Eine mit Sprengstoff beladene Drohne hat Deutschland wochenlang in Atem gehalten. Gefunden wurde sie in der Nacht zum 5. August neben einer ukrainischen Antonow auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Lange blieb offen, wer dahintersteckt. Am Dienstag hat die Bundesregierung eine Antwort gegeben. Sie zeigt auf Russland.
Innenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul traten am Dienstagnachmittag gemeinsam in Berlin vor die Presse. Nach Angaben von Dobrindt passten Drohnenkonfiguration, Bauteile, Sprengstoff und Zünder zu einem bekannten Muster russischer hybrider Operationen. Als Konsequenz schließt Berlin das russische Konsulat in Bonn zum 18. September und kündigt den Vertrag für das Russische Haus in Berlin.
Was folgte, war eine Kette von Reaktionen. Binnen Stunden meldete sich ein Verbündeter nach dem anderen zu Wort. Ihre Botschaft klang fast im Gleichklang.
Nach Schließung des Russischen Hauses und Bonner Konsulats: So könnte Moskau reagieren
Drohnenvorfall Leipzig: Merz droht Russland – doch die Beweise fehlen erneut
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sicherte Deutschland die volle Solidarität der EU zu. Am Montagmorgen hatte sie mit Kanzler Friedrich Merz gesprochen, erklärte sie. Russland wolle Misstrauen und Angst in den Gesellschaften säen. Moskau werde damit scheitern. Die Union bleibe geeint, weitere Sanktionen würden die Außenminister unter irischer Ratspräsidentschaft vorbereiten.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer Welle zunehmend kinetischer hybrider Angriffe. Der russische Präsident Wladimir Putin wolle Europa so von der Unterstützung der Ukraine abbringen. Der Kremlchef werde damit nicht durchkommen. Stattdessen werde die EU ihre Hilfe ausweiten, in die eigene Verteidigung investieren und die bislang weitreichendsten Sanktionen gegen Russland vorbereiten.
Die Nato nennt die Beweise eindeutig
Auch die Nato schaltete sich ein. Generalsekretär Mark Rutte teilte nach einem Gespräch mit Merz mit, das Bündnis stehe nach dem hybriden Angriff voll an der Seite Deutschlands. Die Beweislage sei eindeutig. Er begrüße die angekündigten Maßnahmen. Die Nato werde ihre Fähigkeit zur Abschreckung weiter stärken, auch gegen böswillige Aktionen wie in Leipzig. Russlands Versuche, die Einigkeit des Bündnisses und die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben, seien vergeblich.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb, Deutschland habe Russlands Verantwortung für die schweren Vorfälle Anfang August festgestellt. Solche hybriden Angriffe häuften sich in Europa, und sie dürften nicht unbeantwortet bleiben. Frankreich stehe voll an Deutschlands Seite und trage neue europäische Sanktionen mit. Angesichts der Eskalation müsse Europa geeint und entschlossen bleiben und die Ukraine stärker unterstützen.
Aus Rom kam die gleiche Botschaft. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärte, Italien stehe nach dem russischen hybriden Angriff voll an der Seite Deutschlands. Die Sicherheit der Verbündeten sei die Sicherheit aller. Versuche, das Bündnis einzuschüchtern oder zu spalten, würden scheitern und auf eine gemeinsame Antwort treffen. Gefragt seien Standfestigkeit, enge Zusammenarbeit und eine glaubwürdige Abschreckung.
Warschau kennt das Muster
Am schärfsten ordnete Donald Tusk den Fall ein. Polen, die baltischen Staaten, Rumänien und jetzt Deutschland, zählte der polnische Ministerpräsident auf. Russland ziehe die Spannungen durch die ganze Region. Einschüchtern lasse man sich nicht. Die Antwort sei fortgesetzte Unterstützung für die Ukraine und eine volle Koordinierung der Nato-Staaten gegen den Aggressor.
In fast jeder Wortmeldung kehrte derselbe Gedanke wieder. Der Versuch, Europa von der Ukraine abzubringen, werde scheitern.
Moskau weist die Vorwürfe zurück
Moskau weist jede Beteiligung zurück. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte, Russland werde auf die „antirussischen Maßnahmen“ Deutschlands reagieren. Eine Beteiligung an dem Anschlagsversuch bestritt sie. Die Vorwürfe seien ein weit hergeholter und konstruierter Vorwand, um die Spannungen zwischen Berlin und Moskau zu verschärfen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Anschuldigungen ließen sich schwer kommentieren, weil Deutschland keine Beweise vorgelegt habe. Offensichtlich gehe Berlin den weiteren Weg der Eskalation.
Präsident Wladimir Putin äußerte sich auf einer Pressekonferenz knapp. Dabei warf er Deutschland vor, nach dem Drohnenangriff Beweise gefälscht zu haben, um Moskau verantwortlich zu machen.
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