Doretta Kraatz, Maskenbildnerin

Tina Veihelmann
2 Min

Doretta Kraatz steht hinter einer jungen Frau, deren Haar eingedreht ist. Sie hantiert mit Theater-Make-up, Puderquaste und verschiedenen Schminkstiften. In wenigen Minuten wird die junge Frau auf der Bühne stehen. "Die Maske ist ein sehr sensibler Moment bei den Schauspielern", sagt Doretta Kraatz. "Kurz vor dem Auftritt gilt es, viel Einfühlungsvermögen aufzubringen."Frau Kraatz ist Chef-Maskenbildnerin an der Berliner Volksbühne. Darsteller und Maskenbildner kennen sich in diesem Haus meist schon seit langen Jahren. Für die 53-Jährige bedeutet es jedes Mal ein großes Lob, wenn sich ein Schauspieler dank ihrer Arbeit wohl fühlt. Wenn ihre Maske etwa dazu beigetragen hat, besser in eine neue Rolle zu finden.Das Schminken und Frisieren vor dem Auftritt ist jedoch nicht ihre einzige Aufgabe. Für manche Stücke werden aufwändige Masken, Bärte oder Perücken benötigt. Soll eine Perücke beispielsweise auf der Bühne natürlich wirken, muss sie von Hand angefertigt werden. Das bedeutet für den Maskenbildner, Haar für Haar auf eine Gaze zu knüpfen, die genau der Kopfform des Schauspielers angepasst ist. Etwa zehn Tage lang ist man mit dieser Arbeit in der Werkstatt beschäftigt. Bei anderen Aufträgen ist auch Einfallsreichtum gefragt: Kürzlich hatte etwa die Regie für einen Darsteller einen Eberkopf vorgesehen. Woher nun Schweineborsten bekommen? Frau Kraatz und ihre Kollegen entschieden sich für Besenborsten. Für eine andere Vorstellung wurde mit Quark, Ei und Honig gearbeitet, um den Effekt rissiger Haut zu erzielen.Die Ausbildung zum Maskenbildner ist über verschiedene Wege möglich. Doretta Kraatz hat den längsten und aufwändigsten hinter sich: das Studium "Maskenbild" an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Zuvor absolvierte sie eine Friseurlehre und ein einjähriges Praktikum. Kürzer sind die Ausbildungszeiten an Privatschulen oder am Theater selbst.Frau Kraatz würde jedoch eher das breiter angelegte Studium empfehlen, weil hier mehr Hintergrundwissen vermittelt wird, etwa zur Kunstgeschichte oder Anatomie. Wirklich abgeschlossen sei die Ausbildung jedoch eigentlich nie. Jede Inszenierung sei mit neuen Anforderungen verbunden, und immer wieder arbeite man mit neuen Materialien. "Auch wenn man dreißig Jahre im Beruf ist, kann man nie behaupten, man habe nun ausgelernt", sagt Frau Kraatz.

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