Mecklenburg-Vorpommern

Die Sonstigen: Kleinparteien und ihre Relevanz nach der Landtagswahl 2026 in MV

Die FDP landet hinter der Tierschutzpartei, CDU und BSW unter fünf Prozent. Doch der Anteil klassischer Kleinparteien ist in Mecklenburg-Vorpommern sogar gesunken.

4 Min
Für die FDP war die Landtagswahl in MV ein Debakel. Sie landet bei 1,0 Prozent und liegt damit hinter der Tierschutzpartei.

Für die FDP war die Landtagswahl in MV ein Debakel. Sie landet bei 1,0 Prozent und liegt damit hinter der Tierschutzpartei.

© Marc Niedzolka/dpa

Bis auf die AfD haben alle Parteien, die auch 2021 angetreten waren, bei der Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern Stimmen verloren - auch die sogenannten Sonstigen. In Hochrechnungen tauchen sie meist ganz am Ende auf, hinter den großen Balken für AfD, SPD, CDU, Linke oder Grüne. Dort, im mausgrauen Abschnitt, finden sich all jene Parteien wieder, die es nicht in den Kreis der politisch Relevanten geschafft haben.

Insgesamt 19 Parteien traten mit Landeslisten zur Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern an. Zwölf von ihnen blieben dabei weit unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde und damit ohne realistische Aussicht auf Parlamentsmandate. Zu ihnen gehören unter anderem die Tierschutzpartei, Freie Wähler, Die PARTEI, Volt, Team Freiheit und die Handwerker Partei Deutschland. Und inzwischen hat auch die FDP den Sprung in diese Sammelkategorie geschafft, auch wenn sie als Parlamentsangehörige der zurückliegenden Legislaturperiode bei der Hochrechnung noch einmal gesondert ausgewiesen wurde.

Nach dieser Wahl wird die FDP aber vorerst aus dem Landtag verschwinden. Mit ihren 1,0 Prozent der Zweitstimmen liegen die Liberalen sogar hinter der Tierschutzpartei, die auf 1,1 Prozent kommt und damit als stärkste Kraft unter den kleineren Parteien hervorgeht. Dahinter folgt die Handwerker Partei Deutschland mit 0,5 Prozent, die 2023 in Thüringen vom früheren AfD-Landtagsabgeordneten Birger Gröning gegründet wurde. Der Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern entstand 2025. Die Freien Wähler erreichen 0,4 Prozent, Die PARTEI und Team Freiheit kommen auf jeweils 0,3 Prozent. Volt landet bei 0,2.

Zusammen kommen die sogenannten Sonstigen auf 3,3 Prozent der abgegebenen Stimmen. Bei 1.015.323 gültigen Zweitstimmen macht das rund 33.500 Stimmen aus. Zum Vergleich: Die CDU scheitert mit 4,9 Prozent nur knapp am Landtagseinzug, gleiches gilt für das BSW mit 4,8 Prozent.

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Werden die kleinen Parteien immer mehr?

Hinter den sogenannten Sonstigen steckt jedoch kein einheitlicher Großblock, sondern ein politischer Flickenteppich mit sehr unterschiedlichen Angeboten - von Tierschutz über Handwerksinteressen bis zu libertären Positionen.

Der Eindruck, dass immer mehr Parteien in der Kategorie der Kleinen verschwinden, lässt sich aus den Wahlergebnissen allerdings nicht ableiten. 2011 entfielen rund 8,4 Prozent der Zweitstimmen auf Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten. 2016 waren es 11,6 Prozent, 2021 wieder 8,4 Prozent. Für 2026 ergibt sich vorläufig ein Anteil von rund 14 Prozent.

Doch diese letzte Zahl führt ein Stück weit in die Irre. Denn der Anstieg gegenüber 2021 geht fast vollständig auf CDU und BSW zurück: zwei politisch gewichtige Parteien, die knapp an der Hürde scheitern, aber mit klassischen Kleinstparteien wenig gemein haben. Die von der Landeswahlleitung unter „Sonstige“ zusammengefassten Parteien kommen 2026 in Mecklenburg-Vorpommern lediglich auf rund 3,4 Prozent der gültigen Zweitstimmen - deutlich weniger als 2021 und 2016.

Das Muster ist also wellenförmig, nicht linear. Neue Angebote wie etwa Team Freiheit entstehen, etablierte Parteien verlieren Boden, manche verschwinden wieder. 2021 sammelten Freie Wähler, Tierschutzpartei, dieBasis und Die PARTEI zusammen noch mehrere Prozentpunkte. Mit dem Auftritt des BSW verschob sich das Feld erneut - und ein Teil jenes Potenzials dürfte dort aufgegangen sein.

„Sonstige“ ist vor allem eine Rechenkategorie

Dass kleine Parteien am Wahlabend zusammengefasst werden, ist keine politische Wertung, sondern eine Frage der Darstellung. Je größer eine Partei und je größer ihre erwartete Bedeutung für das Wahlergebnis, desto eher wird sie einzeln ausgewiesen. Bei Parteien mit sehr kleinen Stimmenanteilen sind die Schwankungen der ersten Hochrechnungen dagegen vergleichsweise groß. Eine Einzelausweisung wäre entsprechend wenig belastbar.

Was bleibt also von der These, dass die „Sonstigen“ immer größer werden? Vor allem ein falscher Eindruck. Die Parteienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist beweglicher geworden und bleibt in Bewegung. Neue Parteien entstehen, etablierte Parteien verlieren an Bedeutung, andere verschwinden wieder. Aber einen stetig wachsenden Block kleiner und bedeutungsloser Parteien zeigen die Zahlen nicht. Und hinter einem unscheinbaren Sammelbegriff steckt oft deutlich mehr, als der graue Balken am Wahlabend vermuten lässt.

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