Ästhetik-Fragebogen

Influencer Dustin Hanke: „Ich fotografiere ständig Dinge, die erstmal völlig irrelevant aussehen“

Vintage, Bauchgefühl und ein bisschen Rock ‚n‘ Roll: Im Ästhetik-Fragebogen erzählt Dustin Hanke, wie sein markanter Look entsteht.

Marie Hartmann
Marie Hartmann
7 Min
Er trägt, was ihm gefällt, und Tausende schauen zu: Auf Instagram begeistert Dustin Hanke mit seinem Stil mehr als 30.000 Menschen.

Er trägt, was ihm gefällt, und Tausende schauen zu: Auf Instagram begeistert Dustin Hanke mit seinem Stil mehr als 30.000 Menschen.

© Dustin Hanke

Er ist für seinen guten Geschmack bekannt und dafür, dass er sich um modische Regeln wenig schert. Die Rede ist von Dustin Hanke. Mehr als 30.000 Menschen folgen dem Berliner auf Instagram. Dort trägt er Röcke zu Punk-Leder, Spitzenhandschuhe zum Herrenanzug und ein Brautkleid vom Flohmarkt, mal Rockstar, mal Diva, oft als beides zugleich.

Angefangen hat er schon 2009: Mit 14 Jahren startete er auf dem Land seinen Modeblog „Shiggers on Street“, der bald zu den einflussreichsten Männermodeblogs in Deutschland gehörte. Heute arbeitet Hanke als Model, Fotograf und Influencer, unter anderem für Gucci, Maison Margiela und MAC. Sein eigener Kleiderschrank ist trotzdem fast komplett vintage. Im Ästhetik-Fragebogen verrät er, wo er am liebsten stöbert, welche Künstlerin ihn fast obsessiv beschäftigt und warum seine Wohnung eher gewachsen als eingerichtet ist.


Wo kaufen Sie am liebsten ein?

Am liebsten dort, wo Dinge schon ein Leben vor mir hatten: Flohmärkte, Vintage-Läden, Kleinanzeigen, Vinted, kleine Läden auf Reisen. Ich mag Dinge mit Gebrauchsspuren und suche ständig und überall nach ihnen. Bei Lebensmitteln bin ich deutlich weniger romantisch, da darf es einfach der Supermarkt um die Ecke sein.

Wie würden Sie Ihren Einrichtungsstil beschreiben und wo halten Sie sich am liebsten in Ihrem Zuhause auf?

Romantik trifft Rock ‚n‘ Roll. Fast alles bei mir ist vintage oder secondhand und ich plane beim Einrichten ehrlich gesagt ziemlich wenig. Ich finde etwas, verliebe mich und schaue dann, wo es landet. Dadurch ist meine Wohnung über Jahre eher zusammengewachsen als eingerichtet worden. Am liebsten verbringe ich Zeit in meinem Bett oder in der Badewanne. Fernab davon arbeite ich von zuhause und meistens verwandelt sich irgendwann die ganze Wohnung in mein Atelier.

Unterwegs hört Dustin Hanke fast immer Musik, oft wochenlang dieselben Songs, bis sie fest mit einer bestimmten Zeit oder einem Ort verbunden sind.

Unterwegs hört Dustin Hanke fast immer Musik, oft wochenlang dieselben Songs, bis sie fest mit einer bestimmten Zeit oder einem Ort verbunden sind.

© Dustin Hanke

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Welches Buch hat Sie in letzter Zeit bewegt?

Zuletzt hat mich „Öffnet sich der Himmel“ von Sean Hewitt sehr bewegt – it hits close to home – und ich habe eigentlich nur geweint. Gerade lese ich „Late Child“ von meiner Freundin Diana Lange. Ganz oben auf meiner Liste steht das neue Buch von Lena Dunham, „Famesick“. Mein Lieblingsbuch wird aber wahrscheinlich für immer „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ bleiben, es begleitet mich seit meiner Jugend und ich greife gerne darauf zurück.

Welcher Film/Serie hat Sie am meisten beeindruckt und warum?

„Poor Things“ von Yorgos Lanthimos. Bella Baxter (die Hauptfigur, gespielt von Emma Stone) ist mir auf eine seltsame Art sehr nah. Ich liebe ihre kindliche Neugier und Radikalität und gleichzeitig diese vollkommen überzeichnete Welt. Die Mischung aus Gugu-Gaga, wunderschöner Ästhetik und morbiden, fast grotesken Szenen trifft bei mir genau einen Nerv. Ich liebe wirklich alles an diesem Film und musste ihn mir gleich dreimal im Kino anschauen.

Flohmärkte, Bücher, Filme: Dustin Hanke sucht nach Dingen und Geschichten, die ihn nicht so schnell loslassen – „Poor Things“ sah er gleich dreimal im Kino.

Flohmärkte, Bücher, Filme: Dustin Hanke sucht nach Dingen und Geschichten, die ihn nicht so schnell loslassen – „Poor Things“ sah er gleich dreimal im Kino.

© Dustin Hanke

Wer ist Ihr Stilvorbild? Wonach gehen Sie beim Ankleiden morgens – Routine, Stimmung oder Plan? Wie entscheiden Sie, was Sie kombinieren?

