In der ausschließlichen Wirtschaftszone Bulgariens im Schwarzen Meer sind in der Nacht zum Dienstag zwei zivile Handelsschiffe von Drohnen getroffen worden. Ein Frachter sank, seine Besatzung wird vermisst. Vom zweiten Schiff konnten alle 18 Besatzungsmitglieder gerettet werden.
Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radew sprach nach einer Krisensitzung mit Vertretern mehrerer Ministerien und Sicherheitsbehörden von einem „groben Verstoß gegen das Völkerrecht und das Seerecht“.
Die Angriffe hätten sich gegen drei Uhr Ortszeit rund 70 Seemeilen (etwa 130 Kilometer) östlich der Küstenstadt Bjala ereignet, teilte Radew in einer Fernsehansprache mit. Eingesetzt worden seien See- und Luftdrohnen. Wer hinter dem Angriff steht, ist nach seinen Angaben zunächst unklar.
Ein Schiff sinkt, zweites fängt Feuer
Laut Radew sank der unter der Flagge Togos fahrende Frachter „Alfa Watan“ aufgrund schwerer Schäden am Rumpf. Informationen zur Ladung des Schiffes lägen nicht vor. Die Suche nach der vermissten Besatzung dauert an. Daran beteiligt sind Einheiten der Luftwaffe und der Marine, darunter ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Su-25, wie Verteidigungsminister Dimitar Stojanow mitteilte.
Das zweite getroffene Schiff, der unter der Flagge Palaus fahrende Frachter „Able“, geriet nach dem Angriff in Brand. An Bord befanden sich nach Behördenangaben 18 Besatzungsmitglieder, elf türkische und sieben indische Staatsbürger. Alle wurden von der unter bulgarischer Flagge fahrenden Fähre „Dioscuria“ aufgenommen. Zwei verletzte Seeleute wurden in ein Krankenhaus in der Hafenstadt Warna gebracht.
Die „Able“ hatte nach bulgarischen Angaben Weizen geladen. Nach Daten des Schiffsverfolgungssystems AIS hatte der Frachter zuletzt den rumänischen Hafen Galați angelaufen und war auf dem Weg nach Istanbul. Galați ist seit Kriegsbeginn ein wichtiger Ausweichhafen für ukrainische Exporte über die Donau.
Verdacht richtet sich gegen Russland
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters deuteten erste Einschätzungen einer mit der Sicherheit auf See befassten Quelle auf einen russischen Angriff hin. Russland äußerte sich zunächst nicht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte Moskau für den Vorfall verantwortlich. Die Nato lehnte eine Stellungnahme ab und verwies auf die bulgarischen Behörden.
Radew warnte, der Krieg greife räumlich immer weiter um sich und erhöhe das Risiko eines globalen Konflikts. Nach Angaben von Branchenvertretern handelt es sich um den ersten derartigen Angriff in bulgarischen Gewässern.
Bereits am Montag war nach rumänischen Angaben ein türkischer Frachter im Schwarzen Meer nach einem Drohnenangriff in Brand geraten und gesunken. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben.
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