Es wäre doch schön, wenn es was geworden wäre. Wenn "M, groß, schl., Glatze, schw. Hose, schw. Jacke, toller Blick, wie du mich im Aldi angesehen hast" und "W, schl., 1,65, kurze, rote Haare" jetzt eng umschlungen durch die Straßen spazierten. Wenn "die blonde Frau mit den roten Schuhen und dem pelzgesäumten Mantel, die sich am Savignyplatz mir gegenübersetzte" und "Ich, wie benommen, konnte bis Bellevue das Glück nicht begreifen" jetzt ein Paar wären. Es wäre schön. Es ist nicht wahrscheinlich.Wahrscheinlich ist, dass sie sich nie wieder gesehen haben. Möglich, dass er sowieso gerade schwer verliebt ist, und sie seit drei Jahren in festen Händen. Möglich aber auch, dass er einfach nie erfuhr, dass er ein Herz schneller schlagen ließ. Man sucht sein Glück nicht zwischen Anzeigen von Computerreparatur-Notdiensten. Dort aber steht in Stadtmagazinen die Rubrik der Hoffnung. Eine Versammlung der Geknickten: Da ist das Schicksal großzügig, schickt das Wesen, das die fade Existenz in ein Feuerwerk des Glücks verwandeln könnte, in die Supermarkt-Schlange nebenan, und man selbst: zu blöd, es zu merken. In jeder Ausgabe betteln 10, 15 Sehnsüchtige um eine zweite Chance. Gut, sie haben sie verdient. Aber etwas mehr Engagement als vier Zeilen für ein paar Mark hätte schon drin sein sollen. Wer glaubt, "die größte Gelegenheit meines Lebens verpasst zu haben" müsste eigentlich das Werbeplakat vor dem Brandenburger Tor mieten. Mindestens.
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