Die USA wollen Probleme wieder einmal mit einer Militäraktion lösen- ein Saddam-General soll sie leiten

Bagdad-Offensive mit Idealbesetzung

Martina Doering
3 Min

Über Bagdad braut sich Unheil zusammen. Die Hauptstadt des Irak gilt als Zentrum des Widerstands gegen die Amerikaner, dort schlachten sich die Milizen von Schiiten und Sunniten ab, finden die meisten Massaker sowie Massenentführungen statt. Dort sitzt auch die Regierung von Premier al Maliki, der die US-Regierung zunehmend misstraut. Mit einer sogenannten Sicherheitsoffensive möchten die Amerikaner nun auf einen Schlag einige dieser Probleme lösen.Das militärische Aufgebot ist immens. 15 000 US-Soldaten sind fest in Bagdad stationiert, weitere Einheiten mit 20 000 Mann sind aus der Umgebung in die Hauptstadt verlegt worden. Die Schlacht schlagen und die Verantwortung für die Kämpfe und damit Erfolg oder Misserfolg tragen soll jedoch die irakische Armee, die durch drei kurdische Brigaden aus dem Nordirak verstärkt worden ist. Insgesamt werden 90 000 Bewaffnete an der Aktion beteiligt sein. Sie sollen Stadtviertel um Stadtviertel durchkämmen, Häuser durchsuchen, Aufständische unschädlich machen, Waffenlager finden.Ob den Amerikanern damit Erfolg beschieden ist, darf bezweifelt werden. Ein großer Teil der irakischen Soldaten und Sicherheitskräfte existiert nur auf Gehaltslisten. Etliche sind nie zur Ausbildung oder dem Dienst angetreten, andere haben den Dienst aus Angst vor Anschlägen sofort wieder quittiert. Die bestehenden Einheiten gleichen eher Milizen oder sympathisieren mit den Paramilitärs oder den Aufständischen. Zudem sind deren Kampffähigkeiten, Einsatzwille und Ausrüstung eher mangelhaft, wie britische Militärs unlängst erklärten.Politisch jedoch könnte die Aktion in einer Hinsicht jedoch durchaus erfolgreich sein.In den vergangenen Monaten häuften sich die Versuche von Präsident Bush und der US-Führung, den irakischen Premier al Maliki zu demontieren. Je schwieriger die Lage für Präsident Bush daheim wegen Irak wurde, um so intensiver verwiesen er und seine Führungscrew auf die Verantwortung der irakischen Regierung. Es hagelte Rügen,Forderungen und Ultimaten. "Mit unserer Strategie versuchen wir eine Regierung zu stärken, die Teil des ganzen Problems ist," sagte ein US-Militär vor Beginn der Offensive.Mit einer Entscheidung im Vorfeld der Sicherheitsoffensive könnte sich abzeichnen, wie Washington dieses Problem zu lösen gedenkt. Selbstverständlich steht die Militäraktion in Bagdad unter dem Kommando amerikanischer Offiziere, wie Mitglieder des Stabes in Bagdad offen sagen. Offiziell jedoch wurde der irakische General Abboud Gambar mit der Leitung der Aktion betraut - durchgesetzt von den Amerikanern gegen den Willen und den Wunschkandidaten von Al-Maliki.General Gambar empfahl sich den Besatzern durch seine außergewöhnliche Biografie: Er ist Schiit, diente unter Saddam Hussein als General, kämpfte gegen Iran und nahm an der Invasion in Kuweit teil. Dort wurde er von den Amerikanern gefangen genommen und schließlich ausgetauscht, was einem Todesurteil gleichkam. Seltsamerweise überlebte er nicht nur, sondern setzte die Militärkarriere fort - bis zur Invasion und dem Sturz von Saddam Husseins. Seine religiöse Zugehörigkeit soll die irakischen Schiiten zufrieden stellen,sein Dienst als General unter Saddam Hussein die Sunniten. Er ist eine Idealbesetzung - vielleicht nicht nur als Chef der Offensive, die sich gegen sunnitische Aufständische wie schiitische Milizen richten soll. Schon vor dem Krieg gab es in den USA Überlegungen, die harte Diktatur durch eine Soft-Variante abzulösen, Saddam Hussein durch einen milderen Herrscher zu ersetzen. Das wäre die beste Lösung für den Irak - und die Besatzungsmacht. Mit Abboud Gambar wäre die Personalfrage gelöst.

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