Architektur

Betonkoloss am Alexanderplatz: Wie die Memi dem Zeitgeist trotzt

100 Jahre Plattenbau, 45 Jahre Memhardstraße 6–8: Der spröde Bau am Alexanderplatz und seine Bewohner machen viel mit – doch er bleibt ihr Memi. Eine Reportage.

10 Min
100 Jahre Plattenbau: Wie es sich in der letzten unsanierten Platte an der Memhardstraße lebt.

100 Jahre Plattenbau: Wie es sich in der letzten unsanierten Platte an der Memhardstraße lebt.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Wenn man vom Alexanderplatz kommend die Karl-Liebknecht-Straße überquert, schiebt sich ein gigantischer Bau in den Blick. Ein braunes Betonmonster, das von seinen Bewohnerinnen und Bewohnern liebevoll Memi genannt wird. Der Gebäudekomplex an der Memhardstraße 6–8 wurde im Jahr 1984 nach den Plänen der DDR-Architekten Klaus Bläsing, Lothar Kwasnitza und Klaus Deutschmann fertiggestellt. Seither hat sich ringsherum im Herzen Berlins nahezu alles verändert, doch die Memi steht als trotziges Zeitzeugnis da – roh und gezeichnet vom Dreck der Großstadt.

Streng genommen ist die Memi gar keine klassische Platte. Als sie Anfang der Achtzigerjahre entstand, ging die große Zeit des DDR-Massenwohnungsbaus bereits zu Ende, und am Stadtrand wuchsen die Typenbauten der Serie WBS 70 in die Höhe. Mitten im Zentrum, im Blickfeld des Fernsehturms, ließ sich das Baukastenprinzip jedoch nicht einfach übertragen. Die Memi erhielt deshalb ein tragendes Stahlskelett, an das die Betonplatten der Fassade nur vorgehängt sind, wie Aline Fürstenberger in ihrer Diplomarbeit schreibt.

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