Der vierköpfige Ehrenrat, der sich mit Stasi-Verstrickungen von Redakteuren der Berliner Zeitung befasst, tritt Anfang kommender Woche erneut zusammen. Er wird sich dabei mit zwei Fällen einer Inoffiziellen Tätigkeit für das MfS befassen, die bislang Chefredaktion und Gremien der Berliner Zeitung, jedoch nicht öffentlich bekannt waren. Der Rat wird der Chefredaktion voraussichtlich eine Empfehlung geben, welche Konsequenzen aus der Zusammenarbeit der beiden Journalisten mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR zu ziehen sind. Auf Grundlage der Empfehlung wird die Chefredaktion eine Entscheidung treffen, über die die Leser der Berliner Zeitung im Blatt unterrichtet werden sollen. So war die Berliner Zeitung bereits bei zwei im Frühjahr bekannt gewordenen Fällen von Stasi-Verstrickung verfahren.Um dem Ehrenrat Gelegenheit zu einer unbeeinflussten Stellungnahme zu geben, wird die Berliner Zeitung zu den beiden gestern in einem Pressebericht dargestellten Fällen einer IM-Tätigkeit eines Lokal- und eines Politikredakteurs erst Stellung nehmen, wenn der Rat zu einer Empfehlung gelangt ist. Richtig ist, dass zwei Journalisten dieser Zeitung sich bereits vor längerer Zeit gegenüber der Chefredaktion, dem Redaktionsausschuss und dem Ehrenrat von sich aus zu einer MfS-Mitarbeit bekannt, ihre Stasi-Unterlagen zugänglich gemacht und ihre Beweggründe für eine konspirative MfS-Mitarbeit geschildert haben. Bis zu einer Empfehlung des Ehrenrats wurde Vertraulichkeit vereinbart.Mitglieder des Ehrenrats sind der frühere Direktor des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Peter Busse, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Rainer Eppelmann, der Schriftsteller Adolf Endler und der Theaterregisseur Thomas Langhoff. (BLZ)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]