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„Digitale Festung“: Gibraltar schafft Routinekontrollen an Landgrenze zu Spanien ab

Nach einem Abkommen von EU und Großbritannien entfallen an der Grenze zu Gibraltar die routinemäßigen Personen- und Fahrzeugkontrollen. Davon profitieren rund 15.000 Pendler.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Vor der Kulisse des Felsens von Gibraltar bauen Arbeiter in La Línea de la Concepción einen spanischen Grenzkontrollpunkt ab.

Vor der Kulisse des Felsens von Gibraltar bauen Arbeiter in La Línea de la Concepción einen spanischen Grenzkontrollpunkt ab.

© Marcos Moreno/AP

Zwischen dem britischen Überseegebiet Gibraltar und der spanischen Stadt La Línea de la Concepción sind seit Mitternacht von Dienstag zu Mittwoch die routinemäßigen Personen- und Fahrzeugkontrollen an der Landgrenze aufgehoben.

Grundlage ist ein Abkommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich, das nun bereits vorläufig angewendet wird. Das bestätigte das britische Außenministerium in seinen aktualisierten Einreisehinweisen.

Kurz nach Mitternacht überquerten nach Berichten der spanischen Zeitung El País Tausende Menschen in beide Richtungen frei die frühere Grenzlinie. Der Regierungschef Gibraltars, Fabian Picardo, und der Bürgermeister von La Línea, Juan Franco, waren die ersten, die den Übergang offiziell passierten.

Bei einer Zeremonie wurde ein Teilstück des Grenzzauns symbolisch niedergerissen. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wollte am Mittwochmittag zu den Feierlichkeiten in La Línea eintreffen.

Grenzkontrollen künftig am Flughafen und am Hafen

Gibraltar bleibt außerhalb des Schengen-Raums, richtet seine Einreisebestimmungen für Kurzzeitbesucher aber an dessen Regeln aus. Am Flughafen Joshua Hassan und im Hafen des Überseegebiets führen künftig sowohl britische als auch spanische Beamte die Ein- und Ausreisekontrollen durch, wie das britische Außenministerium mitteilte.

Nicht-EU-Staatsangehörige bei Kurzaufenthalten, darunter Briten, werden dort im europäischen Einreise- und Ausreisesystem EES mit biometrischen Daten erfasst. Britische Staatsbürger dürfen sich weiterhin bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen ohne Visum in Gibraltar aufhalten – diese Aufenthaltstage werden auf die in Schengen erlaubten 90 Tage angerechnet.

Nach Angaben der gibraltarischen Regierung überqueren täglich mehr als 15.000 Pendler die Grenze, zwei Drittel davon Spanier. Für sie entfallen Pass- und Ausweiskontrollen. Von der 1,2 Kilometer langen Grenze zwischen dem Felsen und dem spanischen Festland bleiben laut El País künftig rund 150 Meter ohne Zaun. Dieser Bereich soll durch Polizeipräsenz und Kameras überwacht werden.

Chief Minister Picardo kündigte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP zusätzliche Kameras zur Gesichtserkennung sowie mehr Personal bei Polizei, Zoll und Küstenwache an. „Aus der Festung ist jetzt eine digitale Festung geworden“, sagte er.

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Ende einer jahrelangen Hängepartie

Beim Austritt Großbritanniens aus der EU Anfang 2020 war der Status Gibraltars offengeblieben. 96 Prozent der rund 38.000 Einwohner hatten 2016 für den Verbleib in der EU gestimmt. Nach einer Grundsatzeinigung im vergangenen Jahr unterzeichneten die EU und das Vereinigte Königreich den Vertrag am Dienstag in Brüssel.

Der Handelsbeauftragte der EU, Maroš Šefčovič, sprach laut AP von vier Jahren „geduldiger, komplexer Verhandlungen“. Der Souveränitätsstreit zwischen Madrid und London um Gibraltar wird durch das Abkommen nicht beigelegt.

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