BERLIN. Ein verheirateter Parteichef mit einem zweiten unehelichen Kind - das wäre etwas, was die Union nun wirklich nicht brauchen kann im Wahlkampf. Gut möglich also, dass Angela Merkel bei ihrem Treffen mit Horst Seehofer am Sonntagabend erst einmal darüber gesprochen hat, was denn nun dran ist an den Gerüchten, dass er wieder Nachwuchs erwartet mit seiner Ex-Freundin. Aus der CSU jedenfalls ist Seehofer inzwischen offiziell aufgefordert worden, Stellung zu beziehen. Der Appell kam zwar von einem derjenigen, die von Seehofer enttäuscht wurden: Thomas Goppel hat unter ihm sein Amt als Wissenschaftsminister verloren. Aber Merkel kann sich mit der Auskunft "Privatsache" eigentlich auch nicht zufrieden geben. Wenn das Gerücht sich als Tatsache erweist, wird unter anderem zu besprechen sein, ob ein untreuer Seehofer der Union mehr oder weniger schadet als ein Rücktritt.Gut möglich, dass Seehofer auch seine neue Liebe zur Umweltpolitik mit Merkel erörtert. "Die CSU soll so grün wie möglich werden", sagte er der Financial Times Deutschland. In Deutschland gebe es inzwischen ein starkes Verlangen nach mehr Umweltschutz. Die CSU müsse deshalb das Thema Ökologie "noch glaubhafter vertreten - durch Inhalte und Personen". Das ist nicht gerade ein Lob für den bayerischen Umweltminister Markus Söder und kann außerdem als Abkehr vom strikten Nein der CSU zu Schwarz-Grün gewertet werden. Das ist ganz in Merkels Sinne.Eigentlich aber wollten sich Merkel und Seehofer am Sonntagabend vor allem mit der Steuerpolitik beschäftigen. Hier hat Merkel inzwischen offenbar auch die ganz Widerspenstigen im Boot. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) jedenfalls vollzog eine 180-Grad-Wende und hält nun Steuerentlastungen trotz der Schuldenlage für finanzierbar. Komplett ruhig ist aber auch die Union noch nicht: Die Junge Union fordert, im Wahlprogramm einen klaren Zeitplan für den Schuldenabbau festzulegen. "Wir brauchen ein Datum für einen ausgeglichenen Haushalt", sagte der Vorsitzende der Jungen Union Bayern, Stefan Müller, der Berliner Zeitung. Diesem Ziel müssten alle weiteren Ziele untergeordnet werden. Steuersenkungen könnten dennoch angekündigt werden, allerdings müsse der Zeitpunkt offen gelassen werden. Wichtig sei auch, dass die Union sich beim Thema grüne Gentechnik offen zeige. "Es kann nicht sein, dass für uns entscheidend ist, ob es im Augenblick eine gesellschaftliche Stimmung dafür oder dagegen gibt."Die Kanzlerin nahm am Wochenende erst einmal die politische Konkurrenz ins Visier. Sie kritisierte die SPD als unzuverlässig und die FDP als realitätsfern. Die Realitätsferne allerdings ist für Merkel ein Ausweis für die Regierungsfähigkeit der FDP. "Ein Grund, warum es gut ist, wenn sie wieder in die Regierung kommen, ist auch, dass sie nicht mehr das Blaue vom Himmel versprechen", sagte die Kanzlerin. Vielleicht wäre das ein Strategiehinweis für die SPD.------------------------------"Nur mit Schwarz-Gelb kann man rot-rot-grüne Experimente verhindern." Angela Merkel
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