Es ist wieder so weit: Seit Freitagmorgen steht mit EA Sports FC 27, dem Nachfolger der einst als FIFA bekannten Fußballsimulation, ein neuer Teil der beliebtesten Sportspielreihe der Welt in den Regalen – zumindest für alle, die 80 Euro für die Standardversion übrig haben. Wer bereit war, für die Ultimate Edition 110 Euro auf den Tisch zu legen (auf dem PC jeweils zehn Euro weniger), durfte schon eine Woche früher ran.
Die Frage, die sich bei jedem neuen Teil stellt, drängt sich auch diesmal auf: Bekommt man wirklich ein neues Spiel oder nur ein aktualisiertes Update mit neuen Kadern? In den vergangenen Jahren war die Antwort meistens ernüchternd. Diesmal ist es tatsächlich anders.
Der neue Modus, den niemand wollte
Mit „The Grounds“ bringt EA erstmals einen offenen Modus in die Reihe, den es zuvor in keinem FIFA- oder FC-Teil gab – wohl aber in einer anderen Sportspielserie: Das Vorbild ist unübersehbar: „The City“ aus der Basketballreihe NBA 2K.
Mit einem selbst erstellten Avatar läuft man durch eine offene Spielwelt, bestreitet Straßenfußball und Minispiele, verdient Spielgeld und stattet seinen Charakter mit neuer Kleidung aus. Wer Echtgeld einzahlt, kann das Ganze abkürzen. Wie in den bekannten Pro Clubs kann man dort außerdem gemeinsam mit anderen Spielern antreten, wobei jeder nur seine eigene Position steuert.
Richtig gelungen scheint die Neuerung aber nicht zu sein. Das Videospiel-Online-Magazin IGN betitelte seinen Testbericht wie folgt: „Das Experiment geht nicht auf.“ Auch in Reviews von Content-Creatorn und auf anderen Fachportalen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Viele Spieler langweilen sich in dem Modus, der zwar Potenzial mitbringt, in dieser ersten Version aber unausgereift wirkt. Und weil auch hier Pay-to-win, oder eher Pay-to-progress, gilt, haben es Neueinsteiger in den Minispielen schwer gegen Spieler, die ihren Charakter längst hochgelevelt haben.
Ultimate Team bleibt, was es war
Pay-to-win ist fast seit jeher das Prinzip, auf dem der beliebteste Modus der Reihe seit Jahren beruht: Ultimate Team, wo Echtgeld gegen Kartenpakete mit zufälligen Spielern eingetauscht werden kann. Weil das dem Glücksspiel ähnelt, hat sich die europäische Alterseinstufung PEGI verschärft: Statt wie bisher ab drei Jahren gilt für FC 27 nun eine Empfehlung ab 16 Jahren.
Wichtig dabei: PEGI ist keine gesetzliche Verkaufssperre, sondern eine Alterskennzeichnung – und für Deutschland ohnehin nicht maßgeblich. Hier stuft die USK ein, die das Spiel wie schon die Vorgänger seit FC 24 mit „freigegeben ab 12 Jahren“ bewertet.
Karrieremodus als heimlicher Gewinner
Positiv fällt dagegen auf, wie sich der lange vernachlässigte Karrieremodus entwickelt hat. Frühere Änderungen kamen bei der Community selten gut an – diesmal ist das anders. Vor allem das erneuerte Transfersystem wirkt für viele realistischer: Verhandlungen laufen jetzt in mehreren Phasen, konkurrierende Klubs können sich noch einmischen, und dank einer Kooperation mit dem Datendienst TransferRoom orientieren sich die Ablösesummen stärker an echten Marktwerten.
„Die Spieler haben jetzt ihren eigenen Kopf“, lobte Streamer Simon „GamerBrother“ Schildgen in einem Stream mit Blick darauf, dass sich fiktive Profis aus nachvollziehbaren Gründen gegen einen Wechsel sperren können.
Mehr Kontrolle
Auch wenn es zum Release des Spiels erst einmal für Frust bei einigen Spielern sorgte, überzeugt das neue Spielgefühl mit mehr Kontrolle über das, was die Spieler tun. Vieles ist manueller geworden. Verteidiger agieren etwa nicht mehr automatisch, sondern müssen vom Spieler gesteuert werden. Und wer hinten schlampt, wird bestraft.
Wer offline ein noch authentischeres Gefühl haben will, statt des sonst so schnellen, torlastigen Standardmodus, bekommt außerdem erstmals eine Spieloption, die näher an echtem Fußball ist.
Ein bitterer Abend für Klopp, ein guter für das, was er vorhat
EA Sports FC 27 ist damit ein Spiel mit zwei Gesichtern: Der große neue Wurf, mit dem sich EA von der Konkurrenz absetzen wollte, „The Grounds“, wirkt wie eine gute Idee, die es noch nicht zur Reife gebracht hat. Dort, wo EA seit Jahren nachbessern sollte, im Karrieremodus und im Spielgefühl, ist tatsächlich ein echter Schritt nach vorne gelungen.
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