Der Caritas-Suchtberatungsstelle in der Dresdner Neustadt droht die Schließung. Das Gesundheitsamt habe dem Verband mündlich mitgeteilt, die Förderung der Stelle ab 2028 vollständig einzustellen. Das erklärte der Caritasverband für Dresden in einem offenen Brief, in dem er die Rettung der Beratungsstelle fordert. Die Stadt begründet den Schritt mit der angespannten Finanzlage der Kommunen. Gleichmäßige Stundenkürzungen bei allen Dresdner Beratungsstellen hätten die Handlungsfähigkeit sämtlicher Stellen riskiert, hieß es.
„Die beabsichtigte Schließung einer Suchtberatungsstelle wegen knapper Kassen auf kommunaler Ebene ist in Sachsen ein Novum“, sagte die Vorsitzende der Sächsischen Landesstelle gegen Suchtgefahren (SLS), Beate Drowatzky. Bislang sei in den Kommunen über alle Träger hinweg gekürzt worden.
Kürzere Beratungszeiten, weniger Außensprechstunden
Weil die Träger die Kürzungen nicht selbst ausgleichen konnten, mussten sie laut Drowatzky stetig Beratungskapazitäten abbauen. Beratungszeiten seien verkürzt und frei gewordene Stellenanteile nicht wieder besetzt worden. Zudem würden Versorgungsverträge mit Trägern gekündigt. In ländlichen Regionen hätten teilweise Außensprechstunden nicht aufrechterhalten werden können.
Ende 2024 gab es in Sachsens Suchtberatung nach SLS-Angaben rund 199 Vollzeitstellen für Fachkräfte, Ende 2025 noch etwa 191. Der vorherige Anstieg ging allerdings auch auf befristete Präventionsstellen zurück. Als empfohlene Mindestversorgung gilt laut Drowatzky eine Fachkraft je 20.000 Einwohner. Das ist ein fachlicher Orientierungswert, keine gesetzliche Vorgabe. Diesen Schlüssel erfüllen in Sachsen nur noch drei Regionen. Ohne gesicherten kommunalen Finanzierungsanteil seien die notwendigen Basisstrukturen nicht zu erhalten, sagte Drowatzky.
Ratsuchende weichen ins Umland aus
Für Betroffene bedeuten die Kürzungen nach Einschätzung der SLS lange Wartezeiten oder weitere Wege zur nächsten Stelle mit freien Kapazitäten. „Wir haben jetzt schon Rückmeldungen aus den Umkreisen, also aus Pirna, Freital, Meißen, dass sie zunehmend Leute aus dem Stadtgebiet bekommen“, sagte Karin Tenbusch von der Caritas-Suchtberatung in der Neustadt.
Die sechs städtisch geförderten Dresdner Suchtberatungsstellen unterstützten nach Angaben der Stadt im Jahr 2023 insgesamt 2956 Menschen. Fiele die Caritas-Stelle weg, müssten die übrigen Stellen deren Nachfrage auffangen. Suchtberatungsstellen richten sich an Betroffene, Gefährdete und Angehörige. Sie leisten Krisenhilfe, vermitteln in Entgiftung oder Rehabilitation, übernehmen die Nachsorge und begleiten Menschen in Substitutionsbehandlung. Sachsenweit gibt es mehr als 45 solcher Beratungs- und Behandlungsstellen.
Sachsen bei Alkoholtoten auf Rang drei
Bei schlechterem Beratungsangebot würden sich Suchterkrankungen eher chronifizieren, warnte Drowatzky. Schon jetzt liege Sachsen bei alkoholbedingten Sterbefällen auf Platz drei unter allen Bundesländern, mit rund 25 Todesfällen je 100.000 Einwohner. Laut dem 4. Sächsischen Drogen- und Suchtbericht hatten im Zeitraum 2017 bis 2021 schätzungsweise 420.000 Menschen zwischen 15 und 64 Jahren einen problematischen Alkoholkonsum.
Auch bei Methamphetamin, bekannt als Crystal Meth, ist Sachsen laut SLS überdurchschnittlich belastet, Drowatzky zufolge etwa dreimal so stark wie im Bundesdurchschnitt. Die stationären Behandlungen stiegen zuletzt um 17 Prozent.
Land erhöht Mittel, Kommunen sparen
Für die Finanzierung der Suchtberatung sind laut sächsischem Gesundheitsministerium vor allem die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Der Freistaat fördert ergänzend. Diese Mittel blieben seit 2021 konstant und wurden in diesem Jahr erhöht, einen Rechtsanspruch darauf gibt es jedoch nicht. Befürchtete Kürzungen im Doppelhaushalt 2025/26 wurden auf Landesebene laut SLS abgewendet.
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Entscheidend sei, wie Städte und Kreise die Mittel verteilen, sagte Tenbusch. Laut Drowatzky senken die Kommunen ihren Finanzierungsanteil fast flächendeckend, während die Kosten durch höhere Gehälter und allgemeine Preissteigerungen wachsen.
Die Stadt Dresden verweist auf eine bundesweite Finanzkrise der Kommunen. Bund und Länder hätten ihnen Pflichtaufgaben übertragen, ohne ausreichend Geld bereitzustellen, sagte ein Stadtsprecher. Bei diesen Aufgaben könne Dresden wie alle Kommunen nicht sparen.
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