Diplomatenschule soll in die "Villa Borsig"

Sinneswandel im Auswärtigen Amt

Mathias Raabe
2 Min

Martin Federlein ist wütend: "Drei Jahre wurden uns Hoffnungen gemacht, dass die Diplomatenschule nach Pankow kommt und jetzt hat man das Projekt einfach sterben lassen", sagt der Pankower Wirtschaftsstadtrat. Geplant war, die bislang noch in Bonn ansässige Schulungsstätte für den diplomatischen Dienst auf dem Gelände des Schlosses Schönhausen unterzubringen. Stattdessen zieht die Bildungseinrichtung jetzt in die Borsig-Villa nach Reinickendorf. Für den noblen Standort auf der Halbinsel Reiherwerder soll sich Bundesaußenminister Joschka Fischer stark gemacht haben.Federlein ist von den Vorteilen des Pankower Standortes überzeugt. Auf dem Schlossgelände gebe es ausreichend Gebäude, die bereits zu DDR-Zeiten für die Unterbringungen von Staatsgästen genutzt wurden. Aber auch die Verkehrsanbindung sei hervorragend, in wenigen Minuten könnten die Nachwuchsdiplomaten per U-Bahn zum Auswärtigen Amt gelangen. Mehrere Millionen Mark waren bereits im Bundeshaushalt für Umbau und Sanierung des Komplexes eingeplant. Den plötzlichen Sinneswandel im Auswärtigen Amt und im Finanzministerium versucht die Bundestagsabgeordnete Sabine Bergmann-Pohl zu ergründen. Die CDU-Politikerin hat ihren Wahlkreis in Pankow/Weißensee. "Bei gleichen geschätzten Kosten für die Sanierung und den Umbau von Niederschönhausen und für einen Neubau für Unterbringung und Unterrichtsräume auf dem Gelände der "Villa Borsig" kann ein solcher Neubau in einem kalkulierbaren Zeitraum errichtet werden, während die Sanierung von Niederschönhausen, auch wegen erheblicher Schadstoffbelastungen, mit großen zeitlichen und Unsicherheitsfaktoren verbunden ist", teilte ihr Ludger Volmer, Staatsminister im Auswärtigen Amt, mit. Deshalb sei eine "geringfügig schlechtere Verkehrsanbindung der "Villa Borsig" in Kauf zu nehmen. Für Bergmann-Pohl ist der Zuschlag für Reinickendorf "eine politische Entscheidung". Sie hat inzwischen den Rechnungsprüfungsausschuss eingeschaltet. Auch Helmut John von der Oberfinanzdirektion, die die Gebäude auf dem Schlossgelände verwaltet, hält Volmers Argumente für vorgeschoben. "Es gibt keine Schadstoffbelastungen", versichert er. Ihn wundert, dass für das Borsig-Gelände ein Neubau geplant ist, obwohl es für die denkmalgeschützte Anlage noch nicht einmal eine Baugenehmigung gebe. Bei der Entscheidung habe wohl "eine gehörige Portion West-Denken" den Ausschlag gegeben.

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