BERLIN. Eigentlich war alles angerichtet für einen perfekten Fußballnachmittag. Die Frühlingssonne schien auf den ramponierten Rasen im Berliner Olympiastadion, 65 662 Zuschauer, darunter ein imposanter Block aus Dortmund, hatten sich eingefunden und sorgten am Sonnabend für Festtagsstimmung. Zwei Bundesligisten der oberen Tabellenhälfte lieferten sich eines der vielen Endspiele um den begehrten fünften Platz, der zur Uefa-Cup-Teilnahme berechtigt. Fehlte nur noch prächtiger Fußball.Als jedoch der Stadionsprecher kurz vor Schluss der Partie zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund die Besucherzahl bekannt gab und sich herzlich für das zahlreiche Erscheinen bedankte, erntete er ein wütendes Pfeifkonzert. Die meisten Menschen im Stadion bereuten es längst, sich nicht lieber irgendwo ins Grüne gesetzt und den Tag in Ruhe genossen zu haben, anstatt ihn sich mit teilweise erbarmungswürdigem Fußball verderben zu lassen. Kurze Zeit später verrutschte Dortmunds Florian Kringe frei am Fünfmeterraum ein Schuss ganz fürchterlich, doch Herthas Josip Simunic hätte ihn fast noch ins eigene Tor gestolpert. Ein symptomatischer Schlusspunkt in einem Spiel, das von teilweise grotesken Fehlleistungen der Abwehrspieler sowie einer hanebüchenen Chancenverwertung der Stürmer geprägt war - und folgerichtig 0:0 endete.Egal, wer den fünften Platz am Ende bekommt, wenn er im europäischen Wettbewerb so mutlos und energiearm auftritt wie die beiden Aspiranten am Sonnabend im Olympiastadion, wird er nicht viel Freunde daran haben. "Es war wichtig, nicht alles nach vorne zu werfen, denn wir wussten, dass Dortmund schnelle Stürmer hat", gab Hertha-Kapitän Arne Friedrich die Gemütslage seiner Mannschaft wieder. Manager Dieter Hoeneß konstatierte für die erste Halbzeit "ein Riesenloch im Mittelfeld".Dies entstand dadurch, dass die Defensivspieler nicht oder nur sehr langsam aufrückten. Hatten sie den Ball glücklich abgespielt, blieben sie einfach stehen und schauten zu, was Yildiray Bastürk, Marcelinho und Marko Pantelic vorne so mit dem Gerät anstellten. Trainer Falko Götz neigt zwar zur Vorsicht, so passiv hatte er sich die Sache aber nicht vorgestellt. "Viel zu viel Respekt" habe man vor der Pause gehabt, in der zweiten Halbzeit sei es dann zum Glück besser geworden.Die Dortmunder hatten ihrerseits keineswegs vorgehabt, die schmale Chance auf Platz fünf mit entschlossenem Offensivfußball zu suchen, wurden aber durch die zurückhaltende Spielweise der Gastgeber praktisch gezwungen, die Initiative zu übernehmen. So bot sich das kuriose Bild zweier Teams, die eigentlich am liebsten auf Konter spielen wollten, dies aber wegen der extremen Vorsicht des Gegners nicht konnten. Damit lag das Match durchaus im allgemeinen Bundesligatrend. Je wichtiger die Spiele, desto mehr dominiert Sicherheitsfußball, desto geringer werden Tempo und Risiko. Dass es dennoch zu Torszenen auf beiden Seiten kam, war nicht zielstrebigen und elanvollen Angriffen zuzuschreiben, sondern Fehlern in der Defensive - Ausrutschern, Querschlägern, Unaufmerksamkeiten und plumpen Fouls, die zu gefährlichen Standardsituationen führten.Die zentrale Figur im Berliner Spiel war, wie so oft im Guten oder Bösen, Marcelinho. Vom Trainer wurde der Brasilianer wegen seines Eifers und Einsatzes gelobt, vom Publikum am Ende bei fast jeder Aktion ausgepfiffen. Marcelinho war häufig am Ball, heraus kam wenig. In der Spitze fehlten die Anspielstationen, für Soloaktionen mangelt es ihm eklatant an Selbstbewusstsein und Spritzigkeit. So verdribbelte er sich, spielte Fehlpässe und vergab beste Torchancen auf klägliche Weise. "Marcelinho in allerbesten Tagen hätte zwei, drei Tore gemacht", trauerte Manager Hoeneß vergangenen Zeiten nach.So lahm wie das Spiel selbst waren auch die Versuche, dem Ergebnis etwas Positives abzugewinnen. Götz freute sich, dass man Dortmund auf Distanz gehalten hatte, und auch Hoeneß sprach lieber von den Vorteilen des Punktgewinns als davon, dass Hertha zwei Zähler verschenkt hatte, die dem Klub am Ende wahrscheinlich bitter fehlen werden. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Besuch der an Hertha vorbeigezogenen Leverkusener, die am 2. Mai ins Olympiastadion kommen. Das nächste fulminante Endspiel um den fünften Platz. Angesichts der müden Dortmund-Partie klingt das fast wie eine Drohung.------------------------------"Das 0:0 hilft uns mehr als Borussia." Dieter Hoeneß------------------------------Foto: Vorbildliches Dreikampfverhalten: Slapstickeinlage von Herthas Marko Pantelic und den beiden Dortmundern Brzenska und Kehl (v. l. n. r.).
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