Landwirtschaft

Dreister Klau auf deutschen Feldern: Landwirten aus Ostdeutschland platzt der Kragen

Sonnenblumen, Zwiebeln, Kartoffeln: Immer mehr Landwirte beklagen Diebstähle auf ihren Feldern. Im Netz kursieren drastische Fälle – auch aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

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Blühende Sonnenblumen auf einem Feld: Auch hier greifen Diebe zu.

Blühende Sonnenblumen auf einem Feld: Auch hier greifen Diebe zu.

© Jens Büttner/dpa

Der Bauer Hannes Kuhnwald ist auf Social Media eine bekannte Größe. Unter dem Namen Landwirt_in_MV berichtet er bei Instagram, YouTube, Twitch und TikTok Hunderttausenden Followern von seiner Arbeit. Über seinen Landwirtschaftsbetrieb an der Mecklenburgischen Seenplatte berichtet er auch im Podcast „Feldgeflüster“.

Mit seinen Mitarbeitern bewirtschaftet Kuhnwald 900 Hektar Land. Auf seinen Kanälen gibt er Einblicke in den Alltag der Landwirtschaft, zeigt Traktorfahrten auf dem Feld und erklärt, was es bedeutet, einen solchen Betrieb zu leiten.

Kuhnwald baut unter anderem Mais, gestreifte Sonnenblumen und Körnerhanf an. In einem aktuellen Video behandelt der 36-Jährige ein Thema, das aktuell viele Landwirte umtreibt – und mit dem auch immer mehr Bauern an die Öffentlichkeit gehen.

Bauer aus MV: „Es bleibt Diebstahl, es bleibt Vandalismus“

In einem Hanffeld stehend zeigt Hannes Kuhnwald zunächst, wie Menschen beim Durchgehen und Fotos machen Pflanzen heruntertrampeln. „Da laufen überall Leute durch, komplettes Programm“, sagt der Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern.

Pflanzenklau sei bei diesem Bestand nicht so auffällig. Dann aber schwenkt Kuhnwald auf eine Sonnenblume: Bei diesem Kandidaten sei es ganz anders. „Wir sind hier an der Bundesstraße nach Usedom und ich habe auf der anderen Seite Sonnenblumen angebaut“, so der Bauer.

Die ersten 50 Meter sei da keine Sonnenblume mehr gewesen, berichtet Hannes Kuhnwald. Er beschreibt das Problem: „Die Leute fahren vorbei, schneiden sich einen Blumenstrauß mit zwei, drei Pflanzen. Aber das machen Hunderte. Und dadurch kommt schnell mal ein Schaden von 2000, 3000 Euro zusammen.“

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Der Landwirt wird deutlich: „Es bleibt Diebstahl, es bleibt Vandalismus und es gehört sich einfach nicht.“ Er gehe ja auch nicht in fremde Gärten und klaue irgendwas. Bei ein paar Tausend Sonnenblumen falle das irgendwann auch ertraglich ins Gewicht, so Kuhnwald.

In seinem Fall seien die ersten 50 Meter Feld ein ganzer Hektar gewesen, der dann weg war. „Die Margen in der Landwirtschaft sind nicht so groß, das heißt das ganze Feld produziert dann plus minus Null, mehr können wir nicht mehr holen“, rechnet der Bauer vor.

Felder werden zum Selbstbedienungsladen

In den Kommentaren äußern andere Kollegen ähnliche Einschätzungen. „Ja, leider sind unsere Felder mittlerweile ein Selbstbedienungsladen“, schreibt ein Landwirt aus Unterfranken.

Ein Betrieb aus dem Raum Weser-Ems kommentiert: „Die Menschen denken leider überhaupt nicht nach. Die würden ganz schön blöd gucken, wenn wir nach dem Häckseln bei denen anhalten, um in deren Garten ein paar Äpfel zu pflücken.“

Ein User aus dem Harz fragt: „Warum kann man sich nicht einfach nur dran erfreuen, wie schön die Sonnenblumen in der Landschaft stehen?“

In jüngster Zeit haben sich etliche Landwirte via Social Media an die Öffentlichkeit gewandt, um für die Folgen von Felddiebstahl zu sensibilisieren. Das Landgut Dobler in Sachsen-Anhalt veröffentlichte Anfang August einen drastischen Beitrag.

„Wir sind stinksauer. Wirklich“, so die Mitarbeiter des Betriebes in der Magdeburger Börde, der schwerpunktmäßig auf rund 300 Hektar Kartoffeln für die Chips- und Pommesproduktion sowie auf 120 Hektar Zwiebeln anbaut.

„Innerhalb kürzester Zeit haben wir bereits zwei Mal Menschen beim Diebstahl auf unseren Feldern erwischt“, so die Landwirte. Zuerst habe eine junge Familie mit Kindern Kartoffeln ausgegraben. Dann habe jemand anderes Zwiebeln gestohlen.

Bauern in Sachsen-Anhalt: Kosten hinter jeder Kartoffel

Was viele offenbar nicht verstünden, so die Sachsen-Anhalter: „Unsere Felder sind kein Selbstbedienungsladen. Hinter jeder Kartoffel und jeder Zwiebel stecken unzählige Arbeitsstunden, hohe Kosten, Verantwortung und Leidenschaft. Wer einfach mitnimmt, was dort wächst, begeht keinen Kavaliersdelikt, sondern stiehlt die Arbeit von Landwirten.“ Für sie sei das „eine absolute Demütigung und ein Schlag ins Gesicht“.

Das Landgut Dobler kündigte an, die Felder ab sofort noch intensiver zu kontrollieren – auch nachts mit entsprechender Technik. „Und eines ist klar: Wer beim Diebstahl erwischt wird, muss damit rechnen, dass wir ohne Zögern die Polizei einschalten.“

Die Rechtslage stellt sich hierzulande wie folgt dar: Feldfrüchte, Obst und Gemüse gehören dem jeweiligen landwirtschaftlichen Betrieb. Das unbefugte Pflücken oder Mitnehmen ist rechtlich ein Diebstahl nach § 242 StGB (oder Diebstahl geringwertiger Sachen nach § 248a StGB).

Den früher oft bekannten, milder bestraften Tatbestand des Mundraubs gibt es im deutschen Recht seit über 50 Jahren nicht mehr. Jeder Diebstahl – selbst von geringen Mengen – ist strafbar.

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