Das US-Militär hat am Dienstag in der Karibik ein Schnellboot angegriffen und dabei nach eigenen Angaben vier Menschen getötet. Das US-Südkommando (Southcom) teilte mit, das Boot sei auf einer bekannten Schmuggelroute unterwegs gewesen.
Geheimdienstinformationen hätten belegt, dass es aktiv in den Drogenhandel verwickelt gewesen sei. Belege dafür veröffentlichte das Kommando nicht.
Der Kommandeur des Südkommandos, General Francis L. Donovan, erklärte laut Mitteilung, die Einsatzgruppe Westliche Hemisphäre führe weiterhin „präzise, tödliche Operationen“ gegen die Kartelle durch. Man werde diese Netzwerke „jagen, stören und besiegen“.
Ein von Southcom verbreitetes Video zeigt nach Angaben der Nachrichtenagentur AP ein sich bewegendes Boot, gefolgt von einem Lichtblitz. Bei der Operation „Southern Spear“ setzt die US-Marine nach eigenen Angaben auch auf unbemannte und autonome Systeme.
Zweiter Angriff binnen weniger Tage
Der Angriff ist bereits der zweite US-Schlag gegen ein mutmaßliches Schmugglerboot binnen drei Tagen. Am Wochenende hatte das US-Militär im östlichen Pazifik ein Boot angegriffen und dabei zwei Menschen getötet. Dieser Einsatz war laut AP der erste nach einer Pause von mehr als zwei Monaten.
Insgesamt sind seit Beginn der Kampagne im September 2025 nach Angaben von AP mindestens 227 Menschen bei 68 Angriffen ums Leben gekommen.
US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, die USA befänden sich mit den Kartellen in Lateinamerika in einem „bewaffneten Konflikt“. Er rechtfertigt die Angriffe damit, den Zustrom von Drogen in die USA und tödliche Überdosen unter US-Amerikanern eindämmen zu müssen. Seine Regierung hat laut AP bislang wenig Belege für die Behauptungen vorgelegt, dass es sich bei den Getöteten um Drogenkuriere handelt.
Menschenrechtsorganisationen üben Kritik
Human Rights Watch, Amnesty International sowie unabhängige UN-Sachverständige stufen die Angriffe nach Angaben von Reuters als rechtswidrige, außergerichtliche Tötungen ein.
Nach Angaben von AP arbeitet die US-Regierung zudem an Vereinbarungen mit verbündeten Staaten, um die Offensive auf Landgebiete in mehreren lateinamerikanischen Ländern auszuweiten. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte bei einem Besuch in Panama, Kolumbien, Guatemala und Honduras hätten gemeinsamen Militäroperationen gegen kriminelle Gruppen auf ihrem Staatsgebiet zugestimmt.
Guatemala wies eine solche Vereinbarung laut AP zurück. Ecuador hatte dem Bericht zufolge im März ähnliche Einsätze gemeinsam mit den USA gestartet.
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