Diepgen soll die Verlegung des Ex-DDR-Staatschefs veranlasst haben

Krenz in Plötzensee: Vor dem Freigang erst zum Psychologen

Sabine Deckwerth
3 Min

Die Mitteilung kam überraschend: Am Montagvormittag, gegen neun Uhr, erfuhr Egon Krenz von seiner Verlegung in die Justizvollzugsanstalt Plötzensee. Eine Stunde später stand für den ehemaligen DDR-Staats- und Parteichef Krenz, bis dato Häftling in der modernen Haftanstalt Hakenfelde, der Transporter bereit, der ihn in das wesentlich ältere Gefängnis bringen sollte. Häftling Krenz hat um die Verlegung nicht gebeten. Nach Informationen aus Justizkreisen soll der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) persönlich den Umzug von Krenz veranlasst haben. Diepgen ist seit Dezember 1999 auch der Chef des Justizressorts. Sein Sprecher wollte zu dem Vorgang keine Erklärung abgeben. Schutz vor FotografenDiepgens Justizverwaltung begründete die Verlegung mit dem Schutz des Häftlings Krenz vor Fotografen. Es müsse gewährleistet werden, dass er seine Strafe verbüßen könne, "ohne permanent im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stehen". Krenz war wegen der Todesschüsse an der Mauer zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden und trat seine Strafe am 13. Januar in Hakenfelde an. Krenz-Anwalt Robert Unger kritisierte die Umzugsentscheidung der Justiz als eine deutliche Verschlechterung der Haftsituation. "Herr Kenz hat um einen solchen Schutz und eine solche Fürsorge der Senatsverwaltung nicht gebeten", sagte Unger. Auch die Anstaltsleitung in Hakenfelde soll eine Verlegung nicht für erforderlich gehalten haben. Bei der Ankunft in Plötzensee wurde Krenz zudem aufgefordert, sich einem Drogentest zu unterziehen. Er weigerte sich. In Plötzensee gibt es ebenfalls einen offenen Vollzug. Noch ist aber nicht geklärt, ob Krenz dort auch Freigang bekommt. Es gibt noch keinen so genannten "Vollzugsplan". Bei anderen Häftlingen dauere das in der Regel nur drei oder vier Tage, kritisierte Anwalt Unger. Bevor eine Entscheidung fällt, soll Krenz, der wegen Totschlags verurteilt ist, einem Psychologen vorgestellt werden. Dieser soll nun prüfen, ob von dem 62-Jährigen im Falle eines Freigangs weitere erhebliche Straftaten oder eine Gefährdung anderer Menschen zu befürchten sei.Anwalt Unger bezeichnet eine solche Untersuchung als "abwegig" und "eindeutig diskriminierend". Die letzte Krenz zur Last gelegte Tat liege 15 Jahre zurück. Seitdem habe er sich mit Ausnahme einer kurzen Untersuchungshaft in Freiheit befunden. Außerdem sei bei keinem der ebenfalls zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilten ehemaligen DDR-Politiker eine solche Maßnahme veranlasst worden.Anwalt Unger: "Krenz ist einer gravierenden Ungleichbehandlung ausgesetzt."KRENZ IN HAFT Die Verfassungsbeschwerde nutzte nichts // August 1997: Das Landgericht verurteilt Krenz wegen Totschlags zu sechseinhalb Jahren Haft (durch Bundesgerichtshof im November 1999 bestätigt).Dezember 1999: Krenz erhält die Ladung zum Haftantritt.Januar 2000: Das Bundesverfassungsgericht weist seine Beschwerde zurück. Am 13. 1. tritt Krenz die Haft in Hakenfelde an. Elf Tage später wird er nach Plötzensee verlegt.

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