 Prozent steigern. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll der Ausstoß an Solarzellen vervierfacht werden. In fast jedem anderen Geschäft wären Q-Cells und Aleo Solar mit solchen Wachstumsraten sensationelle Überflieger. Doch in der Photovoltaik gibt es weltweit Hunderte Firmen mit derartigen Zahlen. Die ganze Branche fliegt.Wer ist für den Auftrieb verantwortlich? Bislang ist es fast ausschließlich die staatliche Förderung, die letztlich Steuerzahler oder Stromverbraucher bezahlen. Besonders Deutschland tat sich international als Förderer der Photovoltaik hervor: Weil hier den Betreibern einer unbegrenzten Zahl von Anlagen ein hoher Abnahmepreis für den Solarstrom garantiert wird, boomte der Markt und hatte die Funktion eines Sicherheitsnetzes für alle Unternehmen, nicht nur die deutschen. Wer seine Module nicht woanders los wurde, der konnte sie mit Sicherheit hier für gutes Geld verkaufen. Das garantierte jenen Solarunternehmen, die anständig wirtschaften und sich früh den Zugriff auf knappe Materialien sicherten (entscheidend: Silizium), märchenhafte Renditen. Q-Cells, erst seit 2005 an der Börse, ist inzwischen satte 6,7 Milliarden Euro wert. Der Boom hat viele zu Millionären gemacht.Doch es wird noch besser kommen. Angeregt durch die hohe staatliche Förderung haben die Hersteller enorme Kapazitäten aufgebaut und wollen diese noch weiter steigern. Von 2007 bis 2010 wird sich die Kapazität der weltweit produzierten Module laut Schätzung des Branchendienstes Photon Consulting von knapp vier auf rund 23 Gigawatt steigern - diese Zellen produzieren bei optimalen Bedingungen theoretisch so viel Strom wie etwa 20 Großkraftwerke.Und in den Jahren danach könnte der Photovoltaik-Markt ähnlich schnell weiterwachsen. Denn mit den hohen Stückzahlen sinken auch die Fertigungskosten. In China, den USA, Deutschland, Norwegen, Malaysia, um nur einige Länder zu nennen, sind riesige Solarfabriken geplant. Massenfertigung plus Fortschritte in der Technik werden Solarstrom auf absehbare Zeit Jahr für Jahr um acht bis neun Prozent billiger machen, wird in der Branche geschätzt. Ein Land nach dem anderen kippt bei diesem Preisverfall in die sogenannte Grid Parity. Das ist so etwas wie der heilige Gral der Solarindustrie. Denn Grid Parity bedeutet, dass Strom aus einer eigenbetriebenen Solarzelle günstiger wird als jener aus dem Netz. Im sonnenarmen Deutschland soll das laut dem Solarverband BSW erst 2016 der Fall sein.Doch in anderen Ländern passiert dies schon jetzt. Dadurch entsteht ein sogenannter natürlicher Markt - mit quasi unbegrenztem Potenzial. In Kalifornien etwa - hohe Sonneneinstrahlung, hohe Strompreise - werden schon jetzt Photovoltaikkraftwerke ohne staatliche Zuschüsse geplant und gebaut. Auch Japan mit seinem teuren Strom ist ein Kandidat für einen geradezu explodierenden natürlichen Markt, ebenso wie das sonnige Spanien. So setzt sich eine sich selbst verstärkende Aufwärtsspirale in Gang, deren erste Windungen bereits jetzt erkennbar werden.Viele weitere sind noch nötig. In Deutschland, wo weltweit die meisten Solaranlagen installiert sind, erzeugen sie gerade einmal 0,6 Prozent des Stroms. Doch derzeit wird immer deutlicher, dass die Photovoltaik den erhofften Siegeszug antritt, der sie in einigen Jahrzehnten zu einer der wichtigsten Energiequellen der Welt machen könnte.
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