Diepgens Geschichte

Brenda Strohmaier
2 Min

Eberhard Diepgen hat es eigentlich nicht mehr nötig, um Aufmerksamkeit zu ringen. Gerade erst wählten die Leser der Berliner Morgenpost den einstigen Regierenden Bürgermeister zum zweitwichtigsten Berliner der Gegenwart, nur Diepgens Amtsvorgänger Richard von Weizsäcker schien ihnen noch wichtiger. Doch der 61-jährige Diepgen, der heute wieder als Anwalt praktiziert und der von Amts wegen nur noch ein gewöhnliches CDU-Mitglied ist, will sich mit derartigem Ruhm offenbar nicht begnügen. Gestern stellte er jedenfalls ein Buch vor, genauer ein kleines, leichtes Büchlein mit 112 Seiten und dem Titel: "Diepgens Spargelreden". Darin sind 16 Ansprachen versammelt, die er einst bei Spargelessen des Berliner Journalistenverbandes hielt. Auf dem Titel sieht man einen dickhalsigen Diepgen, dem Spargel aus dem Kopf wächst, auf der Rückseite verspricht Herausgeber Lutz Krieger Einblick in die Zeitgeschichte.Geht s genauer? Es ist ziemlich schwierig, einer Inhaltsangabe von Diepgen zu folgen, dem Meister des Schachtelsatzes. Er beginnt mit einem Lob seiner 88er Rede, ja, schon damals hat er doch gesagt, dass das Gesundheitssystem mal reformiert gehört. Bevor der Satz zu Ende ist, geht es auf einmal um Berlin-Brandenburg, die Ehe, aus der nichts wurde, und dann kommt irgendetwas über den Hauptstadtumzug. Im Klappentext wird Diepgen als "pointiert und witzig formulierender Plauderer" angepriesen. Die unglaublich nette Ehefrau des Lektors sagte gestern nach der Buchpräsentation: "Ich habe Sie bedauert, das mitschreiben zu müssen." Und der Lektor selbst erzählte, dass nur eine kleine Auflage des Büchleins gedruckt wurde. Auch er glaubt nicht an einen Riesenerfolg, nicht bei dem Preis. Es kostet 16,80 Euro. Wahrscheinlich wird Eberhard Diepgen deshalb wohl nicht zum wichtigsten Berliner gewählt werden. Dafür ist mithilfe des Buches sein Aufstieg zum zweitwichtigsten ganz gut nachzuvollziehen. So nahm er 1984 in seiner ersten Spargelrede den Vorwurf der Medien auf, er sei zu blass. "Im Gegensatz zu anderen ,Früchtchen wächst der Spargel zunächst unsichtbar", begann er den Konter. "Er drängt sich nicht nach dem Lichte der Öffentlichkeit. Kaum aber kommt er aus der Erde, so stellt er (...) sofort seine Qualität unter Beweis."

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner