Acht große Verbände der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft warnen: Wegen niedriger Wasserstände, Problemen im Schienengüterverkehr und Engpässen auf der Straße sei die Versorgung mit Rohstoffen und Betriebsmitteln zunehmend gefährdet. Vor diesem Hintergrund haben sie sich zur neuen Verbände-Initiative Agrarlogistik zusammengeschlossen und ein gemeinsames Positionspapier an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) übermittelt. Das teilte der Verband Der Agrarhandel am Freitag mit.
In ihrer gemeinsamen Mitteilung sprechen sie von einer „dramatischen Lage in der Logistik“. Getreide muss zu Mühlen, Ölsaaten zu Verarbeitern, Futtermittel zu Tierhaltern und Dünger auf die Höfe gelangen. Fallen Wasserstraßen oder Schienen teilweise aus, müssen große Mengen kurzfristig auf andere Verkehrswege verlagert werden. Die Initiative fordert daher, dass Lkw vorübergehend bis zu 44 Tonnen Gesamtgewicht haben dürfen, wenn Transporte von Agrargütern und Betriebsmitteln auf der Schiene oder per Schiff ausfallen.
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Agrarverbände fordern Priorisierung im Schienenverkehr
Nach Auffassung der Verbände könnten vorhandene Transportkapazitäten mit schwereren Lkw besser ausgenutzt und drohende Engpässe abgefedert werden. Die Initiative fordert zudem, Agrar- und Lebensmitteltransporte auf der Schiene bei Kapazitätsengpässen stärker zu berücksichtigen und den Verkehr langfristig zu sichern. Auch bei Trassenpreisen, Schleusen, Wehren und Hafeninfrastruktur verlangt die Branche Veränderungen.
Zur Initiative gehören neben dem Agrarhandel der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), der Industrieverband Agrar (IVA) und der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie (OVID). Auch der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT), Grofor sowie der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) haben sich angeschlossen.
Niedrigwasser setzt Binnenschifffahrt unter Druck
Auslöser für die gegenwärtige Debatte ist vor allem das Niedrigwasser in deutschen Flüssen. Die niedrigen Wasserstände stellten Binnenschifffahrt, Industrie und Logistik im Rhein vor „große Herausforderungen“, erklärte das Bundesverkehrsministerium Mitte August. Auch an Elbe und Donau bleiben die Wasserstände niedrig.
Bei Niedrigwasser können Frachtschiffe häufig nicht voll beladen werden. Die gleiche Gütermenge muss dann auf mehr Schiffe verteilt oder teilweise auf Bahn und Lkw verlagert werden. Doch auch dort sind die Kapazitäten begrenzt.
Die Verbände verweisen auf Baustellen und Engpässe im Schienennetz sowie auf gesperrte oder sanierungsbedürftige Straßeninfrastruktur. Die derzeitige Situation sei deshalb nicht bloß eine kurzfristige Folge des Wetters, sondern zeige grundsätzliche Schwächen der deutschen Verkehrsinfrastruktur.
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