Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat Deutschland vor dem Digitalgipfel der Bundesregierung dazu aufgerufen, im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) schneller und aktiver zu werden. „Da liegt Wertschöpfung, da liegt Wachstum, da liegen Arbeitsplätze“, sagte Wildberger im ARD-„Morgenmagazin“. „Und wir haben die Fähigkeiten dazu. Wichtig ist jetzt, wirklich durchzustarten und das, was wir bereits begonnen haben, zu verstetigen.“ Bei der Regulierung brauche es mehr Freiraum für Innovation.
Mit Blick auf die Unabhängigkeit von den USA sagte Wildberger, der Begriff der Stunde sei Souveränität. Das bedeute zunächst Wahlmöglichkeit. „Wir haben die Wahl, für wen wir uns entscheiden – und damit auch Unabhängigkeit. Aber ich glaube, wir wollen weiter in einer Welt leben, die auch von Partnerschaften lebt.“
In Berlin treffen sich heute und morgen Regierungsvertreter, Experten und Tech-Unternehmer aus zahlreichen Ländern zu Beratungen über Chancen, Risiken und Auswirkungen von KI. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird am Nachmittag eine Rede halten sowie an Gesprächen mit Wirtschaftsvertretern und einer Pressekonferenz mit Wildberger teilnehmen.
Ifo-Institut sieht wichtige Voraussetzungen nicht erfüllt
Deutschland ist nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts nicht ausreichend auf den KI-Boom vorbereitet. „Die Hightech-Branche ist noch zu klein, die Verwaltung ist zu wenig digitalisiert, das Bildungssystem passt sich nicht schnell genug an die Veränderungen durch KI an“, erklärte der Leiter des Ifo-Zentrums für Innovationsökonomik und digitale Transformation, Oliver Falck.
Der Sektor für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) trage nur 4,6 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei und liege damit im unteren EU-Mittelfeld, so das Institut. Bei IKT-Dienstleistungen habe Deutschland 2025 für elf Milliarden US-Dollar mehr importiert als exportiert. „Kein anderes EU-Land ist im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie stärker vom Ausland abhängig als Deutschland“, erklärte Ifo-Forscher Christian Pfaffl. Auch bei der Digitalisierung der Verwaltung hinke Deutschland Ländern wie den Niederlanden, Dänemark, Polen oder Österreich hinterher. 40 Prozent der Achtklässler erreichten zudem nicht Stufe 2 der Computer- und Informationskompetenz.
Deutschland und Großbritannien weiten militärische KI-Kooperation aus
Parallel dazu wollen Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein britischer Kollege Wes Streeting die militärische Zusammenarbeit beider Länder auf den Bereich der Künstlichen Intelligenz ausweiten. Das kündigte Streeting vor seinem Treffen mit Pistorius an diesem Nachmittag in Berlin in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an.
„Durch gemeinsame Erprobung, Entwicklung und letztlich Einführung von KI in unseren Streitkräften werden wir unsere Zusammenarbeit vertiefen und mit jenen Schritt halten, die uns Schaden zufügen wollen“, schrieb Streeting. Im Frühjahr 2027 sollen Regierungs- und Industrievertreter beider Länder zusammenkommen, um das Vorhaben voranzutreiben. Deutschland und Großbritannien hatten vor zwei Jahren im sogenannten Trinity-House-Abkommen eine engere Verteidigungszusammenarbeit vereinbart, die zuletzt um die Cyberabwehr erweitert worden war. (mit dpa, AFP)
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