Die vierte Generation

Stefan Strauss
2 Min

Die siebziger Jahre sind angesagt. Klamottenmäßig läuft ohne Schlaghosen, Oberhemden mit spitzen Kragen und hässlichen Wollpullis nichts mehr beim modebewusste Hauptstädter. Und im Sommer spielen nacheinander Supertramp und Rod Stewart in der Waldbühne. Oll? Nee, cool! Wem weite Hose und weicher Sound nicht reichen, der kann sich jetzt auch noch das authentische Lebensgefühl "von vor 30 Jahren" zurückholen. So richtig politisch radikal - RAF sei Dank! Nach drei Generationen und drei Jahrzehnten bewaffnetem Kampf hat sich nun eine vierte Generation der Rote Armee Fraktion im Berliner Untergrund gebildet. Natürlich nur im Kopf von Kreativen. Auf der Berlinale läuft am Freitag "Baader", ein Film-Experiment mit Popmusik. Am Abend ist in den Sophiensælen Premiere von "Stammheim Proben" zu sehen. "Drei Schauspielerinnen spielen die Terroristinnen Irmgard Möller, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof. Sie proben den Aufstand. Ein Wagnis. Ein Drahtseilakt. Ein Sprung ins Nichts", steht in der Ankündigung. Zwei Wochen später will uns Ben Becker (wer sonst?) in der Arena die "Stunde Null - das neue Berlin" zeigen, eine "Punk-Revue". Darin kehrt die RAF als neoliberales Start-up-Unternehmen nach Berlin zurück, und Andreas Baader vertont mit dem Gospelchor der amerikanischen Streitkräfte ein Jugendgedicht von Josef Stalin. Ein Wagnis? Ein Drahtseilakt? Ein Sprung ins Nichts? Egal. Hauptsache 70er.

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