Zentralafrika

Ebola-Ausbruch im Osten Kongos: USA erlassen Einreisebeschränkungen

Die Zahl der Verdachtsfälle steigt auf mehr als 500. Washington verweigert Nicht-US-Staatsbürgern aus drei Ländern vorerst die Einreise.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
5 Min
Helfer kommen in Schutzanzügen zu ihrer Schicht in einem Behandlungszentrum mit Ebola-Erkrankten.

Helfer kommen in Schutzanzügen zu ihrer Schicht in einem Behandlungszentrum mit Ebola-Erkrankten.

© Jerome Delay/dpa

Der Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo weitet sich aus – die USA reagieren bereits mit Einreisebeschränkungen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag berichtete, sprach der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, vor der Weltgesundheitsversammlung in Genf von mindestens 500 Verdachtsfällen und 130 vermuteten Todesfällen seit Beginn des Ausbruchs. Er sei „zutiefst besorgt über das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Epidemie“.

Der kongolesische Regierungssprecher Patrick Muyaya nannte laut Radio Okapi bei einer Presseunterrichtung am Montag in Kinshasa 118 Tote bei 435 Verdachtsfällen. Betroffen seien die Provinzen Ituri und Nord-Kivu, neu erfasst seien die Gesundheitszonen Katwa und Goma. Die Nachrichtenagentur AP meldete unter Berufung auf Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba inzwischen 513 Verdachtsfälle und 131 Tote. Noch werde geprüft, welche Todesfälle tatsächlich auf das Virus zurückgingen.

Ebola ist eine seltene, schwere Infektionskrankheit. Ausgelöst wird sie durch verschiedene Ebolaviren. Die Krankheit tritt vor allem in Ländern südlich der Sahara auf. Sie wird nicht über die Luft übertragen, sondern durch direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten, verunreinigten Gegenständen oder Leichen infizierter Menschen. Auch Wildtiere können das Virus auf Menschen übertragen. Nach Angaben der WHO stirbt im Schnitt etwa jeder zweite Erkrankte; je nach Ausbruch lag die Sterblichkeit zwischen 25 und 90 Prozent. Impfstoffe und gezielte Medikamente sind bisher nur gegen die Zaire-Variante zugelassen.

Fälle in Goma, Butembo und Uganda

Bestätigte Fälle gibt es laut AP in Bunia, in der von Rebellen gehaltenen Stadt Goma, in Mongbwalu, Butembo und Nyakunde. Im benachbarten Uganda wurden zwei Erkrankungen und ein Todesfall bei Reisenden aus dem Kongo bestätigt. Die WHO hatte den Ausbruch am Sonntag zur „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt. Auslöser ist die Bundibugyo-Variante des Ebolavirus, eine seltene Form, gegen die nach Angaben der WHO bislang weder ein zugelassener Impfstoff noch ein zugelassenes Medikament verfügbar ist.

Tedros nannte laut Reuters mehrere Gründe für die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung. Fälle seien inzwischen auch in größeren Städten wie der ugandischen Hauptstadt Kampala und in Goma registriert worden. Zudem hätten sich medizinische Beschäftigte infiziert, was auf Übertragungen in Gesundheitseinrichtungen hindeute. Sorge bereite der WHO außerdem die anhaltende Krise in der von Konflikten geprägten Provinz Ituri. Die Organisation stellte nach eigenen Angaben 3,9 Millionen US-Dollar an Nothilfe bereit. Für Dienstag war zudem eine Sitzung des WHO-Notfallausschusses angesetzt.

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Die WHO ist die Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Formal legen die Mitgliedstaaten in der Weltgesundheitsversammlung Kurs, Führung, Finanzkontrolle und Haushalt fest. Ihr Budget stammt aber nur zu einem kleineren Teil aus Pflichtbeiträgen der Staaten. Der größere Teil kommt aus freiwilligen Zahlungen von Regierungen, Uno-Organisationen, Stiftungen, Unternehmen und anderen Geldgebern. Den größten praktischen Einfluss haben deshalb große Beitragszahler, vor allem wenn ihre Zahlungen zweckgebunden sind. Zu den wichtigen Finanziers zählen neben Staaten auch die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung, die Impfallianz Gavi und die EU-Kommission.

USA beschränken Einreise aus drei Ländern

Die US-Seuchenschutzbehörde CDC teilte am Montag mit, sie habe auf Grundlage des US-Gesundheitsdienstgesetzes eine Anordnung erlassen, die für zunächst 30 Tage gilt. Unter die Anordnung fallenden Ausländern wird die Einreise verweigert, wenn sie sich in den vergangenen 21 Tagen in der Demokratischen Republik Kongo, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten haben. Zusätzlich werden die Kontrollen an den Einreiseorten verschärft und Fluggesellschaften einbezogen. Das Risiko für die US-Bevölkerung schätzt die CDC derzeit als gering ein.

Laut dem kongolesischen Nachrichtenportal Actualité.cd teilte das US-Außenministerium am Montag mit, es habe binnen 48 Stunden einen Einsatzplan aktiviert und eine erste Tranche von 13 Millionen US-Dollar für die Soforthilfe bereitgestellt. Das Geld soll Überwachung, Laborkapazitäten, Risikokommunikation, sichere Bestattungen, Grenzkontrollen und die klinische Versorgung der Kranken unterstützen.

Verspätete Entdeckung des Ausbruchs

Nach Angaben von AP starb der erste bekannte Patient am 24. April in Bunia. Erste Proben seien zunächst auf die häufigere Zaire-Variante des Virus getestet worden und negativ ausgefallen, sagte Richard Kitenge vom kongolesischen Gesundheitsministerium der Nachrichtenagentur. Erst am 14. Mai sei Ebola bestätigt worden. Matthew M. Kavanagh vom Zentrum für globale Gesundheitspolitik der Universität Georgetown sagte AP, wegen der falsch-negativen Tests laufe man einem gefährlichen Erreger hinterher.

In den vergangenen Jahren traten Ebola-Ausbrüche vor allem in Zentral- und Ostafrika auf, besonders in der DR Kongo, in Uganda und Guinea wurden wiederholt Fälle gemeldet. Der schwerste Ausbruch begann im August 2018 im Osten der DR Kongo. Nach Angaben der CDC wurden 3470 Fälle und 2287 Todesfälle gezählt, die WHO erklärte den Ausbruch nach fast 23 Monaten im Juni 2020 für beendet. Seither blieben die meisten Ausbrüche kleiner und örtlich begrenzt. Als beendet gilt ein Ebola-Ausbruch in der Regel erst, wenn 42 Tage nach dem letzten Fall keine neue Erkrankung festgestellt wird.

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