Bericht

Diskussion in der Polnischen Botschaft Berlin: „Wir können uns auf die USA nicht verlassen“

In der polnischen Botschaft diskutierten Sicherheitsexperten über neue Strategien, um sich militärisch gegen Putins Russland zu wappnen.

Tomasz Kurianowicz
Tomasz Kurianowicz
5 Min
Jan Tombiński, Chargé d‘affaires der polnischen Botschaft, Pia Fuhrhop von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Robert Pszczel, Senior Fellow am Centre for Eastern Studies in Warschau, Tomasz Kowalik, General der polnischen Armee, stationiert beim Multinationalen Korps Nord-Ost in Szczecin (von links nach rechts).

Jan Tombiński, Chargé d‘affaires der polnischen Botschaft, Pia Fuhrhop von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Robert Pszczel, Senior Fellow am Centre for Eastern Studies in Warschau, Tomasz Kowalik, General der polnischen Armee, stationiert beim Multinationalen Korps Nord-Ost in Szczecin (von links nach rechts).

© BLZ

Während die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Istanbul nicht vorankamen, trafen sich in der neuen polnischen Botschaft in Berlin Unter den Linden Sicherheitsexperten, um sich über den nächsten Nato-Gipfel in Den Haag auszutauschen (24.-25. Juni 2025). Jan Tombiński, Chargé d‘affaires der polnischen Botschaft, drückte seinen Wunsch aus, dass die Nato-Partner, darunter auch die USA, trotz der Verhandlungen in der Türkei weiterhin Druck auf Russland ausüben würden. Die drei polnischen und deutschen Sicherheitsexperten, die auf der Bühne zu Beginn der Veranstaltung Kurzreferate hielten, waren sich aber alle einig darin, dass das Nato-Bündnis vor großen Problemen steht.

Robert Pszczel, Senior Fellow am Centre for Eastern Studies in Warschau, machte keinen Hehl daraus, dass Donald Trump die europäischen Nato-Partner regelmäßig irritieren würde. Trotz dessen sei Europa aktuell auf die USA angewiesen, kein europäisches Land könne die Effizienz und die Kraft der in Europa stationierten amerikanischen Truppen ersetzen. Dennoch müssten sich die großen europäischen Staaten schleunigst von den USA emanzipieren und verinnerlichen, dass Russland spätestens seit 2014 einen konfrontativen außenpolitischen Kurs fährt.

Der Politologe verwies zudem auf die wachsende Eskalationsbereitschaft Russlands durch Cyberangriffe oder Provokationen im Ostseeraum, die seiner Meinung nach heute schon regelmäßig stattfänden. Der Pole sprach davon, dass in der polnischen Gesellschaft kaum ein Dissens darüber bestehe, dass die Verteidigungsausgaben erhöht werden müssten – sei es auf Kosten von Sozialprogrammen. Im Westen hingegen würde sich die Situation anders darstellen. Von Friedrich Merz forderte er nicht nur Worte, sondern konkrete Taten ein. Insbesondere die von Außenminister Johann Wadephul jüngst verkündete Bereitschaft, jährlich einen Betrag in Höhe von fünf Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung in Militär und Verteidigung zu investieren, sorgte bei dem Polen für Zuversicht. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass westliche Politiker ihre Versprechen in der Realität auch einhalten müssten. Noch seien die deutschen Ankündigungen zu unkonkret. Er verwies etwa auf das von Merz nicht eingehaltene Ultimatum, bei einer verschleppten Feuerpause durch Russland harte Sanktionen gegen das Land zu beschließen.

Werden Sie Teil des Ostablishments.

Sie haben bereits ein O+ Abo?

*