Raumfahrt

Neue Spione im All: Scheibenförmiger Satellit besteht Praxistest

Hinter der Entwicklung von „DiskSat“ steht ein vom Staat finanziertes Forschungszentrum, das für die US-Weltraumstreitkräfte und Nachrichtendienste arbeitet.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Raumfahrt ermöglicht unter anderem Forschung, Kommunikation und Erdbeobachtung.

Raumfahrt ermöglicht unter anderem Forschung, Kommunikation und Erdbeobachtung.

© Nasa/imago

Ein neuartiger scheibenförmiger Kleinsatellit hat seinen ersten längeren Test im All bestanden. Das Entwicklerteam der US-Forschungsorganisation Aerospace Corporation stellte die Ergebnisse am Montag auf der Fachtagung Small Satellite Conference in Salt Lake City vor. Während acht Monaten im Orbit habe die Bauform namens „DiskSat“ gezeigt, dass sie funktioniere, teilte Aerospace mit.

Die vier Testsatelliten waren am 18. Dezember 2025 mit einer „Electron“-Rakete vom Nasa-Startplatz Wallops in eine Umlaufbahn in 550 Kilometer Höhe gebracht worden. Jede Scheibe hat einen Meter Durchmesser, ist nur 2,5 Zentimeter dick und wiegt 17 Kilogramm.

Richtet sie ihre flache Seite zur Sonne aus, erzeugt sie laut Konferenzbeitrag mehr als 100 Watt Spitzenleistung und speichert bis zu 282 Wattstunden Energie. Damit steht deutlich mehr Strom zur Verfügung als bei herkömmlichen Kleinsatelliten vergleichbaren Gewichts.

Leichte Bauweise mit Kinderkrankheiten

Das Grundgerüst besteht aus einer dünnen Wabenplatte aus Kohlefaser und Aluminium – ein Material, das sonst für Solarpaneele verwendet wird. Noch nie sei ein Satellit unter 20 Kilogramm mit einer solchen Struktur geflogen, sagte Chefingenieur Darren Rowen laut Aerospace.

Ein Fehler in der Batterieheizung führte dazu, dass einer der vier Satelliten seine Batterien verlor und ein weiterer eine Batterie abschalten musste. Zwei Satelliten sind voll einsatzfähig, der dritte arbeitet zeitweise.

Was die Satelliten leisten sollen

Die Bauform soll Anwendungen ermöglichen, die für kleine Satelliten dieser Gewichtsklasse bisher nicht in Reichweite lagen. Aerospace nennt vor allem drei Einsatzfelder: erstens Kommunikation und die Weiterleitung von Daten zwischen Satelliten, weil die große Fläche hohe Sendeleistung liefert und den Aufbau ganzer Satellitennetze erlaubt.

Zweitens Aufklärung mit Radar oder anderen Funkanwendungen, wofür die Scheibe als Träger großflächiger Antennen dient.

Drittens Erdbeobachtung aus sehr niedrigen Umlaufbahnen zwischen etwa 250 und 400 Kilometern Höhe, weil Kameras und Sensoren dort näher am Ziel arbeiten und deshalb kleiner und günstiger ausfallen können. Auch Messungen in den obersten Schichten der Atmosphäre und der Flug mehrerer Scheiben in Formation sind vorgesehen.

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Auftraggeber sitzen beim US-Militär

Die Aerospace Corporation mit Sitz im kalifornischen El Segundo ist keine gewöhnliche Firma, sondern ein vom US-Staat finanziertes Forschungszentrum. Sie arbeitet vor allem für die US-Weltraumstreitkräfte Space Force, das Verteidigungsministerium und Nachrichtendienste wie das National Reconnaissance Office, das die Aufklärungssatelliten der USA betreibt. Aerospace berät diese Auftraggeber bei Entwurf, Kauf und Betrieb ihrer Satelliten. Neue Technik aus dem Haus fließt daher regelmäßig in Militär- und Geheimdienstprogramme ein.

US-Fachmedien verweisen auf das militärische Interesse an der Technik, vor allem wegen möglicher hochauflösender Erdbeobachtung aus sehr niedrigen Bahnen. Dort sind die Signalwege kürzer, Sensoren wirkungsvoller und Aufklärungsergebnisse schneller verfügbar.

US-Weltraumstreitkräfte und die Forschungsagentur des Pentagons, Darpa, treiben mehrere Programme für Aufklärung und Kommunikation aus niedrigen Umlaufbahnen voran und suchen dafür kompakte, leistungsstarke Satelliten. Aerospace hat die „DiskSat“-Bauform nach eigenen Angaben bereits an drei Unternehmen zur kommerziellen Nutzung lizenziert – Namen wurden nicht genannt.

Nächster Schritt: tiefer fliegen

In den kommenden Monaten soll ein „DiskSat“ schrittweise in eine sehr niedrige Umlaufbahn absinken. Dort sollen elektrische Antriebe mit 300 Mikronewton Schub die Höhe gegen den bremsenden Luftwiderstand halten, wie das Team in Salt Lake City berichtete.

Die dünne Scheibenform ist so ausgelegt, dass sie mit ihrer schmalen Kante durch die dünne Atmosphäre gleitet und so möglichst wenig gebremst wird.

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