Drei Filialen bekommen einen neuen Eigentümer / Warenhaus in Neukölln macht Ende des Jahres dicht

Schlussverkauf bei Karstadt

Marlies Emmerich Bettina Böse Constanze Haase
4 Min

Der neue Name steht schon fest: "City-Karstadt" - so sollen all jene Karstadt-Warenhäuser für eine Übergangszeit heißen, von denen sich der finanziell angeschlagene Kaufhaus-Konzern trennt. Drei der bundesweit betroffenen 75 Warenhäuser liegen in Berlin - in der Moabiter Turmstraße, in der Schöneberger Hauptstraße und in der Berliner Straße in Tegel. Für ein weiteres Haus steht das Aus ohnehin schon seit längerem fest: Karstadt in der Neuköllner Hermannstraße schließt Ende des Jahres.Für die rund 300 Beschäftigten war die am Mittwoch bekannt gegebene Nachricht aus der Essener Zentrale keine wirkliche Überraschung. "Seit fast zwei Jahren wird darüber diskutiert, dass sich der Konzern von allen Kaufhäusern mit weniger als 8 000 Quadratmeter Kauffläche trennen will", sagte eine Beschäftigte.Dennoch herrscht Unruhe und Angst. Verkäufer und Verkäuferinnen wollten sich offiziell lieber nicht äußern. Auch in der Filiale in der Turmstraße mochte kein Beschäftigter über seine Gefühle reden. Einzig die Dame am Service-Schalter: "Ich glaube nicht, dass heute jemand irgendetwas sagt. Wir wissen selbst nicht, wie es weitergeht." Die Geschäftsleitung war angeblich nicht im Haus. Der Betriebsrat ließ über die Telefonzentrale ausrichten, alle Anfragen an den Gesamtbetriebsrat in Essen zu richten. Die Kunden bekamen von der Verunsicherung unter den Beschäftigten nichts mit. Sie wurden freundlich bedient und mit Rabatten an die Wühltische gelockt. Optimistische Gesichter von Verkäufern konnte man dabei nicht sehen.Im Zuge des Sanierungskurses des Karstadt-Konzerns stand die Filiale in Moabit vor zwei Jahren schon auf der roten Liste. Seither leben die Angestellten mit der quälenden Ungewissheit. Klar ist nur, dass die neuen Chefs rückwirkend zum 1. August den Verkauf besiegelt haben. "Die Konditionen sind unklar", sagte ein Betriebsrat. Als ziemlich klein und ziemlich unrentabel steht auch die Filiale in der Schöneberger Hauptstraße auf der Abschussliste. Den Verkäufern hier war die aktuelle Hiobsbotschaft noch nicht bekannt. Doch die Stimmung ist seit langem schlecht. Eine Verkäuferin erzählte: "Natürlich haben wir Angst um unsere Jobs, und das schon lange. Wir rechnen jeden Tag mit dem Schlimmsten." Nach ihren Informationen aber sollte die Filiale noch in diesem Monat aufwändig umgestaltet werden - "soweit ich weiß", so die Verkäuferin. Bestätigen konnte das sonst aber niemand. Die Geschäftsleitung war auch hier gar nicht erst im Hause.Wie Ottwald Demele von der Gewerkschaft Verdi sagte, gebe es bisher keinerlei Information, wie es weitergehe. Gerüchten zufolge sei angeblich nur gesichert, dass die neuen Chefs - eine britische Investorengruppe, die auf Handel spezialisiert ist - die Belegschaften zunächst übernehmen. Wie lange die Arbeitsplätze erhalten bleiben, ist aber völlig offen. Die Deutsche Industrieholding übernimmt die Leffers-Filialen in Charlottenburg und Neukölln. Seite 10------------------------------Der Konzern in BerlinBundesweit: Karstadt hat bundesweit 181 Häuser. Von 75 hat sich der Konzern getrennt. Rund 11 000 Mitarbeiter bekommen einen neuen Arbeitgeber.Filialen des Konzerns in Berlin: neun Karstadt-Warenhäuser, drei Karstadt-Sport-Häuser, zwei Wertheim-Filialen, je ein Haus von Hertie und KaDeWe. Zwei Filialen gehören zu Sinn&Leffers, sechs Filialen zu Runnerspoint und acht zu Starbucks. Zwölf Läden - acht in Kaufhäusern - sind "WOM"-Läden. Insgesamt arbeiten in Berlin noch rund 6 000 Beschäftigte für den Konzern. Rund 300 wechseln zum neuen Arbeitgeber.Verkaufte Häuser: An eine britische Investorengruppe sind die Häuser in der Moabiter Turmstraße, in der Schöneberger Hauptstraße und in der Berliner Straße in Tegel verkauft worden. Sie haben je weniger als 8 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, gelten als unrentabel.Geschlossen: Unabhängig von dem am Montag bekannt gegebenen Verkauf macht das Warenhaus an der Neuköllner Karl-Marx-Straße zum Jahresende zu. Die Kündigungen sind bereits an die Mitarbeiter rausgegangen. Das Gebäude wird voraussichtlich im Januar 2006 von einem Möbelkonzern übernommen. Das Haus galt schon lange als Problemfall - zum einen, weil Karstadt am Hermannplatz in der Nähe liegt, zum anderen, weil insgesamt der Handel im Einzugsgebiet Umsatzeinbußen verkraften muss. Bereits im Herbst 2004 war die Schließung diskutiert worden.Öffnungszeiten: Seit Beginn dieses Jahres machen zehn Warenhäuser sonnabends schon um 18 Uhr zu. Das Kundeninteresse soll in der Zeit bis 20 Uhr nicht groß genug gewesen sein, hieß es. Das KaDeWe und Wertheim am Kurfürstendamm haben bis 20 Uhr geöffnet.------------------------------Foto: Das Karstadt-Haus in der Moabiter Turmstraße: Für den großen Warenhauskonzern ist es unattraktiv geworden.------------------------------KORREKTURDas zum Karstadt-Konzern gehörende Berliner Haus in Neukölln, das Ende des Jahres schließt, befindet sich in der Karl-Marx-Straße und nicht - wie am Donnerstag auf Seite 19 im Haupttext zu lesen - in der Hermannstraße. (05.08.2005)

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