Ein wirkliches Stilvorbild habe ich nicht. Mich interessieren authentische Menschen, die so sehr in ihrer eigenen Welt stehen, dass Kleidung nur noch eine Verlängerung ihrer Persönlichkeit ist. Inspiration finde ich deshalb oft bei Musikern wie Patti Smith, David Bowie oder Nick Cave.

Morgens ziehe ich mich komplett nach Stimmung an. Meistens beginnt es mit einem Teil, das ich unbedingt tragen möchte, und der Rest findet dazu. Ich glaube ohnehin: Wenn ich zwei Dinge wirklich schön finde, werden sie irgendwie miteinander funktionieren.

Sie sind bei Freunden eingeladen. Was bringen Sie als besonderes Gastgeschenk mit?

Wahrscheinlich etwas, das nur für diese Person Sinn ergibt und von mir kommt. Eine Fotografie, ein kleines selbstgemachtes Objekt, ein Fundstück von einer Reise oder etwas, das auf ein gemeinsames Erlebnis anspielt. Und Blumen. Blumen gehen immer.

Was steht auf Ihrem eigenen Wunschzettel ganz oben?

Ganz oben steht, an einer Ausstellung und einem Buch zu arbeiten und meiner eigenen Sicht noch mehr zu vertrauen. Je älter ich werde, desto genauer weiß ich, was mich wirklich interessiert und was sich nach mir anfühlt, und das möchte ich noch stärker verfolgen. Ein eigenes Atelier wäre dafür natürlich ein Traum.

Außerdem möchte ich weiterhin viel reisen, neugierig bleiben, neue Menschen und Orte kennenlernen und möglichst glücklich mit dem sein, was ich mache. Und bei allem, was beruflich noch kommen darf, steht eigentlich über allem, dass meine Familie und Freunde gesund bleiben.

Was war Ihr letzter Fehlkauf?

Wahrscheinlich irgendein Material für meine Arbeit, bei dem ich mir sicher war, dass es mein Leben verändert und das seitdem unangetastet herumliegt.

Welche Ausstellung haben Sie zuletzt gesehen? Welches Kunstwerk / welcher Künstler fasziniert Sie?

Die beste Ausstellung, die ich je gesehen habe, war wahrscheinlich „Germany / 1920s / New Objectivity / August Sander“ im Centre Pompidou, 2022. Ich denke immer noch oft daran, weil dort Fotografie, Malerei, Architektur, Design und Film so selbstverständlich nebeneinander existiert haben.

Aber die Künstlerin, mit der ich mich fast obsessiv beschäftige, ist Louise Bourgeois. Ich habe ihre große Ausstellung im Mori Art Museum in Tokyo gesehen und kann seitdem ehrlich gesagt kaum noch etwas anschauen, ohne es innerlich damit zu vergleichen. Ich liebe ihre Arbeit, vor allem wie persönlich, körperlich, verletzlich und gleichzeitig brutal sie sein kann. Und wie selbstverständlich sie zwischen Skulptur, Textil, Zeichnung und Installation wechselt. Seit Tokyo komme ich irgendwie nicht mehr von ihr los. Gestern Abend habe ich die neue Maurizio Catellan Ausstellung namens „NIGHT“ in der Neuen Nationalgalerie gesehen.

Was hören Sie in der U-Bahn/im Auto? Podcast oder Musik?

Fast immer Musik. Ich kann dieselben Songs wochenlang hören, bis sie komplett mit einer bestimmten Zeit oder einem Ort verbunden sind. Unterwegs höre ich gern Dinge, die einen eigenen Film im Kopf erzeugen. Podcasts eher bewusst zuhause oder auf längeren Reisen und eigentlich nur von Leuten, die mir nahestehen. Musik ist für mich unmittelbarer.

Haben Sie eine Lieblings-App? Welche und weshalb?

Die Kamera-App meines iPhones, wenn das zählt. Mein Handy ist wahrscheinlich zu fünfzig Prozent Kamera und zu fünfzig Prozent Notizbuch. Ich fotografiere ständig Dinge, die erstmal völlig irrelevant aussehen: Oberflächen, Schatten, Verpackungen, Wände, Hände, Fundstücke etc. und Monate später werden sie oft Teil einer Arbeit.

Was darf in Ihrer Beauty-Routine oder in Ihrem Kosmetiketui nicht fehlen?

Sonnencreme und Face Masks. Und wahrscheinlich etwas sehr Unspektakuläres wie Lippenpflege. Bei Beauty mag ich es an mir eher reduziert oder ein full on edgy Glam um die Augen. Es soll aber immer so aussehen, als hätte ich nicht sehr viel darüber nachgedacht.

Welche Reise war Ihre schönste und warum? Berge oder Meer? Hotel? Ferienwohnung? Camping?

Meer vor Bergen, hundert Prozent. Ich mag Reisen, die irgendwann aufhören, sich wie Reisen anzufühlen. Wenn man denselben Kaffee holt, dieselbe Straße entlangläuft, anfängt Dinge zu sammeln und plötzlich einen kleinen Alltag an einem fremden Ort hat. Ich fotografiere unterwegs viel und nehme meistens auch Material oder Fundstücke mit nach Hause. Am liebsten wohne ich in kleinen Hotels oder Wohnungen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner