Michelle heißt eigentlich Mishelle, ein „fataler Rechtschreibfehler ihrer Mutter“. Als sie in Hamburg ihren Arbeitsvertrag als Rezeptionistin in einem feinen Hotel ausfüllt, ändert sie den einen Buchstaben. Die Mutter hatte „ihre Sehnsucht nach einem anderen Leben“ in die Namen ihrer Kinder gesteckt; Maurice heißt der Bruder.
In dem Roman „Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas ist diese Namensänderung ein wichtiger symbolischer Akt. Michelle lässt ihre Vergangenheit in der Lausitz hinter sich, sie will sich im Westen behaupten, nachdem sie mit ihrem eigenen kleinen Laden in der Heimat gescheitert ist. Schmuckgestalterin ist sie, die Pandemie-Schließzeit war eine Katastrophe, danach achteten die Leute viel mehr auf ihr Geld als zuvor, ihr blieb ein Berg Schulden.
Liebesroman
„Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas: Das Geld liegt mit im Bett
Die in Cottbus geborene Autorin hatte mit ihrem Debüt „Die schönste Version“ schon für Aufsehen gesorgt. Nun geht es wieder um ein ungleiches Paar. Die Kritik.
4 Min
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Die Autorin Ruth-Maria Thomas
© Jonas Holthaus
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