Verkehr

Auf kleinen Rädern ins Risiko: Berlins unfallreiche Bilanz auf zwei Rollen

Statt Fahrrad, Bus oder Auto, greifen die Berliner schnell zum Scooter. Dass das nicht immer gut endet, kann man Tag für Tag beobachten.

Annamarie Heller
Annamarie Heller
4 Min
Mit dem E-Roller unterwegs.

Mit dem E-Roller unterwegs.

© Jens Büttner/dpa

Ein E-Scooter-Unfall in Berlin, wieder einmal. Dienstagfrüh gegen 5.30 Uhr rast eine 21-jährige E-Scooter-Fahrerin auf der Köpenicker Landstraße mit 1,3 Promille gegen ein Auto, das an einer Ampel wartete. Die junge Frau erleidet eine blutende Platzwunde am Kopf, klagt über Gedächtnisverlust und muss ins Krankenhaus gebracht werden.

Seit mehr als sieben Jahren düsen sie durch Berlin. Mit der Zahl der E-Scooter nahm auch das Unfallkommen zu. Registrierte die Polizei 2021 noch 813 Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen, so waren es im vergangenen Jahr bereits 1378. Dabei wurden 871 Menschen leicht und 98 schwer verletzt. Tote gab es anders als im Jahr davor nicht. Auf Platz 1 der Unfallschwerpunkte steht übrigens die Sonnenallee in Neukölln.

Einst als Vehikel der Verkehrswende gepriesen, bestens geeignet zur Überwindung der letzten Meile nach Hause oder zur Arbeit, werden die elektrischen Tretroller und ihre meist jugendlichen Fahrer inzwischen meist eher als Belastung empfunden. In Berlin bleiben sie eine ständige Ursache von Problemen und Risiken.

Ständige Stolperfalle

Allzu oft werden die Mietfahrzeuge nicht ordnungsgemäß abgestellt, sondern rücksichtslos hingeworfen. Wenn sich das dann täglich wiederholt, endet es in einem Mikado-Spiel aus Dutzenden Rollern.

Menschen mit einer Seheinschränkung oder Behinderung können die verstreuten Roller oft nicht gut sehen, und es droht ihnen die Gefahr, zu stürzen. Auch die Umwelt leidet unter dem Abstellchaos –regelmäßig müssen Einsatzkräfte Dutzende in der Spree oder in Parkanlagen versenkte Akkus und Fahrzeuge bergen. Bezirksämter wie Mitte haben Mietstationen eingerichtet , die Sharingstrategie des Senats sieht viele weitere Abstellanlagen vor. Doch vielen geht es zu langsam voran.

Immer und überall unterwegs: E-Scooter in Berlin.

Immer und überall unterwegs: E-Scooter in Berlin.

© Christoph Soeder/dpa

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Die größte Gefahr liegt jedoch bei den Jugendlichen der Stadt. Die Zahlen für das laufende Jahr zeichnen ein alarmierendes Bild: Allein in Berlin wurden seit 2019 tausende Unfälle registriert. Dass der schnelle Tritt aufs Trittbrett lebensgefährlich sein kann, zeigen tragische Kollisionen in der letzten Zeit, die für mehrere Fahrer tödlich endeten.

Besonders auffällig ist das Alter der Verunglückten. Fast die Hälfte aller verletzten E-Scooter-Nutzer auf Berliner Straßen ist jünger als 25 Jahre. Das Mindestalter liegt zwar gesetzlich bei 14 Jahren, die Realität sieht jedoch anders aus. Miet-Plattformen stehen dabei in der Kritik, da sie die Identität der Nutzer und deren tatsächliches Alter bei der Anmeldung oft nur unzureichend per Personalausweis überprüfen.

Unaufmerksam und Umgefallen

Dabei entsteht die größte Gefahr nicht inmitten des dichten Berliner Berufsverkehrs. Rund 45 Prozent aller Unfälle sind Alleinunfälle – Stürze ohne Fremdeinwirkung. Ein unachtsamer Moment auf nassem Kopfsteinpflaster, ein übersehenes Schlagloch im Kiez oder die Schienen der Straßenbahn reichen aus, um den Roller unvermittelt aus der Spur zu bringen. Die Folge sind häufig schwere Stürze, die mangels Helmpflicht erschreckend oft mit ernsten Kopfverletzungen im Krankenhaus enden.

Noch schneller geschehen diese Art von Unfällen jedoch unter Einfluss von Alkohol und anderen Drogen. Grundsätzlich gilt für alle Fahranfänger in der Probezeit sowie für Personen unter 21 Jahren 0,0 Promille. Ein Verstoß kostet 250 Euro Bußgeld und bringt einen Punkt in Flensburg. Zwischen 0,5 bis 1,09 Promille zählt das Vergehen zu den Ordnungswidrigkeiten. Wer dabei ohne Ausfallerscheinungen erwischt wird, zahlt gemäß dem Bußgeldkatalog zum E-Scooter-Alkohol im Regelfall 500 Euro Bußgeld, erhält 2 Punkte in Flensburg und ein 1-monatiges Fahrverbot. Bei Wiederholungstätern steigt das Bußgeld auf über 1.000 Euro an.

Andauernde Unfälle durch E-Scooter.

Andauernde Unfälle durch E-Scooter.

© Olaf Wagner

Der jüngste Unfall Dienstagfrüh in Plänterwald zeigt, warum die Debatte um die flitzende Roller keineswegs abgehakt ist und die Forderungen nach deutlich strengeren Regeln, intensiveren Kontrollen und konsequenteren Strafen auf Berlins Straßen immer lauter werden.

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