Hymnen-Chaos

Dreimal die falsche Hymne an einem Tag – Nagoyas Bürgermeister nennt die Pannen „nicht hinnehmbar“

Bei den Para-Asienspielen in Nagoya erklang am selben Tag mehrfach die falsche Nationalhymne – obwohl die Veranstalter nach den Asienspielen genau das verhindern wollten.

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Der japanische Judoka Tsukasa Tanaka bei den Para-Asienspielen. Das Sportereignis wird von Organisationspannen überschattet.

Der japanische Judoka Tsukasa Tanaka bei den Para-Asienspielen. Das Sportereignis wird von Organisationspannen überschattet.

© Kenjiro Matsuo/imago

Bei den Para-Asienspielen in Nagoya sind am 19. Oktober bei zwei Siegerehrungen und vor einem Spiel falsche Hymnen abgespielt worden. Bürgermeister Ichiro Hirosawa hat die Fehler auf einer Pressekonferenz am Mittwoch als „nicht hinnehmbar“ bezeichnet und sich öffentlich entschuldigt.

Bereits bei den Asienspielen am selben Austragungsort waren falsche Hymnen gespielt worden. Die Organisatoren hatten danach bessere Abläufe versprochen.

Iranische Hymne für Taiwans Taekwondo-Gold

Beim ersten Vorfall lief während der Siegerehrung im Para-Taekwondo der Männer die iranische statt der Hymne des Paralympischen Komitees von Chinese Taipei – und zwar komplett bis zum letzten Takt. Die Delegation aus Taiwan machte die Veranstalter erst nach der Zeremonie auf den Fehler aufmerksam. Die Siegerehrung wurde am 21. Oktober wiederholt.

Die iranische und die Hymne des Paralympischen Komitees von Chinese Taipei unterscheiden sich in Melodie, Sprache und Länge deutlich voneinander. Der Fehler hätte deshalb bereits beim Abspielen auffallen können.

Mongolische Goldmedaillistin hört ebenfalls Irans Hymne

Nur wenige Stunden später wurde bei der Siegerehrung im Para-Taekwondo der Frauen erneut die iranische Hymne abgespielt, diesmal anstelle der mongolischen. Mitglieder der mongolischen Delegation wiesen die Regie sofort auf den Fehler hin, woraufhin die Musik gestoppt wurde.

Anschließend stellte die mongolische Delegation selbst eine Aufnahme ihrer Hymne zur Verfügung, die dann abgespielt wurde.

Südkoreas Hymne vor Chinas Volleyballspiel

Ein dritter Vorfall ereignete sich ebenfalls am 19. Oktober, diesmal abseits der Medaillenzeremonien. Vor einem Sitzvolleyballspiel der Frauen zwischen China und Iran erklang für etwa fünf Sekunden die südkoreanische statt der chinesischen Hymne. Der Fehler wurde rasch bemerkt und korrigiert.

Gerade die Verwechslung zwischen Südkorea und China berührt ein politisch heikles Verhältnis. Bei internationalen Sportveranstaltungen in Asien gelten Hymnen und Flaggen als besonders sensible Symbole nationaler Identität.

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Bürgermeister spricht von „schmerzhaftem“ Versagen

Nagoyas Bürgermeister Ichiro Hirosawa reagierte am 21. Oktober auf einer Pressekonferenz. „Das ist nicht hinnehmbar, oder besser gesagt, es ist schmerzhaft. Es tut mir sehr leid“, sagte er laut AFP. Zugleich betonte er, das Turnier verlaufe ansonsten reibungslos.

Hirosawa räumte ein, dass die Abläufe nach den Asienspielen überprüft und überarbeitet worden seien. „Dass es trotzdem wieder passiert ist, ist wirklich nicht hinnehmbar“, erklärte er. Warum die überarbeiteten Verfahren versagt haben, erklärte er nicht.

Asienspiele im selben Austragungsort bereits von Pannen überschattet

Die Para-Asienspiele finden bis zum Samstag in Nagoya statt, mit rund 4000 Athleten und Offiziellen in 18 Sportarten. Bereits bei den Asienspielen, die Anfang Oktober in derselben Stadt endeten, gab es Kritik an organisatorischen Mängeln – von unzureichenden Unterkünften bis hin zu Hymnenverwechslungen.

Am 18. September war dort bei einem Eishockeyspiel die nordkoreanische Hymne für das südkoreanische Team abgespielt worden. Dieser Vorfall hatte international Schlagzeilen gemacht und die Veranstalter veranlasst, eine grundlegende Überarbeitung ihrer Abläufe zu versprechen.

Warum gerade die iranische Hymne zweimal erklang

Das Organisationskomitee führte die Hymnenverwechslungen auf eine fehlerhafte Einstellung der Musikabspielsoftware zurück. Warum ausgerechnet die iranische Hymne zweimal abgespielt wurde, erklärte es nicht.

Beide Taekwondo-Zeremonien waren betroffen. Das könnte auf einen gemeinsamen Fehler bei der Organisation dieser Siegerehrungen hindeuten. Ob die Verantwortung bei der Hallenregie, beim zentralen Organisationskomitee oder bei einem externen Dienstleister liegt, ist offen.

Sportdiplomatie kennt bei Hymnen keinen Spielraum

Nationalhymnen bei Siegerehrungen gehören zu den streng protokollierten Momenten internationaler Wettkämpfe. Das Abspielen einer falschen Hymne kann von betroffenen Staaten als diplomatischer Affront gewertet werden, selbst wenn ein technisches Versehen die Ursache ist.

Für die Athleten auf dem Podest bedeutet eine verwechselte Hymne, dass bei ihrer Siegerehrung nicht die Hymne ihres Landes erklingt.

Organisationskomitee bleibt Stellungnahme bislang schuldig

Weder das Organisationskomitee der Para-Asienspiele noch der asiatische paralympische Dachverband haben bislang eine öffentlich zugängliche Stellungnahme zu den drei Vorfällen veröffentlicht. Die bisherigen Informationen stammen aus Angaben der Stadt Nagoya und aus Medienberichten.

Ob disziplinarische Konsequenzen für die Verantwortlichen folgen oder ob das Protokoll für die verbleibenden Wettkampftage erneut überarbeitet wird, ist nicht bekannt. Die Para-Asienspiele dauern noch bis Samstag.

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