Durch den Gang an die Börse sollen Staatsunternehmen besser für den Weltmarkt gerüstet werden

China öffnet Waffenhersteller für Investoren

Bernhard Bartsch
3 Min

PEKING. China will seine Rüstungsindustrie für private Investoren aus dem In- und Ausland öffnen. Das gab die Kommission für Wissenschaft, Technologie und Industrie der Nationalen Verteidigung in Peking bekannt. Chinesische Militärkonzerne sollen sowohl an chinesischen wie auch an internationalen Finanzmärkten Kapital aufnehmen dürfen. Wann die ersten Börsengänge zu erwarten sind, wurde nicht bekannt. Doch die Reform des Sektors solle in "wenigen Jahren" abgeschlossen sein, verkündete die Regulierungsbehörde, die bisher auch der Besitzer der Verteidigungsunternehmen ist.Die Öffnung der bisher völlig verschlossenen Branche könnte sich für Investoren als äußerst lukrativ erweisen. China gibt viel für seine Rüstung aus. In den vergangenen 20 Jahren ist das Verteidigungsbudget jährlich um mehr als zehn Prozent gestiegen. In diesem Jahr liegt es bei 33,4 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 17,8 Prozent. Und auch die Waffenexporte verzeichnen seit Jahren ein starkes Wachstum."Gewaltige Investitionen"Außerdem produzieren viele Militärbetriebe inzwischen auch zivile Waren. So stellt etwa die Chengdu Aircraft Industry Group, die Chinas modernstes Kampfflugzeug Jian-10 baut, auch Komponenten für die zivile Luftfahrt her - etwa Flügelteile für die Boeing 757 oder chinesische Lizenzversionen der McDonnel Douglas Triebwerke MD-80 und MD-90. Das Unternehmen ist auch an der Entwicklung des ersten chinesischen Großraumflugzeugs beteiligt. Die Chang'an Automotive Group im zentralchinesischen Chongqing, einst Chinas größter Hersteller von Militärfahrzeugen, betreibt inzwischen Gemeinschaftsunternehmen mit Ford und Suzuki.Bisher haben die elf Verteidigungskonglomerate über 40 Tochterunternehmen, die zivile Produkte herstellen, in China an die Börse gebracht, darunter Long March Launch Vehicle Technology, ein Unternehmen, das Satellitennavigationssysteme entwickelt. Der Mutterkonzern China Aerospace Science & Technology stellt unter anderem die Trägerraketen für Chinas ehrgeiziges Weltraumprogramm her, das bisher voll dem Militär untersteht.Vergangenen November hatte das parteiinterne Magazin "Studienzeit" mangelnde Finanzierung als eines der Hauptprobleme der chinesischen Rüstungsindustrie identifiziert: "Die Stärkung der nationalen Verteidigung und der zugehörigen Informationssysteme benötigt gewaltige Investitionen." Die neue Politik soll die Militärunternehmen ermutigen, sich nach dem Vorbild westlicher Konzerne wie Boeing, EADS, ThyssenKrupp oder General Electric (GE) zu entwickeln, die ebenfalls einen Teil ihres Umsatzes mit militärischen Produkten machen.Unterstützt wird die Reform des Militärsektors von der Behörde für die Verwaltung von Staatseigentum und die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, die bereits die Privatisierung anderer Industrien managten. Ziel sei es, die Unternehmensführung zu modernisieren und die Produktionskapazitäten sowie die Technologie zu verbessern, heißt es in den neuen Richtlinien. Die Unternehmen sollen sich auch untereinander zu Konglomeraten von "qualifizierten Waffenherstellern" zusammenschließen.Wie viel Prozent ihrer Anteile die Unternehmen veräußern dürfen, wurde noch nicht festgelegt. Die Mehrheit der Aktien dürfte jedoch in staatlichem Besitz bleiben. "Militärische Schlüsselunternehmen mit nationaler strategischer Sicherheitsbedeutung" sollen vollständig unter der Kontrolle der Regierung bleiben.Waffen für KrisenländerEin Anreiz für internationale Investoren dürfte darin bestehen, dass China sich derzeit auch zunehmend zum Waffenexporteur entwickelt. Nach Angaben des Stockholmer Instituts für Internationale Friedensforschung verkaufte die Volksrepublik zwischen den Jahren 2000 und 2004 Rüstungsgüter im Wert von gut einer Milliarde Euro. Das entsprach fünf Prozent der US-amerikanischen Exporte. Inzwischen dürften die Ausfuhren aber allein in einem Jahr bereits 750 Millionen Euro erreichen, schätzt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI).Zu Chinas Kunden gehören Iran, Nepal und Myanmar, aber auch Krisenländer wie Sudan, Kongo und andere afrikanische Staaten. So setzten Hisbollah-Kämpfer vergangenes Jahr Raketen des Typs C-802, die China in den Neunzigern an Iran verkauft hatte, gegen israelische Schiffe ein. Peking veröffentlicht zu seinen Waffenexporten keine Statistiken.------------------------------Foto: Chinesischer Panzer: Peking ermutigt Militärunternehmen, auch zivile Produkte herzustellen.

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