MARTIN KLESMANN über das schwierige Verhältnis der Berliner zum Pariser Platz.Der Pariser Platz zwischen Brandenburger Tor und Hotel Adlon gilt als besonders feine Adresse. Viele Berliner sprechen abschätzig von einer "Puppenstube", aber zu Großveranstaltungen wie einem Konzert der Rockband U2 oder zur Fußball-Fanmeile versammeln sich hier Berliner und Touristen. Nun reicht es den mächtigen Anrainern, sie klagen über zu viel Kirmesrummel dort. Vertreter der Akademie der Künste sehen gar "die Würde des Platzes gefährdet". Wenn sonst die Würde eines Ortes ins Spiel gebracht wird, spricht man meist von einem Friedhof oder einer Kirche, die durch unpassendes Besucherverhalten entweiht werden.Der Pariser Platz ist aber weder Friedhof noch Kirche, sondern die Mitte Berlins, die öffentlich begehbar ist. Touristen aus aller Welt sorgen hier gemeinsam mit Einheimischen aus Ost und West für weltweit wahrgenommene Berlin-Bilder. Zwar fremdeln viele Berliner noch mit dem Pariser Platz, weil er im Gegensatz zum Rest der Stadt so gutbürgerlich, so geleckt aussieht. Doch als Ort für Großveranstaltungen, die auch die ambivalente Berliner Historie atmen, taugt er. Zu solchen Großveranstaltungen zeigt sich Berlin allerdings dann so, wie es wirklich ist (leider wird dabei der angrenzende Tiergarten zur Großtoilette). Wo sonst aber soll man vor Berlin-Kulisse feiern? Alexanderplatz, Breitscheidplatz oder Potsdamer Platz sind keine echten Alternativen. Seite 19
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